Ein Architekt des Friedens?
Shownotes
Diese Episode untersucht die politische und religiöse Dynamik des Heiligen Römischen Reiches im Umfeld des Dreißigjährigen Krieges. Ein wesentlicher Fokus liegt auf der Gründung der protestantischen Union und der katholischen Liga sowie der Frage, ob diese Bündnisse den großen Konflikt unausweichlich machten. Besonderes Augenmerk gilt der Rolle Bayerns unter Kurfürst Maximilian I., der durch Verwaltungsreformen und geschickte Diplomatie die Position seines Landes stärkte. Wir dokumentieren zudem die Entstehung des Westfälischen Friedens von 1648 und dessen Bedeutung für das moderne europäische Völkerrecht. Ein weiterer Aspekt ist die wissenschaftliche Aufarbeitung historischer Korrespondenzen, die tiefe Einblicke in den diplomatischen Alltag jener Ära gewähren. Damit bieten die Quellen eine umfassende Analyse von den Ursachen des Krieges bis hin zur Grundlegung einer neuen europäischen Friedensordnung.
Musik: BackgroundMusicLab|Reanissance Riverie|Pixabay Bild: ChatGPT
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00:00:00: Der nachfolgende Beitrag wurde mithilfe künstlicher Intelligenz erstellt.
00:00:12: Du
00:00:22: hast die Armeen finanziert.
00:00:24: Genau, du hast viel mächtigeren Herrschern quasi die Bedingungen diktiert und du hast maßgeblich die Regeln dafür erfunden wie man nach drei Jahrzehnten apokalyptischer Gewalt überhaupt ein Frieden schließt.
00:00:34: Also du bist sozusagen der absolute Architekt des Überlebens
00:00:38: Richtig!
00:00:39: Und was passiert dann?
00:00:40: Die Historiker der späteren Jahrhunderte streichen dich einfach aus der Hauptgeschichte
00:00:44: Einfach nur weil du nicht in ihre politische Agenda passt.
00:00:49: Und genau das ist das Schicksal von Kurfürst Maximilian, dem Ersten von Bayern.
00:00:55: Das zeigt uns etwas extrem Unbequemes finde
00:00:58: ich.
00:00:58: Ja absolut!
00:00:59: Dass Geschichte eben nicht einfach das ist was in der Vergangenheit passiert ist sondern dass was jemand aufschreiben wollte.
00:01:05: Willkommen zu unserer heutigen sehr ausführlichen Analyse.
00:01:09: Wir haben uns für dich heute einen echten Berg an Material vorgenommen.
00:01:13: Ja, von Studien der Bayerischen Akademie der Wissenschaften bis hin zu archäologischen Museumsüberblicken ist alles dabei.
00:01:21: Unsere Mission für dich heute ist nämlich wir schauen uns nicht an wer an welchem Datum auf welchem Schlachtfeld
00:01:26: stand?
00:01:27: Nee das wäre zu trocken!
00:01:28: Genau Wir wollen die Mechanik hinter dem dreißigjährigen Krieg verstehen also wie eskaliert ein ganzer Kontinent?
00:01:36: Wie erfindet man aus dem nichts die moderne Diplomatie?
00:01:40: und Wer dreht im nachhinein an der Erzählung?
00:01:42: Um diese Eskalation zu begreifen, müssen wir aber erst mal einen riesigen Mythos abräumen.
00:01:47: Okay, schieß los!
00:01:48: Also wenn wir auf die Jahre vor dem Kriegsausbruch-Sechzehn-Achzehn schauen sehen wir immer zwei große Blöcke ja?
00:01:54: Die protestantische Union von Sechzehundertacht und die katholische Liga von Sechszehundertneun.
00:02:00: Ja in der Rückschau wirkt das immer so wie ein... Unvermeidlicher Countdown, oder?
00:02:05: Als hätten sich da zwei schwer bewaffnete Lager gebildet die nur darauf warten übereinander herzufallen.
00:02:11: Genauso wird es oft dargestellt.
00:02:13: Aber wenn man die Verträge aus dieser Zeit liest, etwa den Gründungsvertrag der Union von Augshausen, dann klingt das völlig anders.
