1635. Ein Friedensvertrag öffnet die Tore zur Hölle
Shownotes
Musik: Backgroundmusiclab|Renaissance Riverie|Pixabay
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00:00:00: Der nachfolgende Beitrag wurde mithilfe künstlicher Intelligenz erstellt.
00:00:46: Dell dir mal vor, du sitzt
00:00:47: an einem
00:00:48: riesigen Verhandlungstisch!
00:00:50: Also so ein richtig historischer Moment.
00:00:52: Ähm... Ja wo man denkt, man schreibt gerade Weltgeschichte?
00:00:56: Genau, du unterschreibst einen unfassbaren Friedensvertrag.
00:01:00: Du bringst wirklich fast alle verfeindeten Staaten eines völlig zersplitterten Reiches dazu ihre jahrzehntelangen Konflikte endlich beizulegen.
00:01:09: Alle schütteln sich die Hände, bilden eine gemeinsame Front.
00:01:12: Richtig!
00:01:13: Alles sieht nach einem äh... Nach einem gigantischen diplomatischen Triumph aus.
00:01:18: und das direkte unmittelbare Resultat von genau dieser Unterschrift weitere dreizehn Jahre des schlimmsten blutigsten Gemetzels dass dein Kontinent je gesehen hat
00:01:29: Ja.. Das ist wirklich ...das bizare Paradoxon des Prager Friedens.
00:01:35: Wir schreiben das Jahr sixteenhundertdreißig
00:01:37: Und genau darum geht es in unserer heutigen Tiefen-Analyse.
00:01:40: Exakt, denn das ist ein Moment in dem diplomatische Theorie und diese brutale militärische Realität einfach auf spektakuläre Weise kollidieren!
00:01:53: Wir haben uns ja die historischen Aufzeichnungen, Vertragstexte und auch moderne Analysen zu dieser Phase des dreißigjährigen Krieges angeschaut.
00:02:01: Wenn man sich diese Quellen ansieht wird sofort klar Das Jahr sixteenhundertdreißig war eben gerade nicht das Ende eines Krieges.
00:02:09: Nee,
00:02:10: überhaupt nicht!
00:02:10: Es war der Moment in dem dieser regionale religiös motivierte Konflikt endgültig zu einem globalen Kampf um die Hegemonie in Europa mutierte.
00:02:21: Unsere
00:02:21: Mission für diese tiefen Analyse heute ist es genau dieses Rätsel für dich zu entschlüsseln?
00:02:26: Wie kann ein Friedensvertrag, der das heilige römische Reich eigentlich beruhigen sollte die Situation der Art eskalieren lassen.
00:02:34: Ja, das fragt man sich wirklich!
00:02:36: Wir schauen uns an wie eine unglaubliche politische Fehleinschätzung des Kaisers so ein paar juristische Taschenspielertricks und ein extrem arroganter Umgang mit der Militärmacht Schweden... naja ...ein Feuer entfachten dass Europa fast vernichtet hätte.
00:02:54: Ähm um diese Explosion von sechszehn fünfunddreißig überhaupt zu verstehen müssen wir uns aber erst mal ansehen wo die Lunte überhaupt angezündet wurde.
00:03:02: Okay, lass uns das mal entwirren.
00:03:04: Wo fangen wir da an?
00:03:06: Das führt uns ein Jahr zurück – also in den September, der September, die September, dem September, zur Schlacht bei Nürtlingen.
00:03:11: Das war der Moment, in dem die scheinbar völlig unbesiegbare schwedische Armee eine absolut vernichtende Niederlage gegen die kaiserlichen und spanischen Truppen erlitt.
00:03:20: Wenn man die Berichte aus der Zeit liest, spürt man förmlich das Aufatmen in bestimmten Teilen des Reiches.
00:03:26: Ja, paradoxerweise sogar bei den eigentlich Verbündeten der Schweden!
00:03:30: Genau….
