Tilly und die heimlichen Gegner

Shownotes

Diese Episode untersucht die militärische und mediale Geschichte des Dreißigjährigen Krieges mit einem besonderen Fokus auf die kaiserlichen Feldherren Albrecht von Wallenstein und Johann Tserclaes von Tilly. Während eine Analyse der Universität Augsburg die auffällige Diskrepanz in der Publizistik beleuchtet (Wallenstein fand zu Lebzeiten kaum öffentliche Beachtung, wurde nach seiner Ermordung 1634 jedoch zum europaweiten Medienthema), dokumentieren die weiteren Texte chronologische Abläufe bedeutender Schlachten wie jene bei Wimpfen. Tilly wird dabei als ein äußerst erfolgreicher, aber auch kontroverser Heerführer der Katholischen Liga dargestellt, dessen Wirken von glanzvollen Siegen bis hin zur brutalen Zerstörung Magdeburgs reichte. Insgesamt vermitteln die herangezogenen Texte ein detailliertes Bild der politischen Kommunikation und der verheerenden Auswirkungen der Kämpfe auf die Bevölkerung im Heiligen Römischen Reich. Die Zusammenstellung verdeutlicht, wie sowohl militärische Ereignisse als auch deren mediale Aufarbeitung das historische Bild dieser Epoche nachhaltig prägten.

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00:00:00: Der nachfolgende Beitrag wurde mithilfe künstlicher Intelligenz erstellt.

00:01:04: Eine grobe Zeichnung, ein paar Zeilentext.

00:01:07: Die Leute drängen sich sofort darum und dieses eine kleine Stück Papier verändert innerhalb von Tagen wie ein ganzer Kontinent über den Kaiser denkt.

00:01:16: Das

00:01:16: ist eigentlich unvorstellbar aus heutiger Sicht?

00:01:18: Total!

00:01:19: Wir bilden uns heute ja wahnsinnig gern ein dass so gezielte Desinformationskampagnen also virale Empörungswellen und PR-Schlamm schlachten das das alles Begleiterscheinungen unseres digitalen Zeitalters sind.

00:01:31: Sind sie aber nicht

00:01:32: Richtig?

00:01:33: Die historisch belegte Wahrheit ist nämlich die vielleicht effizienteste Propagandamaschinerie Europas, die lief schon vor vierhundert Jahren auf absoluten Hochtoren.

00:01:43: Und sie war wirklich genauso unbarmherzig wie die tatsächlichen Schlachten jener Zeit – es ging da um die totale Kontrolle der Narrative!

00:01:52: Willkommen zu dieser neuen Tiefen-Analyse.

00:01:55: Du, der uns gerade zuhört, kannst dich auf eine ziemlich wilde Reise einstellen!

00:02:00: Wir haben für diese Untersuchung einen massiven Stapel an Quellen vorliegen.

00:02:04: Einen sehr spannenden Stapeln ja?

00:02:06: Im Zentrum steht eine brillante wissenschaftliche Abhandlung von Sylvia S. Chopp die sich extrem detailliert mit der Medienpräsenz von Albrecht von Wallenstein auseinandersetzt

00:02:17: Genau – Wallen Stein im dreißigjährigen Krieg.

00:02:20: Dazu kommen noch historische Berichte über die Zerstörungskraft von Schlachten, also wie Wimpfen und biografische Analysen des berühmten Feldherren Johann Cerkleis Graf von Tilly.

00:02:32: Unsere Mission heute ist es herauszufinden, wie historische Wahrheiten gigantische Mythen und der Ruf von mächtigen Männern eben nicht auf dem Schlachtfeld geschmiedet wurden.

00:02:44: Sondern auf knarrenden Druckerpressen.

00:02:46: Exakt!

00:02:47: Aber ähm... Um diese mediale Kriegsführung überhaupt erstmal in ihren ganzen Dimensionen greifen zu können, dürfen wir die physische Realität jener Jahrzehnte nicht einfach ausblenden.