00:02:21: Da steht
00:02:21: nämlich gar nichts von einem heiligen Krieg gegen die andere Konfession?
00:02:24: Richtig!
00:02:25: Da geht es um die Sorge ums Vaterland – um die Wahrung des Landfriedens.
00:02:29: Also wenn ich das richtig verstehe waren das keine Angriffsallianzen sondern eher eine Art verzweifelte Nachbarschaftswache.
00:02:36: Der Begriff Nachbarsschaftswache trifft es da wirklich beängstigend gut.
00:02:41: Das Stichwort für dieses Phänomen in der Forschung lautet Subsidiarität.
00:02:45: Und das bedeutet?
00:02:46: Das
00:02:46: bedeutet, schlicht wenn die übergeordnete Instanz versagt muss die kleinere Einheit die Aufgaben übernehmen und das heilige Rhymische Reich war zu diesem Zeitpunkt institutionell komplett gelähmt!
00:03:00: Weil die Gerichte blockiert waren.
00:03:01: Ja,
00:03:02: das Reichskammergericht also die höchste juristische Instanz war durch diese ständigen konfessionellen Streitereien blockiert.
00:03:10: Der Kaiserhof in Wien war politisch absolut handlungsunfähig.
00:03:14: Also die Polizei geht quasi nicht mehr ans Telefon?
00:03:16: Ganz genau!
00:03:17: Und was machst du dann wenn Du ein Fürst bist und es keinen funktionierenden Rechtsstaat mehr gibt der Deine Grenzen schützt?
00:03:23: Man
00:03:23: sucht sich Verbündete.
00:03:24: Exakt!
00:03:25: Du organisierst deine eigene Verteidigung.
00:03:28: Diese Bündnisse waren Wirklich Instrumente der Friedenssicherung in einem kollabierenden System.
00:03:33: Der Krieg war also zu diesem Zeitpunkt noch gar nicht alternativ los?
00:03:36: Überhaupt
00:03:36: nicht!
00:03:37: Es war eigentlich der Versuch ihn zu verhindern.
00:03:40: Lass uns dann mal auf den Mechanismus der Eskalationsschauen, wenn alle eigentlich nur ihr Territorium absichern wollten.
00:03:49: Wie explodiert das Ganze denn trotzdem So extrem.
00:03:53: Durch eine fatale Kettenreaktion von unvorhersehbaren Ereignissen, den berühmten Funken liefert ja der Prager Fensterstort.
00:04:02: Ahja wo die böhmischen Adligen die Stadthalter des katholischen Kaisers aus dem Fenster werfen.
00:04:07: Genau und daraufhin wählen diese Böhmen dann den kalvinistischen Kurfürsten von der Pfalz zu ihrem König, den sogenannten Winterkönig.
00:04:15: Was ja Hochverrat am Kaiser war?
00:04:17: Absoluter
00:04:17: Hochverat!
00:04:18: Und genau an diesem Punkt betritt Maximilian von Bayern die große Bühne.
00:04:23: Der bekommt nämlich vom Kaiser den Auftrag diesen Aufstand niederzuschlagen
00:04:27: Und er vernichtet die Truppen des Winterkönigs dann, in der Schlacht am Weißen Berg ja völlig.
00:04:33: Ja und das war für Bayern ein massiver Hebel.
00:04:36: Maximilian bekommt dafür, die Kurwürde darf also plötzlich den Kaiser mitwählen!
00:04:42: Aber
00:04:43: das Feuer war damit nicht aus?
00:04:44: Das Griff er erst richtig um sich.
00:04:46: Richtig... Die kaiserlichen und bayerischen Truppen drängen immer weiter nach Norden.
00:04:51: Dann haben wir diesen grausamen Kipppunkt Die Zerstörung von Magdeburg, arbeitungslos durch den Liga-Feld heran Tilly.
00:04:59: Eine absolute Apokalypse!
00:05:01: Da haben von knapp zwanzigtausend Einwohnern nur ein paar Hundert überlebt.
00:05:05: Ja unvorstellbar.
00:05:07: und das ist der Moment in dem der schwedische König Gustav Adolf als scheinbarer Retter der Protestanten auf dem Kontinent landet.
