Polyxena von Lobkowicz

Shownotes

Die heutige Episode beleuchtet die detaillierte biografische Übersicht über das Leben von Polyxena von Lobkowicz, einer einflussreichen böhmischen Adligen der Frühen Neuzeit. Als Tochter des Hauses Pernstein und spätere Stammmutter der Linie Lobkowicz spielte sie eine zentrale Rolle in der Politik und Gesellschaft ihrer Zeit. Der Text beleuchtet ihre katholische Überzeugung, durch die sie während des Böhmischen Ständeaufstands den Habsburgern zur Seite stand und verfolgten Beamten Schutz gewährte. Zudem wird ihr wirtschaftlicher Aufstieg zur Großgrundbesitzerin sowie ihr kulturelles Erbe thematisiert, darunter die Schenkung des berühmten Prager Jesuleins. Die biografischen Daten dokumentieren ihre zwei Ehen und ihre Bedeutung als Bindeglied zwischen dem böhmischen Adel und dem kaiserlichen Hof in Wien.

Musik: Backgroundmusiclab/Renaissance Reverie/Pixabay

Transkript anzeigen

00:00:00: Der nachfolgende Beitrag wurde mithilfe künstlicher Intelligenz erstellt.

00:00:47: Also stell dir das mal vor, du gehörst zu den reichsten und wirklich absolut mächtigsten Personen deines gesamten Landes.

00:00:58: Du lebst in einem Palast direkt neben dem absoluten Machtzentrum.

00:01:04: Dein Netzwerk ist gigantisch dein Leben ist perfekt durchgeplant doch an einem harmlosen Vormittag bricht plötzlich auf dem nichts eine brutale Revolution aus.

00:01:14: Krass, ja!

00:01:15: Ein wütender Mop stürmt die Regierungsgebäude und auf einmal stehen zwei der wichtigsten Politiker des Landes vor deiner Tür – und zwar Leute, die gerade von genau diesem Mop buchstäblich aus dem Fenster geworfen wurden.

00:01:29: Genau, aus dem fenster?

00:01:30: Die

00:01:30: stehen da blutend, zerschunden und in absoluter Panik vor deina Haustür und flehen dich um Asyl an.

00:01:37: Draußen tobt ihr Aufstand.

00:01:39: Du legst die Hand auf die Türklinke.

00:01:42: Was tust du?

00:01:42: Also öffnest du die Tür.

00:01:44: Das ist wirklich genau der Moment, in dem aus so einer strategischen Theorie plötzlich bittere lebensgefährliche Realität wird.

00:01:53: Absolut!

00:01:54: Man muss sich das mal bildhaft vorstellen.

00:01:56: eine einzige Entscheidung an dieser Tür entscheidet in diesem Moment nicht nur über das Leben dieser beiden Männer.

00:02:04: sie entscheidet über den eigenen Kopf das eigene gewaltige Vermögen und wie wir heute wissen halt über die Zukunft eines ganzen Reiches.

00:02:11: Und das Verrückte ist ja, es ist kein Hollywood-Drehbuch.

00:02:14: Das ist exakt so passiert!

00:02:17: Die Person, die da an dieser Tür stand, hieß Polyxena von Lobkowitsch... Also man spricht das Polyxener von LobKowitschs aus

00:02:26: und

00:02:26: genau sie ist das Zentrum unseres heutigen Deep Dives.

00:02:30: Du hast uns einen riesigen Stapel an historischen Materialakten und Aufzeichnungen geschickt um das Leben dieser böhmischen Adligen zu rekonstruieren.

00:02:40: Ja, das war einiges an Material!

00:02:42: Wenn man diese Papiere liest, stockt einem wirklich der Atem...

00:02:45: Es ist eine exzellente Wahl für unsere Analyse finde ich.

00:02:49: Polyxena von Lobbit Stauback ist nämlich eine Figur, an der wir unglaublich präzise ablesen können wie informelle Macht damals funktionierte.

00:02:57: Gerade

00:02:57: für eine Frau oder?

00:02:59: Ganz genau gerade für eine frau im siebzehnten Jahrhundert.

00:03:02: Wir sprechen hier nicht von jemanden, der einfach nur reich geboren wurde und dann tatenlos auf einem Kissen saß während die Geschichte vor Beizug.

00:03:12: Nee absolut nicht!

00:03:17: absolut eisernen politischen Kalkül.

00:03:19: Okay, also lass uns das mal aufschlüsseln!

00:03:21: Wir konzentrieren uns heute ganz besonders auf ihre Rolle rund um das Jahr sixteenhundertachzehn.