00:03:31: Nehmen wir mal das Kurfürstentum Sachsen, damals angeführt von Kurfürs Johann Georg I. Stell dir vor du bist Sachsen!
00:03:38: Okay
00:03:38: ich bin Sachsen Und Du hast dich mit einem extrem mächtigen bewaffneten Bodyguard zusammengetan also den Schweden.
00:03:45: Dieser Bodyguard hat Dir in den letzten Jahren wirklich jeden Feind vom Hals gehalten
00:03:49: Aber er hat sich auch in deinem Haus breit gemacht?
00:03:51: Richtig Er frisst Dir die Haare vorm Kopf und kommandiert Dich in Deinen eigenen vier Wänden herum verliert dieser Bodyguard plötzlich eine gewaltige Schlägerei und liegt blutend am Boden.
00:04:03: Für Sachsen war Nördlingen dadurch eigentlich die perfekte Ausrede, oder?
00:04:06: Ja genau!
00:04:07: Die Ausredee um diesen ungeliebten Bodyguard endlich vor der Tür zu setzen ohne Strafen fürchten zu müssen.
00:04:13: Die Analogie passt für die militärische Muskelkraft echt gut aber sie lässt einen entscheidenden psychologischen Faktor aus.
00:04:22: das machte die Situation nämlich noch viel komplizierter.
00:04:24: Oh okay Welchen denn?
00:04:27: Naja, die Schweden sahen sich selbst überhaupt nicht als bezahlte Söldner oder einfachen Geleitschutz.
00:04:32: Sie verstanden sich spätestens unter ihrem König Gustav Adolf als direktmäßigen quasi heiligen Retter des Protestantismus in Deutschland.
00:04:41: Ah!
00:04:42: Also viel mehr als nur eine Armee auf Zeit.
00:04:44: Richtig – sie einfach so vor die Tür zu setzen war extrem brisant.
00:04:49: Denn sie stellten ja moralische und vor allem territoriale Ansprüche.
00:04:53: Aber mit der sächsischen Motivation liegst du goldrichtig,
00:04:56: weil Sachsen die Kontrolle zurück wollte.
00:04:58: Örtlingen bot Sachsen jetzt die Gelegenheit aus diesem Bündnis auszubrechen
00:05:01: und stattdessen mit dem Kaiser Ferdinand II eigene Bedingungen auszuhandeln.
00:05:06: Exakt!
00:05:07: Es gab ja schon seit dechzehnhundertdreiund dreißig Vorverhandlungen also in Pierna und Leitmeritz was hier faszinierend ist.
00:05:14: nördling war dann lediglich der finale Katalysator dafür.
00:05:17: aber da muss ich wirklich mal nachhaken.
00:05:19: warum sollte Sachsen diesen kaiser überhaupt vertrauen?
00:05:22: Gute Frage.
00:05:23: Wenn ich mir die Quellen zu den Jahren davor ansehe, war Ferdinand
00:05:27: II.,
00:05:27: der erbitterteste Feind der Protestanten.
00:05:30: Er wollte sie teilweise komplett entmachten!
00:05:32: Ja das stimmt absolut.
00:05:34: Plötzlich, sixteenhundertfünfunddreißig sprich dieser Selbe Kaiser in Flugblättern von einem neuen Reichspatriotismus.
00:05:43: Er appelliert an alle deutschen Staaten sich zusammenzuschließen um die ausländischen Mächte zu vertreiben
00:05:48: Also vor allem Schweden und Frankreich.
00:05:51: Genau War das jetzt plötzliche Einsicht von ihm oder schlichte Manipulation?
00:05:56: Es war hochgradig kalkulierte Machtpolitik.
00:05:59: Also, die historische Forschung nennt das was Ferdinand hier versuchte oft einen relativen Absolutismus.
00:06:06: Relative Absolutismus!
00:06:08: Okay, das heißt konkret?