00:05:15: Aber
00:05:15: du meintest vorhin da müssen wir aufpassen?
00:05:19: Magdeburg, die psychologische Kriegsführung komplett verändert hat.
00:05:24: Es wurde zum ultimativen Propaganda-Werkzeug der protestantischen Seite.
00:05:28: Die Erzählung vom reinen Religionskrieg hält aber einer genauen Quellenprüfung gar nicht stand.
00:05:34: Da muss ich jetzt sofort mal reingereden.
00:05:36: Das ist doch das erste was man in der Schule lernt.
00:05:39: Protestanten gegen Katholiken
00:05:42: Das lernt man ja.
00:05:43: Aber es stimmt so einfach nicht.
00:05:44: Weil in den Dokumenten über die Finanzströme des Krieges taucht Absurder Widerspruch auf.
00:05:50: Die strengen katholischen Franzosen, also genauer gesagt Kardinal Richelieu...
00:05:54: Richtig!
00:05:55: ...die finanzieren massiv die schwedischen und protestantischen Armeen.
00:05:58: Warum um alles in der Welt sollte ein katholischer Kardinal einen angeblich heiligen katholicen Krieg torpedoidieren?
00:06:04: Eben
00:06:05: weil Religion in weiten Teilen nur das Etikett für das Fußvolk war.
00:06:09: Auf der Ebene der Herrscher ging es um ein knallhartes geopolitisches Schachspiel
00:06:14: Also Frankreich gegen die Habsburger.
00:06:16: Genau Frankreich fühlte sich von den Habsburgern umzingelt, Spanien im Süden das heiliger römische Reich im Osten.
00:06:24: Richelius' Ziel war es einfach diese Umklammerung zu sprengen
00:06:27: und dafür war ihm dann jeder verbündete Recht
00:06:30: völlig unabhängig von der Konfession ja?
00:06:33: Und Schweden wiederum wollte die absolute Hegemonie über den Ostseeraum.
00:06:37: Die haben das Chaos im Reich einfach für eine massive Expansion genutzt.
00:06:41: Wahnsinn!
00:06:42: Das zersprengt natürlich komplett diese Vorstellung von zwei einheitlichen Blöcken.
00:06:47: Selbst intern waren die ja völlig zerstritten, oder?
00:06:49: Enorm zerstritten.
00:06:51: In der protestantischen Union haben sich Lutheraner und Kalvinisten zeitweise mehr gehasst als den katholischen Feind weil
00:06:58: sie sich gegenseitig als Ketzer gesehen haben
00:07:00: Genau!
00:07:01: Und auf der anderen Seite in der katholischen Liga versuchten die kleineren schwäbischen Fürsten- und Prilaten ununterbrochen sich aus der Dominanz von Maximilian von Bayern zu befreien.
00:07:14: Jeder hat gegen jeden gespielt.
00:07:16: Und das fast ausschließlich auf deutschen Boden?
00:07:19: Aber mal ehrlich, wenn man als so ein mittelgroßer Player wie das Herzogtum Bayern damals in einem mörderischen europäischen Battle-Royale steckt, da müsste man doch eigentlich zerrieben werden.
00:07:29: Müsste man ja!
00:07:30: Da dass das nicht passierte lag an einer fast schon skurrilen Charaktereigenschaft von Kurfürst Maximilian.
00:07:37: Die Quellen zeichnen ja das Bild eines extremen Asketen Kann
00:07:40: man so sagen... Maximilian übernahm fünftzehnhundertundneunzig ein Land, das durch seinen Vater quasi Bankrott war.
00:07:48: Und er hat dann den gesamten Staat mit eisernem Willen reformiert.
00:07:52: Er
00:07:52: schuf Jahr sechzehntundertsechzehn auch den Kodex Maximilian aus.
00:07:56: Genau!
00:07:56: Ein modernes einheitliches Rechtssystem.
00:07:59: Er beförderte Beamte nach Leistung nicht nach adeligem Stammbaum.
00:08:03: Sein Leitbild war dieser Satz Alice Lucendo, Consumer in dem ich anderen Leuchte verzerre Ich mich.