00:03:26: Ein extrem wichtiges Jahr

00:03:28: Genau, dass ist das Ja des böhmischen Aufstands und natürlich des berühmten Pragerfenstersturzes Und wir schauen uns die immensen Konsequenzen in den Folgejahren an.

00:03:39: Aber um überhaupt zu begreifen, wie sie in diesem explosiven Jahr, die Position kam, so eine Tür zu öffnen, da müssen wir verstehen wer sie davor war.

00:03:50: Also wie sah ihr Weg in diese Elite aus?

00:03:53: Richtig!

00:03:53: Man wird ja nicht einfach so aus dem Nichts zur Retterin von königlichen Stadthaltern.

00:03:58: Eben.

00:03:59: Geboren wurde sie fifteenhundertsechzig als Polyxena von Pernstein.

00:04:04: Sie stammte also bereits aus diesem mäerisch-böhmischen Adelsgeschlecht der Herren von Pernstein.

00:04:10: Also schon eine sehr einflussreiche Familie?

00:04:12: Absolut!

00:04:13: Aber die erste große strategische Hebel, der ihre eigene unabhängige Machtbasisschuf war paradoxerweise ... ähm... Ein Schicksalsschlag.

00:04:23: Okay.

00:04:24: Nämlich Ihre Erste Ehe.

00:04:25: Izen stehen dass sie fifteenhundertsiebenundachtzig einen gewissen Wilhelm von Rosenberg heiratet.

00:04:30: Richtig

00:04:31: Der war wohl ein ziemlich mächtiger südböhmischer Magnat.

00:04:35: Aber diese Ehe hielt nicht sonderlich lange, oder?

00:04:38: Nein!

00:04:39: Wilhelm von Rosenberg starb bereits fifteenhundertzweiundneinzig und die beiden hatten keine Kinder.

00:04:45: Und in der damaligen Zeit war das für eine Frau oft einen Moment extremer Verwundbarkeit doch für Polyxena war es tatsächlich der finanzielle Durchbruch.

00:04:54: Okay Wie das?

00:04:56: Durch dass Erbe dieser Ehe, und wir sprechen hier unter anderem von der Herrschaft Rautnitz und dem riesigen Schloss Rautnetz wird sie quasi über Nacht zu einer der reichsten Witwen in ganz Böhmen.

00:05:06: Wahnsinn!

00:05:07: Aber was genau bedeutet das in der Praxis?

00:05:10: Ich mein, reicht so sein ist das eine aber... Was macht das mit ihrem Status in der Gesellschaft?

00:05:16: Reichtum bedeutete damals vor allem eines Unabhängigkeit.

00:05:21: Normalerweise gingen Frauen ja von der Vormundschaft des Vaters direkt in die des Ehemanns über.

00:05:27: Als immensreiche Witwe fiel sie aber aus diesem Raster einfach heraus!

00:05:30: Sie war also ihr eigener Boss?

00:05:32: Genau, sie hatte plötzlich eigene gewaltige finanzielle Mittel zur Verfügung, eigene Ländereien, Einkünfte – sie musste niemanden mehr um Erlaubnis fragen wie sie ihr Geld investierte oder wen sie in ihrem Haus empfing.

00:05:46: Und sie ruht sich auf diesem Reichtum ja definitiv nicht aus.

00:05:49: Ich sehe hier, dass sie in den letzten Jahren ein zweites Mal heiratet!

00:05:53: Ja und da wird es hochpolitisch.

00:05:55: Ihr neuer Mann ist Daniek Wojtych Popel von Lobkowitz?

00:05:59: Wenn ich das richtig verstehe war der Mann nicht irgendwer sondern der bömische Oberstkanzler.

00:06:04: Richtig?

00:06:05: Exakt

00:06:06: Also jemand, der extrem tief in diese kaiserliche Verwaltung verstrickt war.

00:06:09: Ganz genau Er ist quasi der oberste Beamte des Kaisers in Böhmen Und während er sich also um die offizielle Landesverwaltung und diese ganzen kaiserlichen Dekrete kümmert, übernimmt Polyxena einfach die Verwaltung des riesigen familiären Vermögens.

00:06:25: Und was noch viel wichtiger ist – sie führt einen sogenannten Prager Salon!

00:06:31: Moment da muss ich mal kurz einhagen….

00:06:33: wenn nicht so das Wort Salon höre, denke ich irgendwie an einen gemütlichen Kaffeeklatsch.

00:06:38: Ja, das denken viele.