00:06:10: Er musste ganz genau dass er den Krieg gegen Schweden und potenziell auch Frankreich niemals gewinnen konnte wenn das Reich in sich gespalten blieb.
00:06:19: Dieser neu beschworene Reichspatriotismus war einfach ein rhetorisches Werkzeug.
00:06:23: Also wollte er eigentlich nur mehr Macht für sich selbst?
00:06:26: Genau das!
00:06:28: Das eigentliche Ziel, war es die Reichsstände also die unzähligen lokalen Fürsten, Herzöge und Städte, die bis dahin oft völlig eigenständig gekämpft hatten militärisch hinter sich zu vereinen.
00:06:41: Er wollte die alleinige Kommando gewalt
00:06:43: Richtig – er wollte freie Hand.
00:06:45: Er wollte, dass das Reich nicht mehr aus vielen kleinen Akteuren besteht sondern nur noch aus ihm dem Monarchen und seiner einen großen Armee.
00:06:55: Und das bringt uns dann direkt an den Verhandlungstisch in Prag.
00:06:58: Am dreißigsten Mai, der Vertrag unterzeichnet.
00:07:04: Ein historisches Datum
00:07:06: Absolut.
00:07:07: Und wenn man sich die Bedingungen in den Quellen so durchlässt, sieht man dass der Kaiser tatsächlich massive Zugeständnisse machen musste.
00:07:13: Er musste diese deutschen Fürsten ja irgendwie auf seine Seite ziehen!
00:07:16: Ohja er musste ordentlich was auf den Tisch legen.
00:07:19: Das wichtigste Zugestendnis betraf das sogenannte Restitutionsedikt von sixteenhundertneunundzwanzig.
00:07:24: Das wurde nämlich für vierzig Jahre ausgesetzt.
00:07:27: Ein riesiger Punkt für die Protestanten.
00:07:29: Warte kurz, für alle die dieses Edikt jetzt nicht gerade auswendig gelernt haben.
00:07:33: Wir sprechen hier über ein Gesetz das die protestanten wirtschaftlich fast ruiniert hätte richtig?
00:07:38: Lichtig!
00:07:39: Dieses Restitutionsedikt war ein massiver kaiserlicher Machtgriff.
00:07:45: Es besagte im Grunde dass alle Kirchengüter Ländereien, Bistümer und Klöster die seit fifteenhundertzweiundfünfzig von Protestanten übernommen und sekularisiert worden waren.
00:07:55: Also enteignet?
00:07:57: Genau!
00:07:57: Die mussten sofort an die katholische Kirche zurückgegeben werden.
00:08:01: Und wir sprechen hier nicht von ein paar kleinen Dorfkirchen
00:08:03: Sondern
00:08:04: Das waren gigantische Wirtschaftszentren und ganze Landstriche.
00:08:08: Für die protestantischen Fürsten war das eine wirklich existenzielle Bedrohung.
00:08:11: Das heißt dass Ferdinand in Prag bereit war dieses Edikt faktisch einzufrieren, zeigt eigentlich nur wie verzweifelt er diesen Friedensschluss brauchte.
00:08:20: Exakt!
00:08:21: Er brauchte diese sächsische Unterstützung unbedingt.
00:08:24: Okay das verstehe ich.
00:08:25: man nimmt den Protestanten die Angst vor der Enteignung aber dann kommt in den Quellen plötzlich dieser Stichtag auf – Das sogenannte Normaljahr.
00:08:34: Ah ja, ein genialer Schachzug.
00:08:37: Der Vertrag besagt ja dass die Besitzverhältnisse der Ländereien auf dem Stand des Jahres.
00:08:44: Wenn ich mir die Chronologie ansehe, wirkt´s... ...völlig willkürlich.
00:08:50: Auf den ersten Blick ja!
00:08:51: Warum nimmt man nicht das Jahr vor Kriegsbeginn?
00:08:53: Also... ... oder von mir aus das aktuelle Jahr... ...