00:08:11: Er sah sich als erster Diener seines Staates.
00:08:14: Richtig, und das lange vor Friedrich dem Großen!
00:08:17: Aber das Faszinierendste an ihm ist ja seine Einstellung zu Geld – einer seiner überlieferten Leitsätze lautet sinngemäß am meisten Geld spart man wenn man gar nichts kauft.
00:08:26: Ja, das ist sein Motto gewesen...
00:08:28: Weißt du, er ist im Grunde wie dieser eine Freund, den man ab und zu hat.
00:08:32: Der kommt nie mit ins Restaurant, der trinkt auf Partys nur Leitungswasser, knausert bei absolut jedem Zent – und zehn Jahre später kauft er sich plötzlich ne Villa in Bar während alle anderen noch ihre Kredite abstottern!
00:08:50: Halb Europa seine Ländereien verfendet hat, um diese Söndener Heere überhaupt bezahlen zu können, hat Maximilian im Geheimen einen unfassbaren Schatz aufgebaut.
00:09:01: Wir sprechen da von fast zwei Millionen Golden oder?
00:09:05: Ja eine gigantische Summe damals!
00:09:07: Aber wie versteckt man denn bitte zwei Millionen golden vor seinen eigenen Beratern
00:09:14: Durch lupenreine Schattenbuchhaltung.
00:09:17: Er hat dieses Vermögen komplett an den offiziellen Hofkammern vorbeigeführt.
00:09:21: Krass!
00:09:22: Er transferierte gewaltige Summen über die Alpen, um sie bei Bankiers in Florenz anzulegen.
00:09:28: Weit weg vom Kriegsgebiet sicher verzinst und sein eigener Hofstaat wusste davon einfach nichts.
00:09:34: Das ist ja keine reine Geizmentalität mehr – das is echt ne geopolitische Überlebensstrategie.
00:09:40: Absolut
00:09:41: Weil in dem Moment, wo der Kaiser in Wien komplett pleite ist aber Truppen braucht steht Maximilian da und bezahlt die Armeen der Liga weitgehend aus der eigenen Tasche.
00:09:50: Und wer zahlt schafft an!
00:09:52: Das ist der entscheidende Mechanismus hier.
00:09:55: Finanzielle Unabhängigkeit war damals die einzige echte Währung der Macht.
00:10:00: Obwohl er dem Kaiser ja eigentlich untergeordnet war.
00:10:03: Theoretisch Ja Kaiser Ferdinand II.
00:10:06: war ja auch deutlich radikaler katholisch, aber weil der Kaiser militärisch auf Bayerns finanzierte Truppen angewiesen war, konnte Maximilian eine eigenständige Politik machen.
00:10:17: Er hat sich quasi die Freiheit erkauft Befehle zu verweigern.
00:10:21: Genau!
00:10:22: Wenn sie bayerischen Interessen schadeten, hat er einfach neuen gesagt.
00:10:26: Und genau diese volle Kriegskasse bringt Bayern dann am Ende an den Tisch, an dem die Geschichte neu geschrieben wird.
00:10:33: Wir springen jetzt mal in die sechzehnhundertvierziger Jahre.
00:10:36: Der Kontinent ist völlig ausgeblutet!
00:10:38: Genau, keiner kann den Krieg mehr militärisch gewinnen.
00:10:42: also entschließt man sich zu etwas völlig neuem dem westfälischen Friedenskongress in Münster und Osnabrück.
00:10:49: Und man muss sich mal klar machen was für ein beispielloser Kraftakt das damals war.
00:10:54: es gab ja überhaupt keine Blaupause für so einen internationalen Kongress.
00:10:58: Da saßen Gesannte aus ganz Europa zusammen.
00:11:01: Ja, und Bayern konnte sich durch seine finanziellen Reserven eben leisten ständige Top-Diplomaten dorthin zu schicken – nämlich Georg Christoph von Hasslangen und Dr.
00:11:11: Johann Adolf Krebs!
00:11:13: Wenn man sich jetzt mal den Artikel der Akademie der Wissenschaften dazu durchliest, bekommt man einen echt bizarren Eindruck vom diplomatischen Alltag damals.