00:06:39: Weißt du, wo Adelige in schicken Kleidern sitzen?

00:06:42: Tee trinken und über das Wetter reden.

00:06:45: Aber wenn ich diese Berichte in unseren Quellen lese, klingt das eher wie ein hoch- exklusiver geopolitischer Think Tank.

00:06:52: Absolut!

00:06:53: Also einen Ort wohinter verschlossenen Türen die echten Deals gemacht werden.

00:06:57: Dein Eindruck täuscht dich da überhaupt nicht – das war definitiv kein Kaffeklatsch.

00:07:01: Okay...

00:07:01: Da Frauen im siebzehnten Jahrhundert ja keine offiziellen politischen Ämter begleiten durften, war der Salon im Grunde der einzige Raum in dem diese Off the Record Diplomatie stattfinden konnte.

00:07:14: Hier wurden Heiraten arrangiert die im GrundE Friedensverträge zwischen mächtigen Familien waren.

00:07:20: hier wurden geheime Informationen ausgetauscht Bündnisse geschmiedet und kaiserliche Karrieren entweder gefördert oder direkt beendet.

00:07:27: Das heißt, wenn ihr Mann der offizielle Kanzler war, waren Polixiner dann quasi die heimliche Außenministerin?

00:07:33: Heimliche außenministerinnen trifft es sehr gut.

00:07:35: Wie genau funktionierte die Mechanik von diesem Netzwerk?

00:07:38: Sie war eigentlich noch mehr – sie war die diplomatische Telefonzentrale des Reiches!

00:07:43: Was ihr faszinierend ist, ist ihre internationale Prägung.

00:07:46: Woher

00:07:46: kamen

00:07:47: die?!

00:07:47: Sie kam direkt von ihrer Mutter Maria Manrique de Lara.

00:07:52: Die stammte nämlich aus Castilien, in Spanien und war früher Hofdame der Kaiserin Maria von Spanier.

00:07:58: Ah okay!

00:07:59: Und Polyxena hat diese spanischen Wurzeln einfach perfekt instrumentalisiert.

00:08:04: Sie hatte also einen direkten Draht zu den Spaniern aber warum waren die damals so wichtig?

00:08:10: Die spanischen Habsburger waren in dieser Zeit schlichtweg die Supermacht Europas.

00:08:14: Klar.

00:08:15: Und am Kaiserhof in Wien gab es die sogenannte spanische Partei also die extrem einflussreiche streng katholische Fraktion.

00:08:23: In Polyxena Salon verkehrte permanent der spanische Gesandte.

00:08:27: Wahnsinn!

00:08:27: Die historischen Quellen betonen wirklich ausdrücklich, dass dieser Gesandt ihre politischen Einschätzungen und ihre tiefgehenden Kenntnisse extrem schätzte.

00:08:35: Sie

00:08:36: saß also wirklich an der Quelle?

00:08:37: Ja sie schrieb Briefe, sie fädelte Gespräche ein, sie wusste ganz genau wer wen bestechen konnte.

00:08:44: Okay das Bild wird jetzt echt klarer.

00:08:46: Sie bildete also das ultimative, informelle Bindeglied.

00:08:51: Auf der einen Seite die einflussreichen Adelsgeschlechter in Böhmenmeeren und Schlesien ... Und auf der anderen Seite die mächtige spanisch-katholische Fraktion in Wien.

00:09:02: Polluxena saß also Hagenau im Epizentrum der Macht.

00:09:06: Genau dort!

00:09:07: Sie hatte das Geld?

00:09:08: Sie hatte den Palast auf der Prager Burg?

00:09:11: Sie hat die internationalen Kontakte?

00:09:14: Glaubliche, explosive Mischung machte ihr Zuhause zum Ground Zero für das was dann geschah.

00:09:20: Der Übergang ins Jahr sixteenhundertachzehn

00:09:22: Ein Ja dass die europäische Geschichte für Jahrzehnte in ein absolutes Trauma stürzen sollte.

00:09:28: Wir müssen dir der uns gerade zuhört kurz erklären Was da eigentlich brodelte?

00:09:32: wir haben diesen sogenannten böhmischen Ständer Aufstand.

00:09:36: Warum eskaliert die Lage dort so völlig?

00:09:38: Ganz vereinfacht gesagt Es war ein massiver Machtkampf zwischen Religion und Staatsform.

00:09:44: Auf der einen Seite standen die bürmischen Stände.

00:09:47: Das waren überwiegend protestantische Adelige, die ihre lokalen parlamentarischen Freiheiten und halt ihre Religionsfreiheit verteidigen wollten.