00:09:00: war ein juristisches Skalpell.
00:09:02: Das ganz gezielt eingesetzt wurde.
00:09:03: Es gab dafür einen internen reichsrechtlichen Grund
00:09:06: Welchen
00:09:07: denn?!
00:09:07: Im November, im November, wurde das sogenannte katholische Kurfürstengutachten verfasst.
00:09:13: Das später die Basis für das Verhasste-Ristitutionsedikt bildet.
00:09:17: Auf dieses Datum zurückzugehen war so ein Kompromiss für die deutschen Parteien.
00:09:21: Okay verstehe!
00:09:21: Aber der viel wichtigere geopolitische Grund richtete sich gegen den schwedischen Elefanten im Raum.
00:09:28: Der schwedische König Gustav Adolf landete nämlich erst kurz nach sixteenhundertzwanzig also sechzehnhundertdreißig mit seinen Truppen an der Küste von Pommmern.
00:09:37: Moment mal.
00:09:38: Das heißt, indem man juristisch die Uhr einfach aufs sixteenhundertzwanzig zurückdreht, wischt man die gesamte schwedische Präsenz vom Tisch?
00:09:45: Exakt!
00:09:45: Man hat vertraglich festgelegt dass alle Eroberungen, alle Bündnisse und alle territorialen Ansprüche die Schweden sich in den letzten fünf Jahren blutig erkämpft hatte...
00:09:55: naja
00:09:55: schlichtweg null-und nichtig waren.
00:09:57: Wow Ja, man entzog der größten Militärmacht im Reich mit einem einzigen Federstrich jegliche rechtliche Existenzgrundlage.
00:10:06: Sie sollten aus diesem Frieden absolut keinen Vorteil ziehen!
00:10:09: Aber das wirft doch eine extrem wichtige Frage auf – wie zur Hölle sollte das militärisch funktionieren in der Praxis?
00:10:17: Tja, das ist der wunde Punkt.
00:10:19: Das ist doch Wahnsinn.
00:10:20: Man verärgert ein riesiges schwedisches Heer dass mitten in Deutschland steht.
00:10:25: Gleichzeitig verbietet der Prager Frieden den Reichsständen, also den lokalen Fürsten eigene militärische Bündnisse zu schließen.
00:10:32: Richtig!
00:10:33: Die katholische Liga wird aufgelöst – der protestantische Heilbronnerbund wird verboten.
00:10:38: Und stattdessen soll man eine einzige gigantische Reichsammee unter kaiserlichem Kommando aus dem Hut zaubern?
00:10:45: Wenn ich mir das vorstelle….
00:10:46: Man muss plötzlich zehntausende Soldaten aus verschiedenen Lagern in einen neue Kommandostruktur pressen
00:10:52: In einem Land, das völlig verwüstet ist.
00:10:54: Genau, wie hat man sich diese Logistik dahinter überhaupt vorgestellt?
00:10:59: Das ist genau der Moment in dem die ehrgeizigen Pläne in Prag an der harten Realität zerschellen.
00:11:05: Das war theoretisch eine logistische Revolution aber praktisch ein Albtraum!
00:11:10: Warum?
00:11:11: Wie lief das vorher ab?
00:11:12: Bisher funktionierte der Krieg nach dem Prinzip dass Wallenstein ja so perfektioniert hatte.
00:11:17: Der Krieg ernährt den Krieg
00:11:19: Also aus dem Land leben.
00:11:20: Genau Eine Armee zog in ein Gebiet Plünderte es aus, erpresste Kontributionen von den Städten und zog einfach weiter wenn nichts mehr zuholen war.
00:11:30: Aber
00:11:33: der System war am Ende.
00:11:35: Die Gebiete waren extrem verwüstet.
00:11:37: Es gab keine Ernten mehr die Bauern waren geflohen oder tot
00:11:41: Also konnte man nicht mehr einfach plündern?
00:11:43: Man musste das System umbauen.