00:11:21: Oh ja das war alles andere als effizient!
00:11:23: Das war ja kein modernes Konferenzzentrum.
00:11:26: die saßen da teilweise monatelang fest und stritten über reine Formalien.
00:11:31: also welcher Gesandte darf mit wie vielen Pferden vorfahren?
00:11:35: Wer muss an der Tür auf wen warten?
00:11:37: Und nebenbei zog ja auch noch die französische Herzogin von Longueville in Münster ein und veranstaltete diese Glamour-Partys,
00:11:47: Warum haben die sich so an diesem Zeremoniell aufgehängt?
00:11:50: Weil das Zeremonell damals kein bloßer Kitsch war, es war das rechtliche Gerüst der Hierarchie.
00:11:56: Wer dem falschen Gesandten den Vortritt liest, ergab damit offiziell zu dass sein eigener Herrscher Rang niedriger war.
00:12:02: Ah!
00:12:02: Das konnte man sich politisch gar nicht leisten.
00:12:04: Niemals.
00:12:06: was aber in Münster fast noch gravierender war, war die Korruption.
00:12:09: Die Friedensverhandlungen dauerten ja Jahre
00:12:12: und die Leute mussten ja von irgendwas leben.
00:12:14: Genau Viele Gesannte, selbst die mächtiger Staaten bekamen von zu Hause keinen Sollt mehr weil die Kassen einfach leer waren.
00:12:22: Der schwedische Hauptgesannte zum Beispiel nahm eiskalt Bestechungsgelder vom Kaiserlichen Hof an.
00:12:29: Krass!
00:12:30: Und das Verrückte daran ist... Die Summe war so groß dass sie in Raten gezahlt werden musste.
00:12:36: Die letzten Raten wurden erst nach dem Friedensschluss fällig.
00:12:39: Bitte Ein Friedensvertrag, der teilweise durch Ratenkredite für Schmiergeld finanziert wird.
00:12:45: Unfassbar!
00:12:46: Aber Maximilian hat er von München aus durchgegriffen oder?
00:12:49: Ja extrem hart.
00:12:51: Er verbot Haslang und Krebs strikt auch nur das allerkleinste Geschenk anzunehmen Und er hat diese Verhandlungen wirklich fast wie ein Mikromanager gesteuert.
00:13:00: Wie ging das denn logistisch?
00:13:02: München ist von Münster Jahrhunderte Kilometer entfernt.
00:13:04: Er hat über Kuriereiter fast täglich mit seinen Leuten kommuniziert und um zu verhindern, dass Spione oder feindliche Truppen die Briefe abfangen, benutzte er aufwendige Geheimschriften...
00:13:17: Also richtige Codes!
00:13:19: Ja, das waren so komplexe Zahlencodes bei denen bestimmte Ziffernblöcke für Namen standen, für Truppenbewegungen oder eben für geheime Verhandlungslinien.
00:13:29: Sie sitzen da in Münster, entschlüsseln Zahlencode lassen sich nicht bestechen und diskutieren überkutschen.
00:13:34: aber wie durchschlägt man denn inhaltlich endlich diesen Knoten?
00:13:39: Das war das größte Problem!
00:13:41: Der Kaiser und die Franzosen hatten ja Forderungen von den sie auf keinen Fall abrücken konnten.
00:13:45: Wenn der einer nachgibt, verliert er sein Gesicht und Potenzial sein Reich.
00:13:48: Wie haben die das gelöst?
00:13:49: Durch ein diplomatisches Werkzeug, dass man Suspension nennt.
00:13:55: Das war der eigentliche intellektuelle Durchbruch.
00:13:58: Suspensation?
00:13:59: Erklär das mal genauer!
00:14:00: Stell
00:14:00: dir vor zwei Partei beanspruchen dieselbe Territorium oder exakt dasselbe Recht.
00:14:06: Normalerweise geht der Krieg dann einfach weiter bis einer aufgibt...
00:14:09: ...oder tot ist.
00:14:10: Genau Bei der Suspension haben die Juristen aber einen Trick angewandt.