00:09:56: Auf der anderen Seite standenen die katholischen Habsburger, die von Wien aus regierten und einen zentralisierten strengkatholischem Staat durchsetzen wollten.

00:10:05: Und Polyxena und ihr Mann stehen in diesem Konflikt natürlich felsenfest auf der Seite der Katholiken oder der Habsburger?

00:10:12: Absolut!

00:10:13: Felsenfest.

00:10:14: Und dann kommt dieser eine Moment, der wirklich in Buchstäblich jedem Geschichtsbuch steht – Der Prager-Fenstersturz!

00:10:21: Was genau ist da passiert?

00:10:22: Am XXIII.

00:10:23: Mai die protestantischen Aufständischen die Prager Burg stürmen.

00:10:29: Sie dringen in die Ratskanzlei ein wo die königlichen Stadthalter des Kaisers sitzen nämlich Willemslavata und Jaroslaw Borsita grav von Martinik.

00:10:39: Die Rebellen machen kurzen Prozess Sie packen die beiden Männer und werfen sie einfach aus dem Fenster des Burggraben.

00:10:47: Das nennt die Geschichtsschreibung eine Definistration.

00:10:51: Ein schickes lateinisches Wort für das brutale Hinauswerfen von Politikern aus dem Fender!

00:10:56: Genau,

00:10:56: das war ja nicht nur ein Mordversuch sondern eine absolute Demütigung ne?

00:11:00: Absolut es war ein tief symbolischer Akt.

00:11:04: man warf sie buchstäblich aus dem Machtzentrum hinaus Und eigentlich war es ein klares Todesurteil, denn wir sprechen hier von einer Höhe von gut sechzehn Metern.

00:11:13: Sechszehn Meter!

00:11:15: Aber jetzt kommt der verrückte Teil... Sie überleben diesen Sturz?

00:11:18: Ja und glaublich!

00:11:20: Man sagt ja oft sie seien auf einen Misthaufen gefallen oder an so einem weichen Abhang abgerutscht.

00:11:24: Da streiten sich die Legenden ja ein bisschen

00:11:26: Richtig da gibt es verschiedene Versionen.

00:11:29: Fakt ist aber sie leben sind zwar schwer verletzt Bluten haben Knochenbrüche Und der Mob oben am Fenster merkt natürlich, hey die sind ja gar nicht tot und fängt an hinterher zu schießen.

00:11:41: Genau, die haben das Feuer eröffnet!

00:11:43: Die beiden Stadthalter müssen in absoluter Panik fliehen... ...und wo suchen sie Zuflucht?

00:11:48: Ausgerechnet im Palais von Polyxena von Lopvickia.

00:11:52: Richtig, in unseren Quellen wird dieses berühmte Ölgemelde von Warzloff Brogik erwähnt.

00:11:57: Das fängt diese dramatische Szene ein – Polyxena die diesen verängstigten blutenden Politikern in ihrem Palast Schutz gewährt während draußen die Rebellion tobt.

00:12:06: Hier wird es erst recht interessant finde ich!

00:12:08: Wenn ich mir das überlege, muss ich dich jetzt mal wirklich herausfordern.

00:12:11: Gerne!

00:12:12: Ich

00:12:12: vergleiche ihr Palais in diesem Moment mit so einer Art Safehouse-Botschaft in einem völlig feindlichen Gebiet.

00:12:20: Aber moment mal... Die protestantischen Rebellen haben gerade die gesamte Burg übernommen?

00:12:25: Ja, die hatten die Kontrolle.

00:12:26: Sie haben Waffen, sie sind wütend, sie haben gerade Leute aus dem Fenster geworfen.

00:12:31: War es nicht völliger Wahnsinn von

00:12:33: Polyxena?!

00:12:34: Es war extrem riskant….

00:12:36: Wie konnte eine Frau in einem Kleid, diese schwer bewachnete Miliz physisch davon abhalten einfach ihre Tür einzutreten und die Männer abzumurksen?

00:12:44: Risikierte sie nicht ihren Reichtom ihr Palais und ihren eigenen Kopf?

00:12:49: Das ist genau der entscheidende Punkt.

00:12:51: Warum stürmen Sie das Palais nicht einfach?

00:12:52: Ja warum?

00:12:54: Das liegt an den unsichtbaren Gesetzen der damaligen Zeit.

00:12:57: Das Haus einer hochadeligen Frau und insbesondere einer Frau mit direkten familiären Verbindungen zum spanischen Königshof, das war fast so etwas wie geheiligter Boden.

