Mord oder Missgeschick?
Shownotes
Musik: Fatbunny/Epic Beat/ Pixabay
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00:00:00: Der nachfolgende Beitrag wurde mithilfe künstlicher Intelligenz erstellt.
00:00:41: Weißt du, wenn wir uns heutzutage so einen Tatort im Fremdsehen ansehen?
00:00:45: Dann erwarten wir irgendwie instinktiv totale Klarheit!
00:00:50: Ja absolut!
00:00:51: Wir sind da völlig konditioniert durch diese ganzen modernen Forensikshows...
00:00:55: Genau man erwartet sofort dieses gelbe Absperrband, penibel gesicherte DNA-Proben und einen glasklaren Tathergang.
00:01:04: Irgendjemand findet dann so ne Patronenhülse im Gras und zack, der Fall ist quasi in vierzig Minuten gelöst.
00:01:09: Schön wär's in der Realität oder?
00:01:11: Eben!
00:01:12: Aber jetzt stell dir mal vor du stehst plötzlich mitten im siebzehnten Jahrhundert.
00:01:16: Du bist auf so nem schlammigen Feld mittenim dreißigjährigen Krieg.
00:01:21: Das metaphorische Absperrband wurde gerade von naja drei tausend Kavalleristen in den Boden getramppelt
00:01:27: Und die Zeugen sind wahrscheinlich alle entweder betrunken völlig traumatisiert Oder lügen dir einfach eiskalt ins Gesicht
00:01:33: Ganz genau.
00:01:34: Und der offizielle Polizeibericht, sage ich mal ist in Wahrheit ein Stück feinsäuberlich formulierte Staatspropaganda.
00:01:41: Das ist im Grunde exakt die Realität der Geschichtsforschung wenn wir uns in diese spezielle Epoche begeben.
00:01:47: Wir suchen nach einem Motiv und einer rauchenden Waffe aber stattdessen finden wir Kriminalfälle bei denen die Wahrheit eigentlich das allererste Opfer war und zwar lange bevor der eigentliche Schuss überhaupt viel
00:01:57: Und genau in dieses Chaos ziehen wir dich heute rein.
00:02:01: Wir schlagen nämlich die historischen Akten auf, wir haben uns einen enorm dichten Stapel an zeitgenössischen Quellen vorgenommen – also offizielle Depeschen, Augenzeugenberichte, Kroniken…
00:02:12: Darunter auch die des Erzgebicks Chronisten Christian Lehmann, die sehr spannend ist!
00:02:16: Ja und auch die wirklich erstaunlich umgeschönten Aufzeichnungen von einem englischen Söldner namens Sidnam Points.
00:02:23: Unser Ziel heute ist es, diese extrem komplexen oft sehr undurchsichtigen politischen Renggespiele der Sechzehnhundertdreißiger Jahre mal aufzudröseln.
00:02:33: Und das machen wir durch die Linse einer einzigen wirklich faszinierenden Figur – nämlich Prince Ulrich III von Dänemark!
00:02:43: Definitiv.
00:02:44: Wir schauen uns an warum sein Leben die europäische Diplomatie ziemlich ins Schwitzen brachte und warum sein gewaltsamer Tod bis heute wie so ein ungelöster historischer Krimi wirkt.
00:02:55: Also, lass uns das mal entpacken!
00:02:57: Gerne Und das historische Spiel fällt mal kurz abzustecken.
00:03:01: Wir schreiben die sechzehntundertdreißiger Jahre.
00:03:04: Der Krieg wütet jetzt schon seit über einem Jahrzehnte.
00:03:06: ganze Landstriche sind komplett verwüstet
00:03:09: Und Loyalitäten waren da ja auch eher naja Tagesgeschäft oder?
00:03:14: Völlig.
00:03:15: Loyalitäten sind keine festen Größen mehr, die wechseln teilweise wöchentlich.
00:03:20: Je nachdem wer gerade dem soll zahlen kann.
00:03:23: und was in diesem Kontext noch wichtiger ist – Informationen sind eine echte Waffe!
00:03:29: Berichte werden einfach hemmungslos manipuliert um Feinde zu diskreditieren oder eben Allianzen zu schmieden.