00:11:45: Die kaiserliche Heeresführung versuchte nun, die Soldaten offiziell zu bezahlen und einzukwartieren.
00:11:52: Anstatt zu plündern sollte den Truppenquartier und Verpflegung von den jeweiligen Reichsständen zugewiesen werden.
00:11:59: Aber
00:11:59: wenn die Wirtschaft komplett am Boden liegt woher sollen die Lokalen fürsten das Essen und vor allem das Geld nehmen?
00:12:06: Sie hatten es nicht oder sie wollten es einfach nicht hergeben Und das förderte eine massive beispiellose Korruptionswelle.
00:12:14: Inwiefern?
00:12:16: Die lokalen Obrigkeiten begannen kaiserische Generäle mit enormen Summen zu bestechen, nur damit diese ihre Truppen bloß nicht bei ihnen einquartierten sondern lieber beim Nachbarn.
00:12:27: Ach krass!
00:12:28: Also war das System von Tag eins an völlig
00:12:31: verrottet?!
00:12:31: Absolut – die Soldaten bekam keinen Sollt, hungerten und revoltierten.
00:12:36: Es ist in den Akten belegt, dass General Matthias Gallas für die Vorschlug seine Truppen nach Frankreich zu verlegen.
00:12:44: Aus strategischen Gründen?
00:12:46: Nein – schlichtweg weil seine Männer im Reichsgebiet verhungerten!
00:12:49: Unglaublich.
00:12:51: und genau an diesem Punkt der massiven inneren Schwäche kommen wir zur fatalsten Fehlkalkulation dieses ganzen Vertrages.
00:12:58: Hier wird es wirklich interessant.
00:13:01: Der Kaiser baut da eine dysfunktionale Armee auf, schließt Frieden mit den deutschen Protestanten und verbietet ihnen Allianzen.
00:13:08: Und was macht er mit Schweden?
00:13:10: Er macht den ultimativen historischen Fehler.
00:13:12: Er ignoriert sie nicht nur juristisch durch dieses Datum.
00:13:18: Er vergisst auch völlig, den Schweden quasi ein Ticket nach Hause zu kaufen.
00:13:22: Er verweigert ihnen jegliche Kompensation.
00:13:24: Er bietet ihnen kein Geld an, keine Auslöse – und auch keine Gebiete!
00:13:29: Seine Strategie war da eine Mischung aus eklatante Arroganz und völligen politischen Wunschdenken.
00:13:35: Ferdinand war total besessen von der Vorstellung, dass sein Hauptaugenmerk jetzt auf dem Konflikt mit Frankreich liegen müsse
00:13:41: Und für Schweden wollte er keine Ressourcen verschwinden?
00:13:44: Richtig!
00:13:45: Er wusste das die Entlassung der schwedischen Armee Millionen kosten würde Geld, das Schweden brauchte um die eigenen Söldner zu bezahlen.
00:13:53: Ich habe in den Quellen ein Detail gefunden dass mich echt sprachlos gemacht hat.
00:13:57: Anstatt den Schweden dieser Abfindung zu zahlen, schob der Kaiser die Verantwortung einfach an die protestantischen Fürsten ab?
00:14:03: Ja das ist Wahnsinn!
00:14:05: Er sagte im Grunde hey ihr habt die Schweden damals ins Land gerufen.
00:14:09: also seht zu wie ihr das Geld auftreibt um sie wieder loszuwerden.
00:14:12: Das war seine absurde Idee.
00:14:14: ja... Als würde man einem hochgerüsteten bewaffneten Untermieter fristlos kündigen, sich aber weigern ihm seine Kaution zurückzuzahlen.
00:14:22: Und
00:14:22: stattdessen forderst du den Nachbarn auf das Geld?
00:14:25: Genau!
00:14:26: Natürlich fängt dieser Untermielter dann an die Wohnung zu demulieren.
00:14:29: Das ist eine extrem treffelne Analogie.