00:13:07: Aha verstehe!

00:13:09: Es genoss eine Art diplomatische Immunität.

00:13:11: Er hätten die Rebellen des Palais von Polyxena gestürmt – und sie vielleicht sogar verletzt?

00:13:16: Hätten Sie nicht nur einen lokalen Aufstand am Hals gehabt ….

00:13:19: Sondern….

00:13:20: Sie hätten dem gesamten spanischen Weltreich den Krieg erklärt.

00:13:23: Polyxena wusste ganz genau, dass ihre Person ein geopolitisches Schutzschild war.

00:13:28: Sie nutzte ihre bloße Präsenz, ihre Autorität und ihre Vernetzung als Waffe gegen den Mob.

00:13:33: Wow!

00:13:34: Sie stand da also wirklich als menschliches Schutzschilt aus reinem Kalkül?

00:13:39: Aber war es nur politisches Kalkül?

00:13:41: Nein.

00:13:42: Wenn wir das mit dem Großen Ganzen in Verbindung bringen, war's eine absolute Überzeugungstat.

00:13:46: Wir dürfen nicht vergessen, Religion war damals nicht nur so ein Sonntagsgefühl

00:13:51: Klar!

00:13:51: Sie war das Fundament der eigenen Existenz.

00:13:55: Polyxena war genau wie ihre Eltern Eine zutiefst überzeugte fast schon radikale Katholiken.

00:14:01: sie hat die Jesuiten massiv finanziell unterstützt einen Stadthalter des Kaisers in so einer Situation abzuweisen.

00:14:09: Das hätte bedeutet, ihre gesamte Identität ihren Glauben und ihre Seele zu verraten.

00:14:13: Es war eine Demonstration ihrer unerschütterlichen Loyalität zum Haus Habsburg.

00:14:18: Sie hat also in dem Moment, indem der Kaiser scheinbar alles verloren hatte Ihre Treue bewiesen Und wie wir wissen löste dieser Fenstersturz eine Kettenreaktion aus die dann in den verheerenden dreißigjährigen Krieg mündete.

00:14:33: Ja

00:14:34: Das war der Funke.

00:14:35: Für die protestantischen Rebellen endete der Aufstand ja katastrophal, sie wurden in der berühmten Schlacht am Weißen Berg vernichtend geschlagen.

00:14:44: Komplett aufgerieben!

00:14:45: Aber

00:14:46: für unsere Loyale Polyxena.

00:14:48: Da fängt der wahre Profit eigentlich erst an... Wir springen jetzt mal in die Jahre sixteenhundertzweiundzwanzig und sechzehnhundertdreiundzwanzig.

00:14:56: Die erste Krise ist vorbei – Der Kaiser hat gewonnen Und Polyxener räumt ab als gäbe es kein Morgen.

00:15:04: Man kann es wirklich nicht anders sagen.

00:15:06: Sie gehörte durch ihre bedingungslose Haltung zu den absoluten finanziellen Gewinnern dieser neuen Ordnung.

00:15:12: Wie hat sie das gemacht?

00:15:13: Also Kaiser Ferdinand II hatte nach dem Sieg am Weißen Berg ein massives Problem.

00:15:19: Er hatte kein Geld, aber wahnsinnig viele Schulden bei seinen Truppenführern.

00:15:23: Schlechte Kombination.

00:15:24: Und

00:15:24: er hatte ein erobertes Land voller protestantischer Rebellen.

00:15:28: also begann er damit die Ländereien dieser Aufständischen im großen Stil zu konfizieren.

00:15:33: Der böhmische Adel wurde quasi komplett umgeschichtet und enteignet.

00:15:37: Und Polyxena steht da ganz vorne in der Schlange, die Zahlen, die wir hier in den Quellen haben – die sind atemberaubend!

00:15:45: Im Jahr sixteenhundertzweiundzwanzig erwirbt sie konfistierte Ländereien der ehemaligen Rebellen im unfassbaren Wert von dreihundertfünfzigtausend reinischen Gulden.

00:15:56: Eine gigantische Summe.

00:15:58: Ich nenne nun mal ein paar Güter Müllhausen Enkovani oder Entzwarn, Odolens Wasser und Unterberschkowitz.

00:16:06: Wie muss ich mir das vorstellen?

00:16:07: Wie kamen sie überhaupt an diese Ländereien

00:16:09: ran?".

00:16:10: Das funktionierte über ein extrem exklusives Zuteilungssystem – dreihundertfünfzigtausendreinige Golden.

00:16:16: des stellte in der damaligen Zeit ein astronomisches Vermögen dar.