00:03:36: Wir haben hier also keinen trockenen Geschichtsunterricht vor uns
00:03:40: Sondern quasi ein leeres Stück über Fake News im siebzehnten Jahrhundert Genau
00:03:44: Über Macht, Desinformation und diesen sprichwörtlichen Nebeldiskridis.
00:03:49: Okay, ordnen wir das mal ein!
00:03:52: Bevor wir uns mit dem Mord und den ganzen Wirren-Ermittlungen befassen muss ich erstmal eine ganz grundlegende Sache verstehen Wer war dieser Ulrich überhaupt?
00:04:01: Und was um Himmelswillen hatte einen dänischer Print da auf einem Schlachtfeld in Mitteleuropa zu suchen?
00:04:07: Das ist eigentlich die entscheidende Frage Denn Ulrichs bloße Anwesenheit dort auf dem Feld war ein massiver diplomatischer Störfall.
00:04:15: Wieso genau?
00:04:16: Naja, er wurde sixteenhundertelf geboren als Sohn des dänischen Königs Christian IV und sein Leben war eigentlich auf absolute Sicherheit ausgelegt.
00:04:27: Man muss sich diese Mechanismen der Zeit klarmachen.
00:04:30: um Reichtum für die Krone zu sichern nutzte man oft kirchliche Ämter Und so wurde Ulrich im Jahr sechzehnhundertzwanzig Pass auf mit unglaublichen drei zehn Jahren zum Administrator des Bistums Schwerin errand.
00:04:43: Warte
00:04:44: mal kurz, ein dreizehnjähriger leitet ein komplettes Bistum?
00:04:48: Das ist ja als würde man einen Achtklässler zum CEO von einem multinationalen Konzern machen!
00:04:53: Im Grunde Ja – exakt so.
00:04:55: Er musste natürlich keine Messen lesen oder so.
00:04:57: es ging rein um die Verwaltung der massiven kirchlichen Länder rein
00:05:01: Also ums Geld
00:05:02: Nur um's Geld und die Kontrolle der Steuereinnahmen.
00:05:05: das war eine hochpolitische extrem lukrative Position aber eben fernab jeder Lebensgefahr.
00:05:12: Aber Ulrich bricht aus diesem goldenen Käfig aus, im Jahr sechzehnhundertzweiunddreißig und zwar gegen den ausdrücklichen wütenden Befehl seines Vaters wirft er diesen Posten einfach hin.
00:05:24: Krass!
00:05:24: Er verlässt Schwerin und tritt in die Kurs sächsische Armee ein – und das direkt als oberste Kavallerie.
00:05:31: Aber
00:05:31: äh…das ergibt doch auf den ersten Blick überhaupt keinen Sinn?
00:05:35: Seinen Vater, also der dänische König.
00:05:38: Der hatte doch erst sixteenhundertundzwanzig nach so einer ziemlich katastrophalen Niederlage den Frieden von Lübeck schließen müssen.
00:05:44: Richtig!
00:05:45: Dänemark war doch damit offiziell neutral oder nicht?
00:05:49: Die durften sich doch auf gar keinen Fall in kaiserliche Angelegenheiten einmischen.
00:05:53: Wenn der Sohn des Königs jetzt plötzlich einen Regiment anführt das gegen den Kaiser kämpft War das nicht faktisch hochverrat
00:06:01: Oder zumindest eine massive diplomatische Provokation?
00:06:04: ja
00:06:04: Genau Warum hat die kaiserliche Armee diesen rebellischen Teenager nicht einfach sofort zermalmt?
00:06:10: Naja, unter normalen Umständen hätten sie das vielleicht auch getan.
00:06:14: Aber wir müssen uns ansehen wer der Oberbefehlzarber der kaiserlichen Truppen war.
00:06:18: Das war Albrecht von Wallenstein.
00:06:20: Ah okay!
00:06:21: Der Strategie.
00:06:22: Wallenstein war eben nicht nur ein brutaler Feldherr sondern ein brillanter fast schon unheimlich weitsichtiger Stratege.
00:06:31: Er dachte in kontinentalen Dimensionen.
00:06:35: Und wenn wir das mal mit dem Großen Ganzen verbinden, für Wallenstein war die sogenannte Balance des Nordens entscheidend.