00:02:56: Nee absolut nicht!

00:02:57: Dieser Krieg fand ja nicht im luftleeren Raum statt.

00:02:59: das war eine unfassbar brutale Zeit.

00:03:01: Richtig

00:03:02: Wir überspringen jetzt auch mal die ganzen Schulbuchbasics.

00:03:05: also wer damals auf Wessenseite stand Das wissen wir grob.

00:03:08: Katholiken gegen Protestanten Lassen stattdessen direkt in den Schlamm und das Blutspring?

00:03:13: Das klingt düster

00:03:15: Ist es auch?

00:03:16: unser erster Fokus liegt auf Tilly Ein Mann, den sie Den Mönch in Rüstung nannten.

00:03:22: Von Jesuiten erzogen Kommandeur der Heere der katholischen Liga und jemand der diese berüchtigte spanische Terziotaktik meisterhaft anwandte.

00:03:32: Wir reden hier von gigantischem fast undurchdringlichen Blöcken aus Tausenden von Pekingieren und Musketieren – eine langsame mechanische Walze der Zerstörung!

00:03:43: Das führt uns direkt zum April,

00:03:47: armen.

00:03:49: Und wenn man sich die Quellen ansieht merkt man das hatte nichts mit glorreichen Taktiken oder so zu tun.

00:03:56: Das war ein industrielles Gemetzel.

00:03:59: Ein Gemetzl dass am Ende durch einen einzigen winzigen Funken entschieden wurde.

00:04:04: wir sprechen davon über fünf tausend Toten an einem einzigen Nachmittag.

00:04:08: Wahnsinn!

00:04:09: Tilly's Armee prallte auf die Truppen des Markrafen von Badendorlach.

00:04:13: Und die Protestanten hatten sich extrem clever verschanzt in einer massiven Wagenburg, ihre Artillerie war wirklich gefährlich positioniert.

00:04:23: Rein taktisch also aus militärischer Sicht hätte Tilly sich an dieser Verteidigung eigentlich die Zähne ausbeißen müssen.

00:04:30: und dann passiert etwas.

00:04:31: das dass keine Militärakademie der Welt plan kann.

00:04:34: ja Ein klassischer schwarzer Schwan.

00:04:37: Ein verirrter Schuss trifft den zentralen Munitionswagen der Protestanten.

00:04:42: Stell dir das mal vor, du stehst da in einer extrem dicht gedrängten Formation die Luft des voller Schwarzpulver rauch Du hörst ohnehin schon kaum etwas Und plötzlich zerreißt eine orenbetäumende Detonation das Zentrum deiner eigenen Linien.

00:04:58: Das ist kein strategischer Schachzug des Gegners.

00:05:00: Das ist als würde man in einem komplett überfüllten, verriegelten Stadion eine Bombe zünden.

00:05:07: dieses einen explodierenden Wagens, die beschränkten sich halt nicht nur auf diesen Nachmittag.

00:05:12: Wenn solche riesigen Heere durch das Land zogen hinterließen sie eine unglaubliche Spur der Verwüstung.

00:05:18: Stimmt!

00:05:18: Die mussten sich ja ernähren.

00:05:20: Genau.

00:05:20: Die Quellen zeigen dass am Beispiel des Herzogtums Württemberg extrem plastisch die Bevölkerung dort ähm...die Schrumpfte von etwa dreihundertfünfzigtausend Menschen auf knapp hundertzwanzig tausend.

00:05:30: Bitte

00:05:32: zwei Drittel

00:05:33: Ja fast zwei Drittel der Bevölkerung wurden einfach ausgelöscht.

00:05:37: Durch direkte Kampfhandlungen natürlich, aber vor allem eben durch den Hunger und die Seuchen, die diese gigantischen heuschreckenartigen Heere mit sich brachen.

00:05:44: Diese unglaubliche Vernichtung bringt nicht direkt zu Tillys berüchtigstem Moment – und zwar die Zerstörung Magdeburgs.

