Peter Hagendorf
Shownotes
Diese Episode befasst sich mit dem außergewöhnlichen Tagebuch des Söldners Peter Hagendorf, das als eines der wichtigsten Selbstzeugnisse aus dem Dreißigjährigen Krieg gilt. Die Texte dokumentieren die wissenschaftliche Identifizierung des Autors, die durch Abgleiche zwischen seinen privaten Aufzeichnungen und offiziellen Kirchenbüchern sowie Stadtarchiven gelang. Detailliert wird das entbehrungsreiche Alltagsleben einfacher Soldaten geschildert, das von endlosen Märschen, Hunger, Krankheiten und dem Überlebenskampf der Familie geprägt war. Während die ältere Forschung vor allem die militärischen Erlebnisse analysierte, beleuchten neuere Erkenntnisse Hagendorfs geografische Herkunft aus dem Fläming und seine erfolgreiche Rückkehr in ein bürgerliches Leben nach dem Krieg. Damit bieten die Quellen einen seltenen mikrohistorischen Einblick in die Perspektive eines Mannes, der über zwei Jahrzehnte in den Armeen der Katholischen Liga und Schwedens diente. Die Ausführungen unterstreichen die Bedeutung solcher Ego-Dokumente für das Verständnis der sozialen Realitäten des 17. Jahrhunderts.
Bild: Nano Banana 2 Musik: Fatbunny/Epic Beat/Pixabay
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00:00:00: Der nachfolgende Beitrag wurde mithilfe künstlicher Intelligenz erstellt.
00:01:01: Fünfundzwanzig Jahre am Stück.
00:01:02: Das ist eigentlich unvorstellbar heute?
00:01:04: Total!
00:01:05: Du überlebst schwere Schusswunden, du entkommst diesen wiederkehrenden Pestepidemin und wenn dann der Winter einbricht und der Hunger am unerträglichsten wird….
00:01:15: Dann isst du Hunde, Katzen oder – und das ist wirklich krass – du trinkst das Blut von Pferden nur um nicht zu verhungern.
00:01:22: Ja es klingt wie so eine dystopische Fantasie aus einem Hollywood-Film.
00:01:26: Genau aber das war die absolute Realität im siebzehnten Jahrhundert.
00:01:30: Willkommen in der historischen Apokalypse, dem Dreißigjährigen Krieg.
00:01:34: Von sixteen ohlachzehn bis sechzehntonacht
00:01:37: achtundvierzig.
00:01:37: Wir sprechen hier wirklich von einem Zusammenbruch der Zivilisation also wie man ihn sich heute kaum noch vorstellen kann.
00:01:44: Es war eine Zeit in der die Welt buchstäblich aus den Fugen geriet.
00:01:48: ganze Landstriche in Zentraleuropa wurden so drastisch entfölkert dass es Jahrzehnte brauchte bis sich diese Bevölkerungszahlen überhaupt mal wieder erholten.
00:01:56: Wahnsinn
00:01:57: Ja, und stehte branden bis auf die Grundmauer nieder.
00:02:00: Das bloße Überleben von einem Tag auf den nächsten war oft nicht mehr als ein zutiefst grausamer
00:02:07: Glücksfall.".
00:02:07: Und in genau diesen Abgrund reisen wir heute in unserem Diebdive!
00:02:12: Aber?
00:02:13: Wir machen das eben nicht aus dieser bequemen Vogelperspektive weißte.
00:02:16: Normalerweise liest man in den Geschichtsbüchern immer nur von Königen oder von Generälen wie Wallenstein oder Tilly.
00:02:22: Genau – die großen Namen
00:02:23: halt.
00:02:24: Richtig?
00:02:25: Oder wir sehen irgendwelche abstrakten Pfeile für Truppenbewegungen auf staubigen Landkarten.
00:02:31: Aber heute nicht!
00:02:32: Heute blicken wir direkt durch die Augen eines einfachen Mannes, eines echten Söldners der quasi ganz unten im Schlammstand.
00:02:41: Und es ist das was unsere heutige Quellenreise so unglaublich spannend macht.