00:14:32: und weißt Du...das war kein Versehen.
00:14:34: Das war eiskaltes Kalkül
00:14:36: Echt
00:14:36: jetzt?!
00:14:37: Ja Anstatt Schweden pragmatisch auszukaufen, wollte er die alte Abneigung der Sachsen gegen die Schweden nutzen.
00:14:43: Er hoffte, dass die Protestanten sich beim Versuch, die Schwäden loszuwerden völlig aufreiben würden.
00:14:49: Er wollte
00:14:49: sie also endgültig spalten?
00:14:50: Genau und sich selbst dabei finanziell völlig schadenlos halten!
00:14:54: Aber hat das denn niemand am kaiserlichen Hof vorher
00:14:56: gesehen?!
00:14:58: Dass das Schieß gehen muss...
00:14:59: Doch absolut!
00:15:01: Kritiker wie der sächsische Feldherr Hans Georg von Arnim haben genau davor gewarnt.
00:15:05: Arnim hat vehement darauf hingewiesen, dass eine Vertreibung der fremden Mächte ohne finanzielle Lösung eine absolute Illusion ist.
00:15:12: Weil Schweden ja in die Enge getrieben war?
00:15:14: Richtig!
00:15:15: Sie kämpften nun um ihren Nacktes Überleben als Großmacht und wenn wir das jetzt mit dem großen Ganzen verbinden – die Folge war dramatisch.
00:15:22: Schweden zog natürlich nicht ab...
00:15:24: ...sie begannen das Reich in Stücke zu reißen….
00:15:26: …und der Architekt dieses Überlebenskampfes war ja der schwedische Kanzler Axel Ochsenstierner
00:15:31: Ein Meister der politischen Erpressung.
00:15:33: Wenn man seine Manöver nach dem Frieden analysiert, also er saß isoliert im Osten und Norden.
00:15:38: Seine deutschen Verbündeten waren durch den Pragerfrieden weggesprungen.
00:15:42: Er stand völlig allein gegen den Kaiser
00:15:44: Und anstatt aufzugeben nutzt er genau diesen Vertrag um den französischen Kardinal Richelieu zu erpressen.
00:15:52: Genau hier greifen die Zahnräder ineinander.
00:15:54: Richelieu hatte Frankreich bis dahin ja aus dem direkten militärischen Konflikt herausgehalten, er hatte Schweden nur mit Geld finanziert.
00:16:01: Ein klassischer Stellvertreterkrieg.
00:16:03: also
00:16:04: Richtig!
00:16:05: Aber Ochsensterner zwingt Richelieux jetzt Farbe zu bekennen.
00:16:08: Er sagt im Grunde wenn Frankreich uns nicht massiv militärisch unterstützt brechen wir zusammen und dann greift der Kaiser Frankreich direkt
00:16:15: an.
00:16:16: Und Richelieu musste reagieren, er musste mehr Geld zahlen?
00:16:19: Ja.
00:16:19: Im April, im April, unterzeichnen sie den Vertrag von Kumpien und dann im Mai, fast zeitgleich mit Prag erklärt Frankreich Spanien offiziell den Krieg.
00:16:31: Damit beginnt der schwedisch-französische Krieg.
00:16:34: Schweden agierte nun völlig rücksichtslos gegen Sachsen und Brandenburg.
00:16:39: Der innerdeutsche Konflikt war endgültig zum europäischen Flächenbrand geworden.
00:16:43: Der Versuch des Kaisers, die ausländischen Mächte einfach zu ignorieren war krachend gescheitert.
00:16:48: Um uns jetzt vor dem totalen Infooverload der europäischen Kriegspolitik zu bewahren, lass'n's mal kurz herauszoomen!
00:16:56: Guter Plan.
00:16:57: Was passierte Sechzehnhundertdreißig eigentlich noch so auf der Welt?