00:14:15: Sie haben in den Vertrag geschrieben, dass der rechtliche Anspruch beider Seiten zwar bestehen bleibt, aber die praktische Durchsetzung dieses Anspruchs für unbestimmte Zeit ausgesetzt – also suspendiert wird!
00:14:31: Vertraglichbindendes agree to disagree.
00:14:34: Exakt so hat es funktioniert, man hat diese unlösbaren Konflikte juristisch einfach eingefroren um sich pragmatisch auf die Dinge einigen zu können, die lösbar waren.
00:14:43: Das ist genial.
00:14:45: Ja mit diesem Mechanismus konnte man zum Beispiel die spanischen Habsburger, die unbedingt weiterkämpfen wollten vertraglich von den österreichischen Hab'sburgern isolieren
00:14:54: Und man konnte auch die Kalvinisten offiziell in den Religionsfrieden aufnehmen was ja vorher undenkbar war.
00:15:01: Richtig, es war wirklich der Triumph des Pragmatismus über das starre Prinzip.
00:15:05: Weißt du ich frage mich bei solchen Details immer?
00:15:08: Wie können Historiker das heute so wahnsinnig genau rekonstruieren?
00:15:12: Weil ein Großteil der Originalbriefe aus München an den Hof in München diese Münchner Überlieferung die ist doch irgendwann verloren gegangen!
00:15:20: Ja das war eigentlich ein Totalschaden für die Geschichtswissenschaft.
00:15:24: wäre dann nicht eine extrem glücklicher Zufall im achzehnten Jahrhundert gewesen.
00:15:29: Erzähl
00:15:30: Da gab es einen Archivarnamens Johann Georg von Lori.
00:15:34: Und der hatte zum Glück erkannt, wie wertvoll diese Akten waren!
00:15:37: Er ließ von seinen Schreibern akribische Abschriften der Originale anfertigen.
00:15:42: Ach das ist die Sammlung Lori?
00:15:44: In Akta-Pazis Westfalike werden diese hunderttausenden Seiten heute für uns transkribiert.
00:15:50: Und das Geniale ist ja... Diese Abschrift zeigen uns eben nicht nur die harten Paragrafen sondern auch den Alltag
00:15:55: oder?!
00:15:56: Absolut!
00:15:57: Wir wissen ja daraus, dass Diplomatie gar keine reine Männersache im Hinterzimmer war.
00:16:02: Die Frau von Haslang – also die Ehefrau des bayerischen Gesandten – wurde während des Kongresses in Münster Paten von neun Kindern...
00:16:11: Ja, die hat da richtig gefürgt!
00:16:12: ...die
00:16:12: richtete riesige Dinners aus, baute inoffizielle Netzwerke auf sammelte Informationen beim Essen.
00:16:19: Das war quasi Softpower im siebzehnten Jahrhundert.
00:16:22: Genau dieses ganze Quellenmaterial belegt einfach eindeutig wie Zentral Bayern und Spezialkur fürs Maximilian für das Zustande kommen, dieses westfällischen Friedenswahn.
00:16:31: Ohne seine Ausdauer- und Flexibilität hätte sich das noch ewig hingezogen.
00:16:35: Womöglich noch Jahre!
00:16:36: Ja...
00:16:37: Was mich dann direkt zu der absoluten Preisfrage unserer heutigen Betrachtung führt?
00:16:41: Wenn unsere heutigen Quellen das so Glasglabel legen Warum zur Hölle kennt kaum jemand außerhalb Bayerns diesen Maximilian?
00:16:48: Gute Frage
00:16:49: Warum ist er nicht als brillanter Staatsmann und Friedensstifter im europäischen Gedächtnis verankert?
00:16:55: Weil wir hier den sogenannten Spin Room der Geschichte betreten.
00:16:59: Es gibt eine historiografische Studie von Gerhard Imler.
00:17:03: Und die zeigt uns sehr detailliert, wie das Bild dieses Krieges im Nachhinein einfach geformt wurde.
00:17:08: Wer hat denn da dran rumgeschraubt?
00:17:10: Einer der Haupttäter ist ironischerweise einer unserer größten Dichter Friedrich Schiller!
00:17:14: Ach was
00:17:15: Schiller?!