00:02:46: Ja, weil unsere Grundlagen für diese intensive historische Spurensuche – das ist zum einen eine extrem detaillierte Magisterarbeit des Historikers Marco von Müller aus dem Jahr zwei Tausend Fünf.
00:02:58: Da geht es um das Tagebuch dieses Mannes!
00:03:01: Und wir ergänzen das heute mit einem wirklich faszinierenden Blog-Post von Forscherinnen aus dem Jahre zweitausend achtzehn der so ein jahrhunderte altes Rätsel um sein endgültiges Schicksal gelöst hat….
00:03:14: Das ist genau der Punkt, der unsere Analyse hier so einmalig macht.
00:03:17: Wir haben es hier mit einem absolut seltenen Selbstzeugnis zu tun also Aufzeichnungen von einfachen Menschen aus dieser Zeit.
00:03:25: die existieren fast gar nicht
00:03:26: Weil die meisten gar nicht schreiben konnten oder?
00:03:28: Genau!
00:03:28: Die meisten konnten weder lesen noch schreiben und vom Geld für Papier ganz zu schweigen.
00:03:34: Papier war teuer.
00:03:35: Wer werden heute herausfinden wer dieser Mann überhaupt war wie er diese Hölle auf Erden taktisch und emotional überlebt hat?
00:03:42: Und das finde ich persönlich am eindrücklichsten, was uns seine Geschichte über diese fast schon unheimliche extreme Anpassungsfähigkeit der menschlichen Psyche lehrt.
00:03:51: Okay, aber lass uns das mal aufschlüsseln.
00:03:53: Bevor wir uns anschauen wie er überlebt hat müssen wir überhaupt erst einmal klären mit wem wir es hier zu tun haben.
00:03:59: Denn das Tagebuch unserer Hauptquelle wurde völlig anonym verfasst.
00:04:04: Der Typ hat seinen eigenen Namen nirgendwo in dem Text erwähnt.
00:04:07: Richtig!
00:04:08: Man muss sich dieses Artefakt einmal physisch vorstellen.
00:04:11: Wir haben da ein schwer wasserbeschädigtes Buch.
00:04:14: der Einwand stammt eindeutig aus dem siebzehnten Jahrhundert Aber die ersten Seiten fehlen einfach.
00:04:19: Die sind irgendwann herausgerissen worden oder verrottet und die letzten Seiten fehlen eben genauso.
00:04:25: Also ein Buch ohne Anfang und Ende?
00:04:28: Exakt!
00:04:29: Und dieses ramponierte Buch lag unfassbare zweihundert Jahre lang völlig unbeachtet in den Archiven der Preußischen, also der heutigen Berliner Staatsbibliothek.
00:04:39: Niemand wusste was für einen historischer Schatz davor sich hinstaubte bis äh... ...der Historiker Jan Peters es nineteen Hundert Achtund Achtzig durch Zufall entdeckte.
00:04:48: Aber Moment mal, wenn wir da ein fast zerfallenes namenloses Buch haben.
00:04:54: Wie kommen wir dann überhaupt auf einen konkreten Namen?
00:04:57: Marco von Müller musste in seiner Magisterarbeit doch regelrecht Archivdetektiv spielen
00:05:02: oder?!
00:05:03: Das ist ja als würde man heute einen zerrissenen Kassenbong aus dem Supermarkt mit einer verschollenen Geburtsurkunde abgleichen um irgendwie einen Geist zu finden!
00:05:12: Das ist ein toller Vergleich.
00:05:13: Ja, das war ein klassisches historisches Puzzle!
00:05:16: Jan Peters hatte in den letzten Jahren schon so eine erste Fährte aufgenommen weil er ihm die Text-Hinweise auf bestimmte Orte fand.
00:05:24: Er stieß dann im evangelischen Kirchenbuch der Stadt Papenheim auf einen Eintrag und zwar aus dem Jahr sixteenhundertfünfundvierzig.
00:05:31: Da stand die Geburt einer Tochter namens Anna Margaret notiert Und als Vater war ein gewisser Peter Hagendorf eingetragen und das passte chronologisch exakt zu einer Station im Tagebuch.
00:05:43: Ganz ehrlich, wir sprechen vom siebzehnten Jahrhundert.