00:05:54: Ein sehr dunkles Kapitel.

00:05:55: Eine Stadt mit twenty-fünftausend Einwohnern wird gestürmt und am Ende sind zwanzigtausende Menschen tot.

00:06:01: Die Stadt existiert quasi nicht mehr, sie ist ein lisiger Ascherhaufen!

00:06:05: Und da muss ich dich jetzt echt mal herausfordern weil die protestantischen Flugblätter haben Tilly danach als das ultimative Monster als blutrünstigen Dämonen gezeichnet.

00:06:14: War er das?

00:06:15: Das ist eine sehr gute Frage.

00:06:17: Oder bewerten wir hier einfach die grausame eiskalte Mathematik der damaligen Belagungskriegsführung?

00:06:23: völlig falsch

00:06:24: Also, die historische Forschung bewertet das heute sehr differenziert völlig abgelöst von den damaligen Flugplättern.

00:06:31: Es ist bis heute nicht nachweisbar dass Tilly diesen Brand überhaupt befohlen hat.

00:06:35: Okay krass!

00:06:37: Strategisch war ein Ascherhaufen für ihn nämlich völlig wertlos.

00:06:41: Er brauchte Magdeburg dringend als intaktes Versorgungszentrum für den kommenden Winter.

00:06:45: er hatte sogar mehrfach die Kapitulation angeboten.

00:06:48: Warum ist es dann so eskaliert?

00:06:50: Was in Magdeborg passierte war ein massiver Kontrollverlust.

00:06:54: Papenheims Truppen brachen durch die Mauern und ab da galten halt die brutalen, ungeschriebenen Gesetze der Söldner.

00:07:01: Eine Stadt, die nicht kapituliert und dann im Sturm genommen wird, die ist zur Plünderung

00:07:05: freigegeben.".

00:07:06: Aber – und das ist der Punkt!

00:07:08: Er hat es anschließend propagandistisch komplett ausgeschlachtet.

00:07:12: Er schrieb an den Kaiser «Es sei ein Sieg gewesen wie der Fall von Troja oder Jerusalem».

00:07:17: Ja, das hatte er.

00:07:18: Das ist ja keine Entschuldigung für einen Kontrollverlust.

00:07:21: Dass es eiskalte PR-Für die eigenen Reihen!

00:07:25: Er deklariert ein Massaker kurzerhand zum göttlichen Triumph um.

00:07:28: Er versuchte eben aus einer strategischen Katastrophe, denn der Verlust des Versorgungslagers war eine ideologische Siegesmeldung zu formen.

00:07:37: Doch auf der gegnerischen Seite explodierte die Medienmaschine regelrecht.

00:07:41: Magdeburg wurde zum ultimativen Schlachtruf

00:07:44: oder?

00:07:44: Absolut Magdeburg wurde das Symbol der Protestanten.

00:07:49: Tillis Gesicht wurde in unzähligen Flugschriften europaweit zum Gesicht der katholischen Tyranei stilisiert.

00:07:55: Er war quasi der Bösewicht schlechthin!

00:07:57: Genau.

00:07:58: und als er später bei Breitenfeld verlohr, kannte der mediale Spott gar keine Grenzen mehr.

00:08:04: Es war das personifizierte Feindbild einfach überall präsent.

00:08:08: Gut, wir haben hier also Tilly der von der gegnerischen Presse regelrecht zerrissen und als mediales Aushängeschild benutzt wird.

00:08:16: Und genau da stoßen wir in unseren Quellen auf einen enormen Widerspruch den ich anfangs kaum glauben konnte.

00:08:24: Wenn Tilly ununterbrochen durch den Dreck der Druckerpressen gezogen wurde Wo war dann bitte schön Albrecht von Wallenstein?

00:08:32: Eine sehr spannende Personalie.

00:08:34: Der Mann war der Generalissimus, der wichtigste und mächtigste Feldherd des Kaisers.