00:06:41: Er wollte Denmark unbedingt als potenziellen Verbündeten in der Hinterhand behalten gegen die immer stärker werdenden Schweden.
00:06:48: Verstehe!
00:06:49: Als er also sah dass der dänische Prinz da in Sachsen kämpft sei er keine direkte Bedrohung sondern
00:06:55: eine Schachfigur.
00:06:56: Er war eine fantastische Schachfigur.
00:06:58: Er wollte
00:06:58: ihn also lebend haben, um Druck auf Dänemark auszuüben?
00:07:01: Mehr als das!
00:07:02: Er wollte ihm quasi einkaufen.
00:07:04: Wallenstein schreibt sechzehnhundertdreißig sogar Schreiben an den Hof in Wien und bittet den Kaiser allen Ernstes darum, Ulrich zum Grafen von Holstein zu ändern.
00:07:13: Echt
00:07:14: jetzt?!
00:07:14: Den feindlichen Kommandanten
00:07:16: befördern!?
00:07:17: Ja... Er spielt mit dem Gedanken, den Jungen mit Titeln zu überhäufen.
00:07:22: Vielleicht sogar eine Heirat mit seiner eigenen Tochter zu arrangieren?
00:07:26: Wallensteins Kalkül war ganz simpel.
00:07:29: Wenn wir den Sohn des dänischen Königs auf unsere Seite ziehen und ihn fürstlich behandeln dann zwingen wir den Vater de facto in einen Bündnis mit uns.
00:07:38: Ulrich war also für ihn kein feindlicher Soldat mehr.
00:07:42: er war ein unschätzbar wertvolles diplomatisches Pfand.
00:07:46: Okay aber Da hakt es jetzt bei mir völlig.
00:07:49: Wenn dieser junge Prinz so ein unglaublich wichtiges Pfand für Wallensteins Masterplan war, warum finde ich ihn dann in den Quellen als Kavalerie oberist an vorderster Front?
00:07:59: Also im Böhmen und Schlesien?
00:08:01: Ein politisches Pfand packt man doch in Watte!
00:08:04: Eigentlich schon...
00:08:05: Man lädt ihn zu Banketten ein, man gibt ihm vielleicht einen schönen Palast in Prag, man setzt ihn doch nicht auf einem Pferd wo ihm der nächsten Schlacht einfach eine verirrte Bleikugel den Kopf wegreißen kann.
00:08:15: Da hast du völlig recht, aber da kollidiert Wallensteins kühle strategische Vernunft eben frontal mit Ulrichs Persönlichkeit.
00:08:23: Die historischen Quellen zeichnen da ein sehr klares Bild von diesem jungen Mann.
00:08:27: Es gibt ja einen Bericht des Kroaten-Obristen Losi aus dem Jahr sixteenhundertzeigunddreißig.
00:08:32: der bringt das perfekt auf den Punkt.
00:08:35: Der meldet seinen vorgesetzten Prinz Ulrich sei Zitat so frisch dass er auf allen Scharmützeln sein wolle.
00:08:43: So
00:08:43: Frisch?
00:08:44: Das heißt, er war einfach extrem tollkühn?
00:08:46: Genau.
00:08:47: Tollkühnen – extrem ehrgeizig und anscheinend vollkommen unkontrollierbar!
00:08:53: Er wollte sich auf dem Feld beweisen, er brauchte dieses Adrenalin.
00:08:57: Wallenstein konnte ihn ja nicht einfach einsperren ohne einen Eklat mit Dänemark zu riskieren also musste er ihm Notgedrungen mitspielen lassen.
00:09:04: Und diese Hitzköpfigkeit führt Ulrich dann direkt in diesen ominösen Sommer, die Jahrhundertzehnhundertreißig.
00:09:10: Ganz genau
00:09:11: Das bringt uns nach Schlesien, genauer gesagt vor die Stadt Schweidenitz.
00:09:16: Und die Situation dort ... Die muss man sich wirklich mal auf der Zunge zergehen lassen.
00:09:21: Es wird dort nämlich gerade überhaupt nicht gekämmift?
00:09:24: Nein es herrschen Friedensverhandlungen.