00:05:46: Da gab es Millionen von Menschen und Peter Hagendorf klingt jetzt nicht gerade wie ein wahnsinnig seltener Name.
00:05:54: Da hieß doch gefühlt jeder dritte Mann Peter.
00:05:57: Könnte es nicht einfach zwei Peter-Hagendors gegeben haben?
00:06:01: Wie sicher ist
00:06:01: das?".
00:06:02: Das ist genau der richtige Einwand!
00:06:03: Ein einzelner Kirchenbucheintrag würde in der seriösen Wissenschaft niemals als wasserdichter Beweis reichen.
00:06:09: Deshalb musste Müller tiefer graben... Wenn wir das mit dem Großen Ganzen verbinden, wird es nämlich klarer.
00:06:16: Was hat er gefunden?
00:06:17: Er wusste aus den Schilderungen im Tagebuch, dass unser Söldner im harten Winter ´VI³ auf ´XVI²´ mit einem ganzen Trupp kranker und verwundeter Soldaten nach Mühlhausen in Thüringen abkommandiert worden war.
00:06:30: Er sollte diese Männer dort logistisch und medizinisch versorgen – also vor Müller nach Thüringien und hat systematisch das Stadtarchiv Mühlehausen durchsucht.
00:06:38: Ich versuche mir das gerade bildlich vorzustellen, der wühlt sich da durch jahrhundertealte staubige Kisten auf der Suche nach einem kleinen Zettel, der beweisen soll dass ein Mann vor über dreihundertfünfzig Jahren in dieser Stadt war.
00:06:52: Es grenzt echt an einen Wunder.
00:06:54: aber Müller findet in Mühlhausen tatsächlich eine originale Quittung datiert auf den siebenundzwanzigsten Dezember sechzehnhundert und vierzig.
00:07:01: Auf diesem Stück Papier steht detailliert was die Stadtverwaltung an Verpflegung herausgegeben hat.
00:07:06: Echt jetzt?
00:07:07: Ja Da steht exakt ein Pfund Fleisch, zwei Pfund Brot und einmales Bier pro Soldat untag.
00:07:13: Und zwar spezifisch für die Kranken des winterscheidischen Regiments – und der Empfänger, der da unterschrieben hat Peter Hagendorf
00:07:20: Wahnsinn!
00:07:21: Aber selbst da könnte man ja theoretisch noch zweifeln
00:07:25: Könnte man?
00:07:26: Aber hier greift dann einfach die Wahrscheinlichkeitsrechnung.
00:07:28: Es ist eben nicht nur der Name Es ist diese absolut exakte, einmalige Kombination aus verschiedenen Datenpunkten.
00:07:35: Das Tagebuch erwähnt, dass das Regiment genau in diesem Winter den Namen Winterscheid annahm, weil der Oberst gesichselt hatte.
00:07:42: Aha okay!
00:07:43: Es erwähnte auch einen bestimmten Fähnricht namens Notschaff – der exakt dann in Mühlhausen war dass ein anderer Peter Hagendorf zur selben Zeit, amselben Ort in derselben Truppe Dienst hat, zufällig auch Kranke versorgte und dann noch in Papenheim diese Tochter bekam.
00:07:58: Das ist statistisch faktisch
00:08:00: ausgeschlossen.".
00:08:01: Was mich an dieser Quittung fast am eisten schockiert, ist eigentlich der Kontext – da tobt draußen buchstäblich die Apokalypse!
00:08:09: Truppen ziehen brennend und mordend durch Europa, aber im Stadtarchiv in Mühlhausen sitzt irgend ein armer Beamter und notiert säuberlich mit Feder- und Tinte wer genau das Pfundbrot bekommen hat.
00:08:22: Die Bürokratie stirbt echt
00:08:24: nie.".
00:08:24: Ja, das ist ein extrem scharfes Bild!
00:08:27: Es zeigt wie absurd, bürokratisch und institutionalisiert dieser chaotische Krieg damals schon war….
00:08:35: Aber diese Quittung führt uns direkt zu einem zentralen Problem einer drängenden Frage.
00:08:41: Nämlich, wie er das alles bezahlt hat?
00:08:43: Ganz genau!
00:08:44: Wie finanziert dieser Mann seinen Alltag wenn er fünfzehn Jahre am Stück im Feld steht?