00:08:40: Ein militärisches Genie, der halb Europa unter seiner Kontrolle hatte.

00:08:45: Aber laut der Untersuchung von Schopp war er in der damaligen Medienlandschaft ein absoluter Geist!

00:08:54: Wer heute nach heldenhaften Porträts, Lobliedern oder selbst nach feindlichen Schmähschriften über Wallenstein vor dem Jahr sechzehnhundertvierunddreißig sucht, der findet fast nichts.

00:09:04: Nichts

00:09:05: gar nix!

00:09:06: Fast nichts... Die wenigen existierenden Druckwerke sind rein bürokratischer Natur.

00:09:11: Es sind Mandate, trockene Aufforderungen Steuern die sogenannten Kontributionen einzutreiben Oder Befehle zur Aufrechterhaltung der Disziplin unter seinen Söldnern.

00:09:20: Das ist doch völlig absurd.

00:09:22: Van Stein fand als schillernde Person der Zeitgeschichte medial schlichtweg nicht statt.

00:09:27: Lass uns das mal auseinandernehmen!

00:09:29: Das ist ja, als hätten wir heute einen Tech-Milliardär der im Hintergrund die globalen Logistik und Datenströme kontrolliert, komplette Regierungen finanziert sich aber weigert auch nur einen einzigen Social Media Account anzulegen.

00:09:42: Ja interessanter Vergleich!

00:09:44: Er gibt keine Interviews er inszeniert sich null, er schickt nun ab und zu mal eine juristisch einwandfreie knochentrockene Pressemitteilung über neue Nutzungsbedingungen raus weil er halt glaubt das echte Macht in der Tabellenkalkulation und den Lieferketten liegt Nicht in der PR.

00:10:00: Die Analogie trifft Wallensteins Selbstverständnis extrem gut.

00:10:04: Er sah sich als Kriegsunternehmer, ihn interessierte Effizienz nicht was die Leute dachten.

00:10:09: Einfach Business!

00:10:10: Genau ein Heer von hunderttausend Mann zu finanzieren und zu ernähren war eine logistische Meisterleistung kein Beliebtheitswettbewerb.

00:10:18: er verachtete die öffentliche Meinung zutiefst.

00:10:22: Aber ähm...die öffentliche Meinungen interessierte sich natürlich trotzdem für ihn.

00:10:26: wenn er dann doch mal in den Flugblättern auftauchte dann auf eine Art und Weise, die ihn komplett dekonstruierte.

00:10:32: Oh ja!

00:10:33: Da gab es dieses seltsame Blatt aus dem Jahr sixteenhundertundzwanzig über eine Himmelserscheinung – Eine sogenannte Nebensonne.

00:10:41: Und das war keine astronomische Aufzeichnung Das war ein gezielter Angriff auf ihn

00:10:46: Ein meisterhafter Angriff durch subtile Satire.

00:10:49: Die Illustration auf diesem Flugblatt zeigte diese Nebensonne Aber der Text verglicht die Himmelterscheinungen ganz direkt mit einem Esel oder Büffelkopf, der eine Krone trug

00:10:58: Ein Esel mit Krone.

00:11:00: Das ist nichts anderes als ein Meme, ein Miem des siebzehnten Jahrhunderts das sich über Wallensteins beispiellosen sozialen Aufstieg lustig

00:11:09: macht.".

00:11:09: Ganz genau!

00:11:10: Vom niederen böhmischen Adel hinauf in den Reichsfürsten stand, dass empfanden viele selbst auf katholischer Seite als unfassbare Anmaßung.

00:11:21: und dann haben wir noch dieses Flugblatt das wallensteinische Gelächter.

00:11:25: Das ist ein hervorragendes Beispiel für mediale Instrumentalisierung.

00:11:30: Erklär das mal

00:11:31: kurz!

00:11:44: Wobei man da ja den doppelten Boden sehen muss.