00:09:27: Wallenstein verhandelt dort streng geheim mit dem sächsischen Feldmarschal Hans Georg von Arnim über einen Waffenstillstand und weil unser Prinz Ulrich offensichtlich nicht still sitzen kann ist er natürlich mittendrin.
00:09:40: Eine extrem explosive Situation.
00:09:42: Man muss sich das so vorstellen, diese Verhandlungen fanden in einer Atmosphäre völliger Paraneuer statt.
00:09:47: Niemand traute der Gegenseite auch nur einen Millimeter über den Weg auf der protestantischen Seite also bei Arnim und Ulrich.
00:09:53: da grassierten wirklich wilde Gerüchte.
00:09:56: Was für Gerüche?
00:09:56: Man war fest davon überzeugt dass Wallenstein eigentlich gar keinen Frieden wollte.
00:10:01: man glaubte diese ganzen Verhandlungen seien nur eine gigantische perfide Falle dass er die gesamte protestantische Führungselite an einen Ort locken wollte, um sie dann in einem blutigen Handstreich einfach gefangen zu nehmen oder direkt zu ermorden.
00:10:16: Wow!
00:10:17: Und hier wird es jetzt wirklich interessant und mit dieser lebensgefährlichen Anspannung irgendwie umzugehen greifen die Generäle dort zu einer völlig absurden Etikette.
00:10:30: Oh ja?
00:10:30: Ich vergleiche das gern mit so ner modernen Firmenübernahme, bei der sich die CEOs von zwei rivalisierenden Konzernen beim feinen Gala-Dinner anlächeln, Champagnatrinken und Kaviaressen während ihrer Anwälte im Hintergrund gerade versuchen das Unternehmen des jeweils anderen in Grund und Boden zu klagen.
00:10:48: Nur dass es hier eben um echtes Leben und Tod ging!
00:10:52: Der kaiserliche Oberst Ottavio Piccolomini fängt nämlich an, die feindlichen Offiziere – inklusive Ulrich – zu opulenten Festmalen in sein Zelt einzuladen.
00:11:01: Das grenzt aus heutiger Sicht fast an Wahnsinn!
00:11:04: Man sitzt zusammen, man isst und trinkt wirklich Unmengen an schwerem Wein während draußen die Armeen in voller Gefechtsbereitschaft stehen.
00:11:13: Wie so ein Pulverfass, an dem jemand aus Spaß mit Wunderkerzen jongliert….
00:11:16: das ist ein sehr gutes Bild.
00:11:19: Und um die Gäste zu unterhalten, veranstaltete Piccolomini sogenannte Scharmützel zu perspaß.
00:11:25: Also Scheingefächte.
00:11:26: Scheingeffächte mit echten Waffen muss man dazu sagen?
00:11:30: Exakt!
00:11:31: Bei einem dieser Bankette lässt man zwei Truppen schwer bewaffneter kroatischer Reiter zur Unterhaltung aufeinander feuern und prompt geht das natürlich schief.
00:11:40: ein Lackai von Prinz Ulrich wird dabei durch einen so genannten unversehnen Schuss getötet
00:11:45: Unversehen?
00:11:46: Naja
00:11:47: Ja, das verdeutlicht sehr plastisch wie extrem schmal dieser Graz zwischen höfischen Schauspiel und Nacktergewalt war.
00:11:54: Jeder dort wusste eine falsche Handbewegung ein betrunkener Streit und dieses Festmahl verwandelt sich sofort in einen Blutbad.
00:12:01: Und genau in dieser von purem Misstrauen und eben sehr viel weingeschwängerten Luft knallt es dann wirklich am elften oder laut manchen Quellen.
00:12:10: zwölften August sechzehnhundertdreißig fällt ein Schuss der diese Verhandlungen fast zum Einsturz bringt.
00:12:17: Prinz Ulrich singt tödlich getroffen zusammen.
00:12:20: Richtig!
00:12:21: Ab diesem Moment, wenn wir in den Quellen versuchen herauszufinden was da genau passiert ist zerfällt unsere ganze Spurensuche.
00:12:30: Wir haben hier einen echten historischen Rashomon-Effekt.
00:12:33: Die Wahrheit hängt völlig davon ab Wessenspropagandapamphlet man gerade liest.