00:16:20: Wahnsinn!

00:16:21: Der Kaiser verkaufte diese konfiszierten Güter weit unter ihrem eigentlichen Wert.

00:16:25: Er musste ja schnell am Bargeld kommen und wollte gleichzeitig seine loyalen Anhänger belohnen.

00:16:31: Aber an diesen Markt kam nicht jeder heran.

00:16:33: Man brauchte eine markeloße, katholische und Kaisertreue

00:16:37: Akte.".

00:16:37: Was bedeutet das alles?

00:16:39: Also wenn ich das mal in moderne Begriffe übersetze... Das ist ja wie ein brutaler Shortsqueeze on der Wall Street!

00:16:46: Ja, interessanter Vergleich….

00:16:48: Die protestantischen Rebellen haben gegen den Kaiser gewettet und sich völlig verzockt.

00:16:54: Sie gehen beim Crot, ihre Güter werden liquidiert Und Polyxena sitzt da, nutzt ihre Insider-Verbindung zum Kaiserhof und kauft diese distressed Assets – diese notleidenden Vermögenswerte für Peanuts auf.

00:17:08: Der Vergleich trifft den Nagel wirklich auf den Kopf!

00:17:10: Die Ländereien der Rebellen waren auf dem Markt….

00:17:13: …und sie hatte durch ihre Aktionen sixteenhundertachzehn einfach bewiesen, dass sie die verlässlichste Spielerin am Tisch war.

00:17:19: Und

00:17:19: sie hört ja nicht auf….

00:17:20: Im Jahr sechzehnhundertdreiundzwanzig macht sie direkt den nächsten unglaublichen Deal Sie kauft von ihrem eigenen Neffen, Fratislav Iusebius für dreißigtausend Dukaten das Bernstein-Palais auf der Pragerburg.

00:17:35: Genau das Palais in dem sie schon Jahre zuvor ihren Salon geführt hatte.

00:17:40: Dadurch fällt dieses extrem prästisch trächtige Gebäude dauerhaft an die Familie Lobkowitz.

00:17:46: Ein genialer Schachzug!

00:17:47: Da frage ich mich und das frage auch dich, der uns gerade zuhört – war das von Polyxena bloßer wirtschaftlicher Opportunismus?

00:17:55: War sie einfach eine eiskalte Kriegsgewinnerin, die über Leichen ging?

00:18:00: Oder war das schlichtweg die Währung der damaligen Zeit.

00:18:04: Das wirft eine extrem wichtige Frage auf!

00:18:06: Wir neigen heute dazu moralische Grenzen zwischen politischer Loyalität und finanziellem Opportunismus zu ziehen.

00:18:14: Ja, das stimmt.

00:18:15: Im siebzehnten Jahrhundert gab es diese Trennung aber nicht.

00:18:18: Politik, Religion und Wirtschaft waren absolut untrennbar miteinander verbunden.

00:18:23: Loyalität war die eigentliche Währung,

00:18:26: dass

00:18:26: sie sechzehntundachzehn im lebensgefährlichen Moment ihre Treue bewiesen hatte.

00:18:32: Das war ihr politisches Kapital.

00:18:35: der Kaiser wusste Ländereien die Polyxena kontrolliert das sind sichere rekatolisierte Habsburg treue Länder rein.

00:18:43: es war ein Mechanismus der Macht-Sicherung

00:18:45: und für Polyxener was vermutlich die Sicherung ihrer Dynastie.

00:18:48: oder

00:18:49: genau Vergessen wir nicht ihr wichtigstes Motiv.

00:18:51: Sie hatte in den vergangenen Jahren eine extrem beachtliche Alter von zweiundvierzig Jahren ihren einzigen Sohn geboren, Wenzel Eusebius von Lobgovitsch.

00:19:02: Für ihn, für diesen Sohn formte sie aus den Trümmern des Aufstandes dieses gigantische Imperium.

00:19:09: Sie legte das Fundament dafür, dass er später einer der mächtigsten Männer des gesamten heiligen Römischen Reiches werden konnte.

00:19:15: Das

00:19:15: ist wirklich Wahnsinn!

00:19:17: Durch diesen Sohn wird sie zur Stammmutter aller späteren Lobkowitza.

00:19:22: Sie baut in den dunkelsten Zeiten eines Krieges eine Dynastie auf die die Jahrhunderte überdauern wird.

00:19:29: Ja... Ein enormes Erbe?