00:08:50: Weil der Begriff Söldner kommt ja offensichtlich von Sollt – also der Bezahlung.
00:08:54: Da sollte man meinen, er kriegt sein Lohn und kauft sich davon dann sein Essen.
00:08:58: Theoretisch
00:08:59: Ja… aber das Sagebuch weiß diese Illusion sehr schnell ein... die bittere Realität war Dieser Sollt wurde fast nie ausgezahlt.
00:09:07: Die Kriegsherren waren chronisch pleite, die wahre Währung äh das war die Beute plündern.
00:09:14: Das Leben bestand also nur aus Raub?
00:09:16: Ja und es schwankte dadurch extrem.
00:09:19: weißt du noch das Beispiel aus Pommmern?
00:09:22: Oh ja!
00:09:23: Er schreibt doch, dass sie in Pommern so extrem reiche Beute gemacht haben.
00:09:29: Dass die Soldaten sich einfach geweigert haben normales Rindfleisch zu essen.
00:09:33: Das war denen plötzlich zu langweilig.
00:09:34: Da mussten es dann feine Gänse und Enden sein.
00:09:37: Genau der totale Überfluss.
00:09:39: Und nur ein paar Jahre später, in Kreuz nach.
00:09:43: Da herrschte so ein unfassbarer Hunger, dass es echt apokalyptisch wird!
00:09:47: Da haben sie dann Pferde in die Brust gestochenen um ihr heißes Blut zu trinken und Sie haben Hunde-und Katzen gegessen weil es sonst einfach nichts gab.
00:09:55: Und genau in solchen Situationen zeigt sich Hagendorf's erfinderischer Überlebensinn.
00:10:00: Der Typ war pragmatisch.
00:10:02: Er hat sich irgendwo aus zwei alten Schleifsteinen eine Mühle gebaut.
00:10:06: Dann hat er einen Erdbackofen gegraben und sein eigenes Brot gebacken.
00:10:10: Aber das Verrückte ist ja, er verkauft dieses Brot dann völlig überteuert an seine eigenen verhungernden Kameraden!
00:10:17: Der Mann war ein Krisengewindler im eigenen Regiment... aber da muss ich mich wirklich fragen… Gab es denn gar keine Regeln?
00:10:23: Ich dachte immer Militärs haben strikte Kodizäs auch damals schon.
00:10:27: Doch auf dem Papier gab es den sogenannten Artikelsbrief.
00:10:31: Darauf wurden die Söldner unter einem Joch aus gekreuzten Hellebaden vereidigt.
00:10:36: Dieser Brief verbot theoretisch das unkontrollierte Plündern und sollte eigentlich Frauen, Kinder und Kirchen schützen.
00:10:42: Aber in der Praxis?
00:10:44: In der Realität haben die Offiziere beide Augen zugedrückt.
00:10:48: Was hier so faszinierend ist – Die individuelle Beute der Soldaten befreite die Offiziere davon, die Truppe selbst bezahlen zu müssen.
00:10:56: Dieses System zerstörte zwar jegliche militärische Disziplin war aber paradoxerweise die einzige Überlebensgarantie für die Truppen.
00:11:05: Und diese Mentalität des Friss- oder Stirb bei der Nahrungsbeschaffung, die übertrug sich ja dann nahtlos auf das Schlachtfeld und den Umgang mit der Zivilbevölkerung.
00:11:14: Da gab es gar keine Trennung mehr zwischen Krieg und
00:11:16: Zivilgesellschaft.".
00:11:18: Überhaupt nicht!
00:11:19: Das sehen wir ganz krass bei der Zerstörung von Magdeburg-Sechzehnhundertdreißig – eine der größten Katastrophen.
00:11:26: Ja, Hagendorf wird da direkt beim Angriff zerschossen in Bauch und Schultern.
00:11:32: Und während er da halbtod- und blutend im Lager liegt passiert etwas Unfassbares.
00:11:38: Seine erste Frau Anna Stadler stürmt zurück in dieses brennende Inferno der Stadt.
00:11:43: Erfall sie weist wenn sie keine Beute macht haben sie nicht zu essen und kein Verbandszeug für ihn.