00:11:48: Das Flugblatt tut so, als ging es um Wallenstein!

00:11:51: Aber eigentlich ist Wallenstein nur das rhetorische Werkzeug der Protestanten, um Tilly's Niederlage noch tiefer in den Dreck zu ziehen.

00:11:59: Richtig.

00:12:00: Nach dem Motto – sogar euer eigener und ungenade Gefallener General lacht sich über eure Inkompetenz kaputt Und Wallenstain steuert dieses Image überhaupt nicht.

00:12:11: Er lässt es einfach geschehen.

00:12:13: Und genau diese Verweigerungshaltung, dieser absolute mediale Unsichtbarkeit hat ihm am Ende das Genick gebrochen.

00:12:20: Weil er sich nicht gewährt hat?

00:12:21: Er

00:12:21: hatte kein eigenes Narrativ aufgebaut – da war niemand der seine Version der Geschichte erzählte!

00:12:27: Als Herr Kaiser in Wien dann beschloss dass dieser Generalissimus zu eigenmächtig, zu teuer und potenziell gefährlich geworden war.

00:12:34: viel Wallensteins Bodenlose.

00:12:36: Er stand völlig nackt

00:12:37: da!

00:12:38: Er hatte einfach keine publizistische Basis, um sich zu verteidigen oder auch nur Zweifel an den Vorwürfen des Kaisers

00:12:43: zu sehen.

00:12:44: Und so landen wir beim twenty-fünfsten Februar sechzehnhundertvierunddreißig in der Stadt Eger.

00:12:50: Wallenstein wurde ja kurz zuvor vom Kaiser abgesetzt und geächtet.

00:12:55: In dieser Nacht dringen kaiserliche Offiziere irische unschottische Söldner in sein Schlafzimmer ein und ermorden ihn mit einer Partisaner.

00:13:05: Ein brutaler, blutiger Auftragsmord.

00:13:09: Und plötzlich explodiert alles!

00:13:11: Die Medienlandschaft kippt...

00:13:13: ...die Druckerpressen in ganz Europa laufen heiß, ein Mann der jahrelang in den Medien quasi nicht existierte wird über Nacht zur größten Nachricht des Jahrhunderts und die Dynamik, die sich dann entfaltet ist komplett paradox.

00:13:27: Inwiefern?

00:13:28: Ich meine, korrigier mich wenn ich falsch liege.

00:13:31: Aber es sind plötzlich ausgerechnet die Protestanten?

00:13:34: Also die Seite, die er jahrelang militärisch in den Boden gestampft hat, die anfangen ihn als Helden zu stilisieren.

00:13:41: Deine Beobachtung ist völlig korrekt und das offenbart wirklich die Skrupellosigkeit der damaligen Medienlandschaft.

00:13:48: Erklär das mal!

00:13:49: Wannenstein hatte... ...sechzehntunddreiunddreißig eigenmächtig geheime Friedensgespreche geführt.

00:13:56: Nach seiner Ermordung griffen protestantische Publizisten, vor allem schwedische und kursexische Autoren genau diese Tatsache auf.

00:14:06: Sie formten daraus ein komplett neues Narrativ.

00:14:09: Wallenstein war plötzlich kein Verräter mehr sondern ein aufrichtiger Friedensstifter der diesem endlosen Gemetzel einen Ende setzen wollte.

00:14:17: Und der Kaiser?

00:14:18: Der ließ diesen ehrenhaften Mann heimtückisch ermorden um den Krieg einfach weiterzuführen!

00:14:25: Das ist ein genialer Schachzug der Protestanten.

00:14:27: Es geht den ja überhaupt nicht darum, Wallensteins Andenken zu ehren oder?

00:14:31: Nein absolut nicht!

00:14:33: Sie nutzen seinen Leichnam einfach als PR-Waffe um Kaiser Ferdinand

00:14:37: II.,

00:14:37: als blutrünstigen undankbaren Tyrannen nahzustellen.