00:12:38: Schauen wir uns diese Konstruktion der Wahrheiten mal genauer an.
00:12:41: Das sind faszinierend!
00:12:42: Version eins stammt direkt von der sächsischen Führung.
00:12:46: General Arnim, also Ulrichs eigener Kommandant verfasst eine offizielle Meldung.
00:12:51: Er schreibt seinem Kurfürsten Ehr Lapidar – Ulrich sei bei einem Ausritt an die feindlichen Wachen herangekommen und dort durch einen ganz gefährlichen Schuss verwundet worden, an dem er dann verstarb.
00:13:02: Warte mal, das klingt ja fast nach einem bedauerlichen Arbeitsunfall.
00:13:06: Ein königlicher Prinz wird erschossen und der Kommandierende General zuckt quasi mit den Schultern und sagt tja ist halt zu nah an die Wachen geritten.
00:13:15: Warum spielt Anem das so extrem herunter?
00:13:18: Weil
00:13:18: Anem in diesem Moment das große Ganze im Blick haben muss.
00:13:22: Er sitzt ja mit Wallenstein am Verhandlungstisch.
00:13:25: ein greifbarer Friedensvertrag oder zumindest dieser Waffenstillstand ist zum Greifen.
00:13:30: Das letzte, was Arnim in dieser extrem fragilen Sekunde gebrauchen kann ist ein massiver diplomatischer Eklah.
00:13:36: Ah
00:13:37: ok!
00:13:37: Wenn er Wallensteins Truppen jetzt des Feigenmordes bezichtigt dann... ...
00:13:42: sind die Verhandlungen sofort gescheitert und das Gemetzel geht am nächsten Morgen einfach weiter.
00:13:47: Er ordnet die Wahrheit also ganz klar der Staatsreson unter.
00:13:50: Ein tragischer Unfall an der Frontlinie ist politisch einfach viel bequemer als ein gezieltes Attentat.
00:13:56: Das macht total Sinn.
00:13:57: Aber die zweite Version der Geschichte nimmt genau dieses Motiv des Feigenmordes und dreht es auf maximale Lautstärke.
00:14:05: Das ist die protestantische Gerüchteküche, die dann später unter anderem in der Relationes-Historikai und vom Chronisten Chemnitz festgehalten wurde.
00:14:14: Da wird das Ganze echt zum Thriller!
00:14:17: Oh ja... Die Version hat es in sich.
00:14:20: Laut dieser Erzählung hat der kaiserliche Oberst Piccolomini den Prinzen Ulrich nach so einem scheinbar friedlichen Gespräch verabschiedet.
00:14:28: Ulrich reitet los, plötzlich ruft Piccolominni im Hinterher noch eins!
00:14:34: Ulrich hält an, dreht sich im Sattel um und genau in diesem Moment feuert ein versteckter Schütze aus einem Graben Die Kugel durchschlägt Ulrich laut der Quelle durch Lunge-und Leber.
00:14:47: Eine sehr dramatische Inszenierung.
00:14:49: Ja, und jetzt kommt der absurdeste Teil.
00:14:52: Die Kaiserlichen weigern sich angeblich diesen Schützen auszuliefern weil sie behaupten es sei lediglich Pekolomenis schalksnah gewesen also ein betrunkener Hof nahe der die Waffe abgefeuert habe.
00:15:06: Hier sehen wir die Mechanik der frühneue zeitlichen Propaganda in Bestform.
00:15:11: Man muss wissen wie diese Informationen damals verbreitet wurden.
00:15:14: Das geschah durch sogenannte Flugschriften, hastig gedruckte Pamphlete die Rasen schnell durch ganz Europa zirkulierten.
00:15:21: Und für die protestantische Seite war diese Version ein absolutes Geschenk des Himmels.
00:15:27: Sie bestätigte jedes Vorurteil.
00:15:30: Die kaiserlichen Katholiken sind demnach ehrlose Verräter, die unter dem Deckmantel der Freundschaft hinter Rücksmorden.
00:15:37: Das Piccolumini, die schuld angeblich noch auf einen Hofnarren schiebt, unterstreicht in dieser Erzählung nur diese absolute moralische Verkommenheit und Verlogenheit der Gegenseite.