00:19:31: Aber und hier kommt ein harter Bruch in unserer Geschichte Selbst das klügste geopolitische Gehirn, das größte Palä und die beste Vernetzung können nicht jeden vor den Schrecken des dreißigjährigen Krieges beschützen.

00:19:43: Leider nein!

00:19:44: Irgendwann holt die Realität des Schlachtfeldes auch den sichersten Salon ein – Das bringt uns zum Ende einer Ära der harte Einschnitt von sechzehnhundertdreißig.

00:19:55: Ja… Die Zeit des Dreißigjährigen Kriegs fraß irgendwann auch ihrer eigenen Kinder.

00:20:00: Das zeigt sich besonders tragisch am Schicksal ihrer Ursprungsfamilie, der Pernsteiner.

00:20:05: Wir haben vorhin kurz ihren Neffen erwähnt, Fratislav Eusebouyous?

00:20:09: Von dem sie das Palais kauft...

00:20:10: Genau den!

00:20:11: Er war der allerletzte männliche Nachkomme der ehemals so mächtigen Pernsteiner.

00:20:16: Polyxena war lange sein Vormund gewesen und hatte für ihn seine Herrschaften wie zum Beispiel Leitomische verwaltet.

00:20:24: In den letzten Jahren übernimmt er dann endlich selbst die Verwaltung.

00:20:29: Es sieht eigentlich alles nach einer glänzenden gesicherten Zukunft aus.

00:20:34: Er hatte das Privileg, er hatte das Geld und die kaiserliche Gunst – aber es war eben Krieg!

00:20:40: Er musste als adeliger Mann militärische Pflichten übernehmen….

00:20:43: …und das Systemunterschied auf dem Schlachtfeld halt nicht zwischen armen Söldnern und reichen Adel.

00:20:49: Sechzehn-Einunddreißig zieht er in den Kampf und er liegt bei Tangermünde einer schweren Kriegsverwundung.

00:20:56: Und damit passiert das Unfassbare, mit seinem Tod stirbt das große stolze Geschlecht der Pernsteiner im Mannesstamm komplett aus.

00:21:06: Ein Jahrhunderter altes Adelsgeschlecht wird einfach so vom Krieg ausgelöscht.

00:21:10: Man muss sich mal vorstellen was das für Polyxena bedeutete.

00:21:15: Sie hatte jahrzehntelang wie eine Löwin gekämpft, um die Macht den Reichtum und Archivalien der Familie zu schützen.

00:21:23: Und plötzlich ist die Blutlinie beendet!

00:21:25: Doch anstatt nur in Trauer zu sinken tut sie etwas, dass ein tiefes Verständnis für einen Erbe offenbart das weit über das Materielle also über Gulden- und Ländereien hinausgeht.

00:21:37: Und was macht sie?

00:21:38: Wie reagiert man auf so einen endgültigen Verlust?

00:21:43: tief symbolischen Handlungen in der spirituellen Ökonomie ihrer Zeit.

00:21:48: Nach dem Erlöschen des Familienzweiges entscheidet sie sich, den intimsten und wertvollsten spirituellem Familienschatz wegzugeben.

00:21:59: Sie übergibt ein sogenanntes Gnadenbild eine kleine zerbrechliche Wachsfigur die das Jesuskind darstellt an die Gemeinschaft der Kleinseitner Carmeliten in der Prager Kirche.

00:22:09: Maria vom Siege.

00:22:11: Moment mal, eine Wachsfigur.

00:22:13: Ich dachte wir reden hier von riesigen Ländereien und Palästen.

00:22:17: Warum ist eine kleine Wachstfigur so verdammt wichtig?

00:22:22: Weil sie den wahren emotionalen und religiösen Kern der Familie repräsentierte.

00:22:27: Diese Figur kam direkt von ihrer Mutter Maria Manricha de Lara die sie fifteenhundertfünfundfünfzig als Brautgeschenk aus Spanien mitgebracht hatte.

00:22:35: Ah,

00:22:36: da schließ sich der Kreis zu Spanian!

00:22:38: Genau, es war das Symbol ihrer spanischen Wurzeln, ihres tiefen katholischen Glaubens.

00:22:43: Und dieses private Stück...

00:22:44: Warte mal!

00:22:44: Das ist doch das was wir heute als das berühmte Prager Jesulein kennen oder die Figur, die noch heute in Prag

00:22:50: steht?

00:22:51: Ganz genau – dass ist sie.

00:22:52: Durch die Übergabe an die Kamelitenmönche machte Polixena einen genialen letzten Zug.