00:14:41: sie delegitimieren den Kaiser vor ganz Europa

00:14:44: Und sie trafen damit einen extrem wunden Punkt.

00:14:47: Der Wienerhof geriet in massive Erklärungsnot.

00:14:49: es sah halt furchtbar aus.

00:14:51: Man ermordet den erfolgreichsten General ohne Prozess und konfistiert sofort seine gigantischen Ländereien, um sie unter den Mördern aufzuteilen.

00:15:00: Ja das sieht nicht nach Gerechtigkeit aus!

00:15:02: Das roch fieh jeden Beobachter nach simpler brutaler Habgier.

00:15:06: Okay, hier muss ich wirklich mal einhaken und ein bisschen dumm fragen.

00:15:08: Weil mir das einfach nicht einleuchtet!

00:15:11: Wir befinden uns im frühen siebzehnten Jahrhundert.

00:15:14: Ja Der Absolutismus wirft seine Schatten voraus.

00:15:17: der Kaiser des heiligen römischen Reiches leitet seine Macht direkt von Gott ab.

00:15:21: Warum juckt es ihn überhaupt was irgendwelche Flugblätter in Sachsen über ihn schreiben?

00:15:26: Das ist eine sehr berechtigte Frage.

00:15:28: Er hätte doch einfach sagen können... Ende der verdammten Diskussion.

00:15:36: Warum muss er sich vor einer Öffentlichkeit rechtfertigen, die zu, keine Ahnung, achtzig Prozent aus Analverbeten besteht?

00:15:44: Es raises an important question wie man so schön sagt weil das Machtgefüge sich fundamental verschoben hatte und dass es vielleicht die wichtigste Erkenntnis aus unseren Quellen physische Gewalt reichte nicht mehr aus um Herrschaft zu sichern.

00:15:59: wegen der Flugblätter

00:16:00: ja Und du erwähnst die Analphabeten.

00:16:03: Das ist ein weit verbreiteter Irrtum, wenn wir uns ansehen wie diese Medien damals funktionierten.

00:16:09: Man brauchte nicht lesen zu können um die Nachricht zu konsumieren

00:16:13: Echt?

00:16:14: Nicht?!

00:16:14: Wie hat sich das Zeug dann verbreitet?

00:16:17: Sind da Marktschreier rumgezogen?

00:16:19: Flugblätter waren ein kommunales Erlebnis.

00:16:22: Stell dir vor Ein Händler kaufte einen Stapel in Leipzig Reiste in ein kleines Dorf und verkaufte sie dort Abends.

00:16:29: im Wirtshaus stand dann der Pfarrer, der Schulmeister oder der Schultais auf und las den Text laut vor.

00:16:36: Alle im Raum hörten zu.

00:16:38: Dazu kamen noch die drastischen Holzschnitte, die direkte visuelle Botschaften vermittelten.

00:16:43: Ah!

00:16:44: Wie bei Comics quasi?

00:16:45: Genau Und am nächsten Tag debattierten die Menschen auf dem Markt darüber.

00:16:50: Informationen wurden mündlich extrem schnell weitergetragen.

00:16:54: Wenn der Kaiser also das Narrativverlohr verlor er die Loyalität ganzer Städte, die Motivation der Truppen und – ganz wichtig!

00:17:01: – die finanzielle Unterstützung der Reichsstände.

00:17:03: Das erklärt natürlich auch warum die Protestanten diesen Medienmarkt so absolut dominiert haben.

00:17:09: Die hatten nicht nur die Infrastruktur also die großen Druckzentren und die schnellen Postrouten in den Handelsstädten sondern sie hatten die kulturelle DNA dafür.

00:17:18: Richtig

00:17:19: durch die Reformation.

00:17:20: Seit Luther war die protestantische Kultur ja darauf ausgelegt zu debattieren.

00:17:26: Das Priestatum aller Gläubigen bedeutete, dass jeder das Recht hatte, theologische und politische Texte zu interpretieren.