00:17:16: Ja Schiller schrieb Ende des achzehnten Jahrhunderts eine extrem populäre Geschichte des dreißigjährigen Krieges.
00:17:21: Aber gut...Schiller dachte ja in Dramen nicht in trockenen Akten.
00:17:26: Der brauchte Protagonisten fette Konflikte.
00:17:31: Das war das Problem.
00:17:32: Schiller sympathisierte damals stark mit der protestantischen Seite und dem Streben nach Freiheit, er hat dann die Figur des kaiserlichen Feldherrn Wallenstein zu einem tragisch faszinierenden Helden überhöht
00:17:44: Und für einen pragmatischen knauserigen Verwaltungsexperten wie Maximilian von Bayern war in so einem romantischen Drama einfach überhaupt kein Platz.
00:17:54: Der wurde regelrecht zur Nebenfigur degradiert.
00:17:57: Schiller kann man das vielleicht verzeihen, er war ja Schriftsteller.
00:18:01: Aber was ist mit Leopold von Ranke?
00:18:03: Oha!
00:18:04: Ja,
00:18:04: Ranke... Wenn man Geschichte studiert, ist Ranke doch der absolute Übervater des neunzehnten Jahrhunderts – Der Erfinder der modernen, quellenbasierten objektiven Geschichtsschreibung.
00:18:16: Wie konnte der den Maximilian übersehen?
00:18:18: Weil
00:18:19: auch objektive Historiker ihre blinden Flecken haben.
00:18:22: Ranke stützte sich für sein Werk über den Friedenskongress massiv auf die Berichte Venetianischer Gesandter und auf kaiserliche Akten aus Wien.
00:18:32: Und die bayerischen Akten?
00:18:33: Die hat er fast völlig ignoriert, diese ganzen Details über Geheimschriften- und Suspensionen, die wir gerade besprochen haben.
00:18:40: Vielleicht waren sie ihm zu regional vielleicht passten Sie nicht in seinen großen Fokus auf die absolute europäische Hochdiplomatie.
00:18:48: Das ist ja krass!
00:18:49: Der Mechanismus der dann greift ist natürlich fatal.
00:18:52: Weil Rankke so ein Superstar in der Wissenschaft war, hat offenbar niemand seine Arbeit mehr hinterfragt.
00:18:58: Nein Generationen von Historikern haben seine blinden Flecken einfach als absolute Wahrheit abgeschrieben.
00:19:04: Es war halt bequemer als selbst ins Münchner Archiv zu gehen.
00:19:08: Das ist schon hart Und dazu kam ja dann auch noch die Politik oder?
00:19:12: Ja
00:19:13: Im neunzehnten Jahrhundert kam die Instrumentalisierung der Geschichte durch den modernen Nationalismus dazu.
00:19:19: Deutschland suchte nach einer Identität
00:19:22: und da wurde Maximilian dann endgültig zwischen den Fronten zerrieben, genau!
00:19:27: Die kleindeutsch- protestantischen Historiker, die ja eine Vorherrschaft Preußens rechtfertigen wollten blickten auf Maximilian und sahnen ihm einen Verräter an der deutschen Nation
00:19:38: weil er sich gegen den Kaiser gestellt hat.
00:19:40: richtig Und die katholisch-großdeutschen Historiker machten das genaue Gegenteil.
00:19:46: Sie stilisierten ihn zu einem lupenreinen, völlig fehlerfreien Ritter des katholischen Glaubens.
00:19:52: Also haben beide Seiten einfach einen Mann aus dem siebzehnten Jahrhundert genommen und ihm ein politisches Trikot aus dem neunzehntem Jahrhundert angezogen.
00:20:00: Besser kann man es nicht ausdrücken!
00:20:02: Das zeigt doch wirklich wie extrem gefährlich ist historische Figuren durch die Brille unserer eigenen Zeit zu bewerten.
00:20:09: Ich meine... Maximilian kannte doch gar keinen Nationalstaat.
00:20:12: Absolut nicht!
00:20:14: Er kannte sein Herzogtum, er kannte seine Schulden und er kante seinen Überleben.