00:15:48: Diese Geschichte war perfekt designt um Wut zu schüren.
00:15:51: Aber es gibt ja noch eine dritte Version!
00:15:55: Und die werfe ich jetzt mal in den Rängen, weil sie für mich ehrlich gesagt am glaubwürdigsten klingt.
00:16:00: Sie stammt von Sidnam Points.
00:16:03: Das war dieser englische Söldner der auf kaiserlicher Seite diente und später seine Erlebnisse sehr roh-und ungeschön aufschrieb.
00:16:10: Bei Points gibt es keine kühle Verschwörung und auch keine geheimen Gräben.
00:16:15: Was schreibt er statt dessen?
00:16:17: Er beschreibt Ulrich schlicht als Hitzköpfigen-Trinker.
00:16:20: Er nennt ihn wörtlich ebte Quarrel, especially in his drink.
00:16:25: Poins berichtet das Ulrich und Piccolumini bei einem dieser absurden Bankette massiv aneinander geraten.
00:16:31: Ulrich weigert sich demonstrativ auf die Gesundheit des Kaisers zu trinken.
00:16:36: Das ist natürlich eine tiefe Beleidigung!
00:16:46: Du streitest mit meinem Meister Piccolumini und schießt ihn einfach vom Pferd.
00:16:51: Wahnsinn!
00:16:53: Und was hier faszinierend ist, wenn wir diese drei Quellen synthetisieren... ...Points liefert uns hier sehr wahrscheinlich den echten Blick hinter die Kulissen weg von den staatstragenden Depeschen hin zur schmutzigen Realität des Krieges.
00:17:07: Also war es einfach eine eskalierte Wirtshausschlägerei
00:17:10: Vermutlich.
00:17:11: Es war sehr wahrscheinlich keine vom Kaiser orchestrierte Verschwörung sondern das Resultat von verletzter Ehre, einem eskalierten Saufgelage und einer extrem impulsiven Entscheidung eines Untergebenen.
00:17:24: Das führt uns wahnsinnig dramatisch vor Augen wie oft persönliche Animositäten und purer Zufall die ganz große Weltpolitik diktiert
00:17:32: haben.".
00:17:32: Also was bedeutet das alles?
00:17:34: Wir haben drei Berichte – Vertuschung für den Frieden, brillante Propaganda für den Hass und den Polizeibericht einer tödlichen Kneipenschlägerei.
00:17:44: Die objektive Wahrheit ist da irgendwo dazwischen versickert.
00:17:48: Aber – und das fasziniert mich an dieser Recherche heute am meisten, es gibt einen losen Faden in diesen Geschichten den wir tatsächlich weiter verfolgen können.
00:17:57: Du meinst den ominösen Schützen?
00:17:59: Genau!
00:18:00: Diesem Mann aus dem Dunkeln, diesen angeblichen schalksnaren.
00:18:04: Wer war der
00:18:05: Typ?!
00:18:05: Die historischen Dokumente lassen uns mit diesem Detail zum Glück nicht allein.
00:18:10: Wir kennen seinen echten Namen Er hieß Jakob Meier
00:18:13: Und er war wahrscheinlich kein Hofner.
00:18:15: Nein, bei Laibe kein Hofnar mit ein paar Schellen an der Mütze!
00:18:19: Er stammt aus Kärnten und war Piccolominis persönlicher Leibjäger – ein ausgewiesener Meisterschütze.
00:18:26: Und dieser Jakob Maier verschwindet nach dem Attentat auf Ulrich nicht etwa im Nichts.
00:18:31: Er taucht genau einen Jahr später wieder auf — im August, die letzten Jahre.
00:18:37: Wir befinden uns jetzt bei der verheerenden Belagerung der Stadt Nördlingen.
00:18:41: Was Maier dort in Nördlingen tut, das ist fast schon zynäastisch.
00:18:46: Er verschanzt sich nämlich nicht in den Gräben vor der Stadt – er sitzt hoch oben im Turm der Emmerandskirche und erschießt nicht mit einer dieser klobigen ungenauen Musketen der damaligen Zeit!
00:19:00: Die Quellen sind da sehr spezifisch, er nutzt ein sogenanntes Pürschrohr.