00:17:33: Die Leute waren seit über hundert Jahren darauf trainiert, Flugschriften zu konsumieren und sich eine eigene Meinung zu bilden.

00:17:40: Ganz im scharfen Gegensatz zur katholischen Seite – dort herrschte traditionell die Kultur der sogenannten Arkanpolitik.

00:17:46: Arkan-Politik?

00:17:48: Das ist die Politik der Geheimhaltung!

00:17:50: Man war der festen Überzeugung, dass komplexe politische oder theologisch Entscheidungen ausschließlich hinter verschlossenen Türen verhandelt werden sollten.

00:17:59: Durch eine kleine Elite aus Fürsten, Jesuiten und Hofjuristen

00:18:03: Und die breite Masse?

00:18:04: Die breite Öffentlichkeit hatte da schlichtweg nichts mitzureden.

00:18:07: Du wenn man das mal auf heute überträgt.

00:18:10: Das ist exakt das Verhalten eines traditionellen starren Großkonzerns Der versucht ein Skandal durch Schweigen und intern geschlossene Tüeren auszusitzen.

00:18:21: Ein sehr treffendes Bild

00:18:22: Während draußen Whistleblower, Aktivisten und Konkurrenten das Internet längst mit viralen Videos und Leaks fluten.

00:18:30: Die Katholiken versuchten da ein geschlossenes elitäre System in einer Welt aufrecht zu erhalten die längst in eine Art Open Source-Informationskrieg übergegangen war.

00:18:40: Sie wurden schlichtweg überrollt!

00:18:43: Die mussten auf diesen fahrenden Zug aufspringen ob sie wollten oder nicht um das Image des Kaisers vor dem totalen Ruin zu bewahren.

00:18:51: Und dieser Sprung auf den fahrenden Zug der Massenmedien war wirklich beispiellos.

00:18:56: Der Wiener Hof startete eine gigantische Rechtfertigungskampagne, sie publizierten offizielle Schriften wie die Apologia oder ein Werk namens Chaos in denen angebliche Beweise für Wallensteins Verrat minutiös dargelegt wurden.

00:19:09: Hat das funktioniert?

00:19:12: Eher weniger!

00:19:13: Sie merkten sehr schnell dass juristische Argumente nicht reichten um die Emotionen der Messen zu lenken also griffen sie zu deutlich drastischeren Mitteln.

00:19:21: Ein herausragendes Beispiel aus unseren Quellen ist das Pamphlet mit dem Titel Walsteinivus Herodes.

00:19:38: Der

00:19:38: Text ist ein Meisterwerk der Polemik, er verdichtet Wallensteins komplexes Leben zu einem lateinischen Gedicht dessen Essenz man ungefähr so übersetzen kann.

00:19:48: Er trat auf die Bühne wie ein Fuchs, herrschte stolz wie einen Pfau, lebte grausam wie ein Tiger, war im Felde furchtsam wie eine Hase, dankbar wie ein Kuckuck der fremde Nester besetzt und er starb wie ein Hund.

00:20:02: Wow!

00:20:04: Lebte wie ein Tiger, starb als ein Hund?

00:20:07: Das ist sein Slogan, der sich sofort in die Köpfe brennt – das ist brillantes Copywriting!

00:20:12: Definitiv.

00:20:13: Der Kaiser hat also effektiv ein ganzes Heer von Autoren bezahlt, um den Charakter seines toten Ex-Generals Postum systematisch zu ermorden.

00:20:23: Damit sein eigener Heiligenschein keine Kratzer bekommt!

00:20:37: Pflanzen das Bild des grupellosen, tyrannischen Verräters so tief in das kollektive Bewusstsein ein, dass spätere Chronisten und Historiker diese Flugblätter oft völlig ungeprüft als Tatsachenberichte übernahmen.

00:20:49: Moment!

00:20:49: Das bedeutet dieses ganze Mysterium um Wallenstein?