00:22:58: Sie verwandelte einen privaten verletzlichen Familienschatz in ein öffentliches unsterbliches Heiligtum In den sie es der Kirche gab, stellte sie sicher dass die Geschichte und die Frömmigkeit ihrer Familie für immer verehrt werden würden.

00:23:11: Sie schuf ein kulturelles Erbe.

00:23:12: Polyxenna selbst stirbt, aber dieses Prager Jesulein zieht bis heute über vierhundert Jahre später Millionen von Gläubigen und Touristen an.

00:23:23: Das haut mich wirklich um.

00:23:25: Wenn ich mir diesen extremen Kontrast überlege, da haben wir auf der einen Seite diese eiskalte absolut kalkulierte Machtpolitik – den Prager Fenstersturz, zehntausende konfizierte Hektar-Land, knallharte diplomatische Allianzen.

00:23:40: und aus all diesem gewaltigen Kriegswirren bleibt am Ende als ihr bekannteste Symbol eine winzige zerbrechliche Wachsfigur eines Kindes.

00:23:51: ewigem Vermächtnis, dass man mit all dem Geld der Welt nicht kaufen kann.

00:23:54: Es zeigt die unfassbare Vielschichtigkeit dieser Frau!

00:23:59: Sie dachte in Ländereien?

00:24:01: Sie dachten in Generationen?

00:24:03: In Dynastien?

00:24:05: Aber letztlich dachte sie auch in der Ewigkeit ihres Glaubens.

00:24:09: Wow also Fassen wir das für dich, der uns heute auf diese Reise begleitet hat noch einmal zusammen.

00:24:15: Das Leben der Polyxena von Lobopskis ist nicht einfach nur ein staubiges Kapitel in einem Geschichtsbuch.

00:24:22: Überhaupt nicht!

00:24:22: Es

00:24:22: zeigt uns die Mechanik der Macht.

00:24:25: Wir haben gesehen wie radikales Risiko in einer absoluten Krise als sie sechzehnhundertachzehnten Buchstäblich Die Tür Für Die Gefallenen Politiker öffnete sich in einen gigantischen unschätzbaren Vorteil in der Zeit danach wandelte.

00:24:38: Ganz genau Polyxena

00:24:40: saß nicht auf der Tribüne der Geschichte.

00:24:42: Sie stand auf dem Spielfeld und hat die Regeln aus ihrem Pragasalon heraus aktiv und extrem mutig mitgeschrieben.

00:24:49: Und ich danke dir für diesen intensiven Blick in die Akten!

00:24:53: Es ist wirklich faszinierend, diese Strukturen offen zu legen.

00:24:56: Ich möchte dir, der uns zuhört am Ende noch einen letzten etwas tiefergehenden Gedanken mit auf den Weg geben.

00:25:03: Gerne, schieß los.

00:25:05: Wenn wir uns an den Geschichtsunterricht erinnern Lernen wir meistens die Namen der Männer, die beim Prager Fenstersturz aus dem Fenster fielen.

00:25:13: Oder wir lernen die Namen von der Generäle, die danach mit ihren Heeren in den großen Schlachten des dreisegierigen Krieges zogen?

00:25:20: Ja genau!

00:25:21: Wir lernen Daten von Schlachten und Friedensverträgen...

00:25:24: Richtig!

00:25:25: Aber vielleicht sollten wir uns beim Blick auf die Geschichte viel öfter fragen Wer waren eigentlich die Menschen, die im Hintergrund standen?

00:25:32: Wer waren die Frauen und Männer, die im entscheidenden Moment die Tür öffneten?

00:25:36: Die die gefallenen Politiker buchstäblich vom Boden aufsammelten und verarzteten.

00:25:41: Und die danach als sich der Staub legte still und leise die Konkursmasse eines halben Landes neu aufgauften.

00:25:48: Oft sind nämlich genau das die wahren Architekten der Welt in der wir heute leben.

00:25:53: Ein absolut brillantes Schlusswort!

00:25:55: Wer öffnet die Türen und wer kauft danach das Land?

00:25:59: Ein riesiges Dankeschön fürs Zuhören bei diesem heutigen Deep Dive ins siebzehnte Jahrhundert.

00:26:03: Behaltet diesen Gedanken im Kopf, wenn ihr das nächste Mal von großen historischen Umwälzungen lest oder wenn ihr vielleicht das nächste mal in Prag vor einer kleinen Wachsfigur steht!

00:26:13: Wir verabschieden uns für heute und freuen uns schon auf das nächstemal, wenn wir wieder gemeinsam in die Tiefen der Geschichte abtauchen.

00:26:19: – bis dahin!

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