00:11:48: Sie riskiert ihr Leben zwischen einsturzenden Häusern um plündergut für sein Überleben zu holen.
00:11:54: Es ist purer Wahnsinn.
00:11:55: Und kurz darauf, auch die Schlacht von Breitenfeld – die katholische Armee unter Tilly wird komplett vernichtet!
00:12:04: Aber Hagendorf und sein Regiment kriegen das gar nicht mit.
00:12:09: Sein Regiment wird beim Schwenken im dichten Pulverdampf irgendwie abgedrängt.
00:12:13: Die stehen nach den halben Tag unversehrt auf dem Feld herum im Dichtenqualm ohne zu ahnen, dass ihre eigene Armee gerade massakriert wird.
00:12:21: Und als es dunkel wird, marschieren sie einfach unversehrt weg!
00:12:24: Er überlebt einfach durch
00:12:26: herumstehen.".
00:12:27: So absurd war dieser Krieg – aber Gewalt war eben auch abseits der Schlachten totaler Alltag.
00:12:32: Bauern wurden in ihren eigenen Häusern verbrannt wenn sie ihr Essen nicht hergeben wollten….
00:12:37: Ernten wurden absichtlich vernichtet nur um gegnerische Städter auszuhungern ….
00:12:42: Aber die Bauern haben sich auch gewährt oder?
00:12:44: Ich denke da an diese Höhlen bei Arras in Frankreich.
00:12:48: Die haben tiefe Höhlen mit eigenen Brunnen gegraben.
00:12:51: Und als Hagendorfs Frau oben am Schacht Wasser schöpfen wollte, haben die Bauern unter der Erde einfach das Seil durchgeschnitten und ihren Kupferkessel geklaut.
00:13:00: Ja, cleverer asimetrischer Widerstand!
00:13:03: Aber manchmal eskalierte es auch.
00:13:05: Erinnerst du dich an Diodorf?
00:13:07: Oh Gott ja... Hier wird es wirklich interessant….
00:13:10: In dir Dorf betrinkt sich Hagendorf gnadenlos, fällt hinter die Truppe zurück und wird prompt von drei Bauern verprügelt und ausgeraubt.
00:13:19: Und er ist ernsthaft empört!
00:13:21: Er spürt einen davon später auf – und will ihn hängen lassen.
00:13:25: Er, der seit Jahrzehnten plündert, will einen Bauern hängen sehen.
00:13:29: Null moralische Bedenken?
00:13:30: Er weint um ein verlorenes Pferd aber zündet völlig emotionslos Dörfer an.
00:13:38: Das zeigt diese totale Abstumpfung.
00:13:40: Wenn wir Hagenendorfssprache im Tagebuch analysieren, wird die immer zynischer.
00:13:45: Wer im Kampf zerfetzt wird ist laut ihm einfach Sitzen geblieben.
00:13:49: Man hat sich voll und toll gesoffen.
00:13:51: Die extreme Gewalt war für ihn schlicht normalisiert Ein psychologischer Schutzmechanismus.
00:13:56: Und da frage ich mich echt Wie überlebt eine menschliche Psyche Jahrzehnte dieser absoluten Verrohrung ohne komplett den Verstand zu verlieren?
00:14:06: Wo ist der emotionale Anker?
00:14:08: Die Antwort finden wir in Hagendorf's Privatleben.
00:14:11: Man denkt ja heute oft, historische Armeen waren reine Männercamps.
00:14:16: Aber das ist für den Dreißigjährigen Krieg völlig falsch.
00:14:18: Stimmt die Reisten mit dem Tross!
00:14:20: Genau – eine riesige, ziehende Stadt voller Familien.
00:14:23: Für jeden Söldner gab es oft mehrere Zivilisten.
00:14:26: Die Familie war eine Zweckgemeinschaft.
00:14:29: Sie mussten zusammen plündern, Brot backen aber da war eben auch tiefe Zuneigung.
00:14:33: Das merkt man vor allem bei der Tragödie um seine erste Frau, Anna Stadler.
00:14:38: Sie war krank, folgte im Chaos den falschen Truppen bis nach München und starb dort im Spital fern von ihm.
00:14:45: Und sein Tagebucheintrag dazu.