00:19:06: Lass uns kurz über die Mechanik dieser Waffe sprechen, denn das erklärt warum Maier da so einen unglaublichen Terror auslösen konnte.
00:19:14: Das ist ein zentraler Punkt um diese absolute Panik in Nördlingen zu verstehen.
00:19:18: eine reguläre Muskeete im siebzehnten Jahrhundert hatte einen glatten Lauf.
00:19:22: wenn die Kugel den Lauf verließ prallte sie innen an den Wänden ab und trudelte dann völlig unberechenbar durch die Luft.
00:19:29: also eher so ein Glücksspiel
00:19:31: absolut.
00:19:32: Auf fünfzig Meter war es reinstes Glück, einen einzelnen Mann gezielt zu treffen.
00:19:38: Deshalb stellte man die Soldaten ja in diese riesigen Linienformationen und ließ sie alle gleichzeitig feuern – Es ging um Masse nicht um Präzision!
00:19:46: Und das Pörschrohr?
00:19:48: Ein Pörchrohr-Hinjägen war eine frühe Form des Schafschützengewährs.
00:19:52: Es hatte kleine Rillen, sogenannte Züge im Lauf.
00:19:55: Ah, wie bei einem modernen Gewehr… Die Kugel wird in eine schnelle Drehung versetzt.
00:20:00: Ganz genau Diese Eigenrotation stabilisiert die Flugbahn enorm.
00:20:04: Mendei konnte damit auf Entfernungen tödlich genau treffen, von denen die regulären Soldaten an den Stadtmauer nur träumen konnten.
00:20:12: Er war ein hochspezialisierter Schafschütze in einer Zeit, die dieses Konzept noch gar nicht richtig
00:20:18: kannte.".
00:20:18: Stell
00:20:18: dir das mal psychologisch vor!
00:20:20: Du bist dein Bürger von Nordling – du stehst auf dieser Stadtmau um deine Familie zu verteidigen.
00:20:25: Du weißt eigentlich genau wie weit feindliche Musketen schießen können?
00:20:29: Du fühlst dich sicher….
00:20:30: Und plötzlich, völlig aus dem Nichts ohne jede Vorwarnung fällt der Mann direkt neben dir mit einem Kopfschuss tot um.
00:20:37: Dieser unsichtbare Tod kommt einfach aus der Luft!
00:20:40: Die Bürger waren ja so verzweifelt dass sie begannen große Tücher über die Lücken in den Mauern zu hängen.
00:20:46: Sie wollten ihm die Sicht nehmen?
00:20:47: Ja... Der psychologische Effekt war verheerend.
00:20:50: Wenn Menschen mit einer technologischen Überlegenheit konfrontiert werden, die sie rational überhaupt nicht erklären können dann greifen sie auf das übernatürliche zurück.
00:20:59: Klar Hexerei.
00:21:00: Wichtig!
00:21:01: In der Nürnberger Handschrift und anderen Quellen der Zeit wird berichtet, dass in Nördlingen bald panische Gerüchte die Runde machten.
00:21:09: Dieser Kerntener Jäger müsse mit dem Teufel im Bunde sein – es hieß Erschieße mit Glaskugeln oder falschen Kugeln.
00:21:19: Dem Aberglauben nach waren das magisch verfluchte Projektile gegen die keine noch so dicke Rüstung, kein Gebet und kein schützendes Amulett-Half.
00:21:29: Technologie, die wie schwarze Magie wirkt.
00:21:31: Wahnsinn!
00:21:33: Und Maier genoss diesen grausamen Ruf offensichtlich.
00:21:36: Aus den Aufzeichnungen geht hervor dass er während dieser Belagerung völlig offen damit prallte genau der Mann zu sein, der drüben in Schlesien den dänischen Prinzen Ulrich auf dem Gewissen hatte.
00:21:48: Er nutzte die Wahrheit über diesem Mord quasi als psychologische Waffe um seinen eigenen finsteren Mythos noch weiteraufzubauen.
00:21:59: Piccolomini wusste genau, was er tat als er diesen Mann auf den Turm schickte.
00:22:03: Maya tötete nicht einfach nur Wachposten – er zermörbte die Moral einer kompletten Stadtbevölkerung!