00:20:19: Wer die Vorbedingung der damaligen Zeit ignoriert schreibt eben keine Geschichte sondern reine Propagande.
00:20:25: Ein echtes Verständnis entsteht wirklich erst dann wenn man anerkennt dass diese Akteure in völlig anderen Denkrahmen operierten als wir heute.
00:20:34: Lass uns all diese vielen Puzzleteile für dich mal zusammensetzen.
00:20:37: Was nehmen wir jetzt aus diesem gigantischen Quellenberg eigentlich mit?
00:20:42: Ich würde sagen, erstens Krisen selbst solche die drei Jahrzehnte den Kontinent verwüsten folgen keinem unausweichlichen Countdown.
00:20:50: Genau!
00:20:50: Sie eskalieren erst wenn Institutionen versagen und Zufälle so eine Kettenreaktion auslösen.
00:20:56: Und zweitens sehen wir ganz deutlich, dass die Lösung aus solchen scheinbar ausweglosen Lagen echt selten in großen heroschen Gesten liegt.
00:21:05: Sondern eher in der zähn trockenen Arbeit?
00:21:09: Ja, eiserne finanzielle Disziplin und eben pragmatische juristische Tricks wie diese Suspension – das Überwinden von ideologischen Grenzen durch harte Sachpolitik!
00:21:21: Und drittens hinter Frage immer den Erzähler Wenn du das nächste Mal eine historische Doku siehst oder so ein Buch aufschlägst, frag dich einfach.
00:21:29: Welche Akten hat dieser Autor vielleicht ganz bewusst nicht gelesen?
00:21:33: Ein sehr guter Ratschlag!
00:21:34: Aber bevor wir heute Schluss machen möchte ich dir noch einen Gedanken mitgeben der so ein bisschen jenseits der Verträge und Paläste liegt.
00:21:41: Wir haben ja jetzt viel über den Spinn der Historiker geredet über die Codes der Diplomaten und die Millionen des Kurfürsten.
00:21:46: Alles sehr strategisch
00:21:48: Ja, aber in dem Museumsüberblick findet sich eine kleine, aber extrem erschütternde Randnotiz.
00:21:54: Nämlich die Erkenntnisse aus dem sogenannten Tillyfund.
00:21:58: Ah!
00:21:58: Die Ausgrabungen?
00:21:59: Richtig.
00:22:00: Archäologen haben in den letzten Jahren massengräber und Söldnerlager aus dieser Zeit ausgegraben.
00:22:06: Und was sie an den Knochen ablesen können – das ist das wahre Arbe dieses Krieges.
00:22:11: Die
00:22:11: physischen Beweise der Katastrophe
00:22:13: Genau Die Knochen dieser Menschen, also Soldaten genauso wie Zivilisten, die zeigen eben keine heldenhaften Schlachtverletzungen.
00:22:21: Sondern wahrscheinlich eher...
00:22:23: Mange Ernährung im Extremstadium!
00:22:26: Sie zeigen Wachstumsstörungen bei Kindern, Seuchen einen körperlichen Verschleiß der für uns heute völlig unvorstellbar erscheint.
00:22:33: Das
00:22:33: ist die Realität am Boden gewesen?
00:22:36: Während die Diplomaten in Münster jahrelangen überkutschen und die Suspendierung von Paragrafen debattierten, hat sich dieser Krieg buchstäblich in die Skelette einer ganzen Generation gefressen.
00:22:47: Das
00:22:47: Ausmaß ist unbegreiflich!
00:22:50: Und da frage ich mich halt, wenn das Trauma so tief in den Knochen-und in der Erde eines Kontinents sitzt?
00:22:56: Wie viele Generationen braucht es eigentlich bis eine Gesellschaft so eine körperliche und psychologische Verwüstung wirklich verdaut hat?
00:23:03: Sehr lange.
00:23:04: Ja...
00:23:05: Es ist leicht, einen Frieden auf dem Papier zu unterschreiben.
00:23:08: Aber das Trauma aus dem Boden zu waschen – das dauert wahrscheinlich Jahrhunderte!
00:23:14: Ein Gedanke den man definitiv im Hinterkopf behalten sollte.
00:23:18: Bis zum nächsten Mal.
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