00:17:01: Ich hab da ein paar echt faszinierende Fakten aus den Notizen extrahiert – Die Gleichzeitigkeit der Ereignisse zeigt nämlich dass sich die Welt radikal veränderte.
00:17:13: In Frankreich gründet sich erst geheim, dann offiziell die Académie Française.
00:17:19: Und rate mal von wem initiiert?
00:17:21: Lass mich raten!
00:17:22: Richelieu
00:17:23: Genau derselbe Richelieux der gerade Unsummen ausgibt um den Krieg zu befeuern zentralisiert gleichzeitig die Kultur in seinem Land.
00:17:31: Spannend
00:17:32: Dann in der Karibik stranden zwei spanische Sklavenschiffe.
00:17:37: Afrikanische Sklaven können fliehen, vermischen sich mit der indigenen Bevölkerung und daraus entsteht das Volk der Garifuna –
00:17:44: eine direkte Folge der europäischen Expansion.
00:17:47: Und in Asien passiert das genaue Gegenteil von Europa!
00:17:51: In Japan wird die Dritte Erlass zur Abschließung erlassen.
00:17:56: Japaner dürfen das Land nicht mehr verlassen oder zurückkehren.
00:17:59: Völlige Isolation.
00:18:01: Und wo wir bei Kunst sind, wer laske es mal in diesem Jahr die Übergabe von Breda.
00:18:06: Stimmt!
00:18:06: Wenn man diese Fäden zusammenzieht... Was bedeutet das nun alles?
00:18:10: Während Europa durch Verträge wie in Prag in einen völlig unkontrollierbaren globalisierten Konflikt schlittert, indem Frankreich nun Spanien angreift und sich auf Schweden verlässt?
00:18:21: Sieht Japan sich einfach komplett aus der Welt
00:18:24: zurück?!
00:18:24: Genau – Es ist ein Ja der extremen Gegensätze… Zwischen globaler Verstrickungen und totaler Isolation.
00:18:31: Wahnsinn!
00:18:32: Lass uns das zum Schluss noch mal zusammenfassen, der Prager Frieden sollte das Reich formal einen.
00:18:37: Das war die Idee auf dem Papier Aber
00:18:39: durch die arrogante und extrem kurzsichtige Weigerung Die Schweden und Franzosen am Verhandlungstisch überhaupt zu berücksichtigen Erreichte man exakt das Gegenteil.
00:18:49: Er machte den Konflikt zum großen europäischen Flächenbrand.
00:18:52: Dennoch weitere dreizehn Jahre dauern sollte.
00:18:55: Und die wichtigste Lektion aus diesen Quellen für mich ist, Verträge auf dem Papier nützen rein gar nichts wenn sie die reale Machtverteilung ignorieren.
00:19:04: Absolut!
00:19:05: Wenn man die hochgerüsteten Schweden im Land ignoriert kann man noch so viele Friedensverkriege unterschreiben – es bringt nichts.
00:19:12: Das bringt mich zu einem letzten provokanten Gedanken den ich dir heute aus dieser tiefen Analyse mitgeben möchte.
00:19:19: Denk einmal an moderne Kriege und Friedens- verhandlungen.
00:19:23: Da gibt es ja leider genug Parallelen.
00:19:25: Wie oft sehen wir heute noch, dass lokale Parteien einen vermeintlichen Friedens schließen aber die ausländischen Sponsoren oder Besatzungsmächte nicht einbinden?
00:19:34: Sehr oft!
00:19:35: Wenn du also heute an die Nachrichten schaust frag dich einfach mal wer ist in den heutigen Konflikten eigentlich das Schweden von sixteenhundert fünfunddreißig?
00:19:44: Wir wird beim Frieden Schluss einfach ignoriert.
00:19:47: Genau und welche Konsequenzen hat das?
00:19:50: Da wird Geschichte dann nämlich plötzlich nicht mehr zu einer trockenen Jahreszahl, sondern zu einer ziemlich dringlichen Warnung für unsere Gegenwart.
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