00:20:55: düstere, zerrissene Persönlichkeit.

00:20:57: das ewige Rätsel Wallenstein über das wir heute noch in Geschichtsbüchern lesen oder was Schiller in seinen Dramen verarbeitet hat.

00:21:05: Ist – in großen Teilen nichts anderes als das direkte Resultat einer massiven Propagandaschlacht.

00:21:11: Krass!

00:21:12: Wallensteins historisches Bild an das wir uns heute erinnern gründet nicht primär auf seine tatsächlichen Taten oder seinem Charakter zu Lebzeiten sondern auf den Texten die publiziert wurden um seinen Mord im Nachhinein zurechtfertigen.

00:21:25: Er wurde erst durch die Medienkrise um seinen Tod zu dieser überlebensgroßen polarisierenden historischen Figur.

00:21:52: Meine war parallel dazu einer der ersten, ganz großen systematischen Informationskriege der Weltgeschichte.

00:21:58: Tilly, der eigentlich ein fähiger Taktiker war, wurde medial zum blutrünstigen Dämon geformt und Wallenstein, der eiskalte Logistiker – der PR-Verabscheute – wurde nach seinem Tod von seinen Feinden zum Friedensengel stilisiert und von seinem eigenen Kaiser als tollwütiger Hund gebrannt.

00:22:15: markt

00:22:15: Es war ein Krieg bei dem die Druckerpresse am Ende genauso wichtig war wie die Muskeete.

00:22:20: Das Schlachtfeld bestimmte wer an diesem Tag lebte oder starb.

00:22:24: Aber die Druckerpresse bestimmte, an wem man sich Jahrhunderte später noch erinnerte und vor allem

00:22:28: wie?

00:22:29: Wenn du heute nach dieser Analyse dein Smartphone in die Hand nimmst und die Nachrichten durchskrollst ein virales Video siehst oder eine hitzige politische Debatte verfolgst behalte diesen Gedanken mal im Kopf.

00:22:42: Wer kontrolliert eigentlich gerade die Druckabresse?

00:22:45: Sehr wichtiger Gedanke

00:22:46: Denn ein Ereignis wird extrem selten einfach von selbst zu einem weltweiten Medienphänomen.

00:22:52: Es wird fast immer von jemandem dazu gemacht, weil ein klares oft verborgenes Motiv dahinter steckt.

00:22:59: Die Infrastruktur hat sich seit dem siebzehnten Jahrhundert vielleicht verändert aber die psychologischen Mechanismen sind exakt dieselben geblieben.

00:23:07: Was uns zu einer finalen durchaus unbequemen Frage führt wenn wir auf unser Geschichtsverständnis blicken?

00:23:14: Wenn das gesamte historische Profil von Albrecht von Wallenstein, also dieser ikonischen rätselhaften Figur unserer Vergangenheit im Grunde nur das künstliche Nebenprodukt einer völlig außer Kontrolle geratenen PR-Krise im siebzehnten Jahrhundert ist?

00:23:29: Dann brückelt das Fundament von so ziemlich allem was wir zu Wissen glauben.

00:23:34: Ganz genau!

00:23:35: Welche berühmten Helden, welche visionären Staatsmänner oder auch welche abgrundtief bösen Schurken die wir heute in den Lehrplänen unserer Schulen finden existierten in der Realität vielleicht überhaupt nicht so wie wir sie uns vorstellen.

00:23:50: Wie viele unserer historischen Gewissheiten sind in Wahrheit nichts weiter als das verbliebene Echo einer extrem erfolgreichen aber längst vergessenen Flugblatt Kampagne?

00:23:59: Die von den Gewinnern orchestriert wurde?

00:24:01: Wir gehen immer davon aus, die Geschichte sei ein klares Buch.

00:24:05: Aber vielleicht lesen wir gar nicht die Ereignisse selbst sondern nur die Pressemitteilungen derjenigen, die damals das meiste Geld für Papier und Tinte hatten!

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