00:14:47: das ist so krass.
00:14:48: Der hat plötzlich ein völlig anderes zittriges Schriftbild
00:14:52: Ein ganz seltener Ausbruch echter Emotion.
00:14:55: Er hat das Tagebuch ja später ins Reine geschrieben normalerweise mit sehr ruhiger Hand Aber bei ihrem Tod versagte seine emotionale Kontrolle und das sieht man bis heute in der wackeligen Tinte.
00:15:07: Das ist wirklich Gänsehaut!
00:15:09: Und dann diese brutale Kindersterblichkeit, acht von seinen zehn Kindern sind gestorben.
00:15:14: Trotzdem kümmert er sich so rührend um seinen überlebenden Sohn, Melchard Christoph.
00:15:19: Er schickt ihn schon als Vierjährigen mitten in diesem Kriegsschmutz zu einem Schulmeister den er extra dafür
00:15:26: bezahlt.".
00:15:27: Das wirft eine wichtige Frage auf die lange diskutiert wurde war die Frau damals nur ein wirtschaftliches Nutztier für Söldner.
00:15:34: Hagendorfs Verhalten beweist es Gegenteil, als seine zweite Frau Anna Buchler schwer erkrankt verkauft er sogar sein Pferd um ihre wochenlange Pflege zu bezahlen.
00:15:44: Und ein Pferdd war ja die absolute Lebensversicherung für Sohn Söeldner.
00:15:49: dass er das für seine Frau opfert zeigt wirklich dass die Familie seinen einziger Fixpunkt in einer komplett kaputten.
00:15:56: Welt war absolut.
00:15:58: Aber irgendwann ist auch dieser Krieg mal vorbei.
00:16:04: Und das ist die große Frage, was passiert mit einem Söldner der sein ganzes erwachsenes Leben lang nur das Mordenrauben und Überleben im Feldlager kannte?
00:16:15: Das wusste man ja ganz lange nicht oder?
00:16:17: Richtig!
00:16:18: Historiker wussten lange nicht, was nach dem Krieg aus ihm wurde.
00:16:21: Sein Tagebuch bricht sixteenhundertneunundvierzig einfach ab.
00:16:25: Doch in dem Jahr haben die Forscherinnen Juliana da Costa José und Claudia Minuth diesen Blogpost veröffentlicht.
00:16:32: Sie fanden Kirchenbucheinträge im Flaming, Hagendorf's alte Heimat basierend auf seinem Dialekt im Tagebuch.
00:16:38: Und er ist tatsächlich nach dem Frieden über sechshundert Kilometer zurück nach Görz gemarschiert.
00:16:45: Genau dorthin!
00:16:46: Und hier kommt der absolute Plot Twist.
00:16:50: Man würde ja denken, so ein Typ wird zum kriminellen Wegellagerer der sich nicht an den Frieden anpassen kann.
00:16:56: Aber nein!
00:16:58: Er wird ein hoch angesehener Bürger, er wird Meister und am Ende sogar Richter- und Bürgermeister in diesem Ort.
00:17:05: Und sein Sohn Melchert Christoph bleibt danach siebenundvierzig Jahre lang Richter.
00:17:11: Eine völlig verrückte Resozialisierung.
00:17:13: Das lässt einen echt nicht los.
00:17:15: Wir nehmen ja oft an, dass so ein Jahrzehntelanger Krieg den Menschen unweigerlich und dauerhaft zerstört – das jemand der solche Traumate erlebt uns selbst so extrem ausgeteilt hat nie wieder in eine normale zivile Gesellschaft passt!
00:17:29: Das würde man nach modernen Maßstäben definitiv erwarten.
00:17:33: Genau aber Peter Hagendorf legt einfach seine Muskete ab und wird Richter in einem Kleidendorf?
00:17:39: Das lässt keinen wirklich nachdenken….
00:17:41: Ist der Mensch am Ende vielleicht viel anpassungsfähiger, an extreme moralische Wechsel und Umgebungen als wir es uns jemals eingestehen wollen?
00:17:51: Denk mal darüber nach welche verborgenen Anpassungsfähigkeiten und welche unglaubliche psychologische Widerstandskraft auch in dir schlummern.
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