00:22:08: Was mich an dieser ganzen historischen Episode aber am meisten sprachlos macht ist das Ende von Jacob Meyers Geschichte.
00:22:16: Man würde ja erwarten, dass jemand der als politischer Attentäter die europäische Machtballons ins Chaos stürzt und als so ein teuflischer Scharfschützer eine ganze Stadt in den Wahnsinn treibt.
00:22:26: Dass er ein spektakuläres Ende findet!
00:22:29: Er wird gehängt oder erstirbt in einem epischen Gefecht.
00:22:32: Aber die Realität sieht anders aus?
00:22:34: Völlig anders – im September, die Schlacht ist vorbei.
00:22:40: Und was macht Jacob Meyer im Oktober?
00:22:43: Er bleibt einfach in dieser verwüsteten Stadt und heiratet ganz banal die Tochter eines lokalen Nördlinger Schneiders.
00:22:50: Es ist ein eiskalter Kontrast, aber er verrät uns so viel über die Realität des dreißigjährigen Krieges.
00:22:57: Das Unfassbare dieses extrem gewalttätige mündet oft nahtlos in die trivialste Banalität des Alltags.
00:23:04: In einer Welt, die seit sechzehn Jahren brennt, ist das bloße Überleben die einzige Währung, die überhaupt noch zählt.
00:23:11: Der gefürchtete Auftragsmörder von gestern ist heute schlicht der Schwiegersohn des Schneiders von nebenan.
00:23:17: Niemand stellt Fragen, solange das eigene Leben irgendwie weitergeht.
00:23:21: Das ist echt Wahnsinn!
00:23:23: Also fassen wir mal zusammen was du heute aus diesen historischen Akten mitnehmen kannst.
00:23:28: Wir haben gesehen wie dieser junge übermütige Prinz Ulrich von einer wertvollen Schachfigur in Wallensteins großem Spiel zum blutigen Opfer in einem schlammigen Graben wurde.
00:23:40: Sein Tod hat uns gezeigt, wie die Mechanik von Staatspropaganda und Vertuschungen schon vor vierhundert Jahren meisterhaft funktionierte.
00:23:54: Genau, und wir haben an der unheimlichen Figur des Jakob Meier gesehen wie massiv ein einzelner Akteuer also einen Mann mit einem überlegenden Gewehr auf einem Kirchturm die Psychologie eines ganzen Konflikts prägen konnte.
00:24:09: Und genau da liegt für uns heute eine wichtige Synthese.
00:24:12: wenn wir die Berichte über Jakob meier analysieren erkennen wir nämlich ein Muster das weit über das siebzehnte Jahrhundert hinausgeht.
00:24:20: Damals reichte ein einziger präzise abgefeuertes Schuss aus dem Dunkeln, um fragile Friedensverhandlungen zwischen Großmächten komplett zum Einsturz zu bringen.
00:24:30: Meier war ein unsichtbarer Schütze der Asymetrie in den Krieg brachte.
00:24:34: Er brauchte keine Armee, um Panik zu stiften – er brauchte nur sein Pürschrohr und ein gutes Versteck!
00:24:40: Was uns direkt zu der Frage führt, die du beim nächsten Scrollen durch deinen Nachrichtenfeed vielleicht im Hinterkopf behalten solltest.
00:24:47: Welche modernen unsichtbaren Glaskugeln fliegen heute eigentlich durch unseren digitalen Raum?
00:24:53: Wenn unsere globalen hypervernetzten diplomatischen Systeme so fragil sind wie einen Friedensbankett bei Piccolumini Wie anfällig sind wir dann für die gezielte Desinformation einzelner radikalisierte Akteure?
00:25:06: Algorithmische Scharfschützen sozusagen.
00:25:09: Genau, algorithmische Schafschützen, die aus dem verborgenen heraus Konflikte befeuern und Wahlen manipulieren ohne dass wir jemals ihr wahres Gesicht zu sehen bekommen!
00:25:18: Die gelben Absperrbänder der Geschichte... ähm..die sind leider nie so ordentlich wie wir hoffen.
00:25:23: Also bleibt neugierig, denkt kritisch mit und bis zum nächsten Mal.
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