Vom Versuch, aus dem Sattel zu kämpfen
Shownotes
Diese Episode beschreibt die Reiterei im Dreißigjährigen Krieg und verdeutlicht die Unterschiede zur modernen Kavallerie. Ein zentraler Aspekt ist die individuelle Ausrüstung, da Söldner ihre eigenen, nicht genormten Pferde und Sättel mitbrachten, während Gebisse von spezialisierten Handwerkern maßgefertigt wurden. Die Unterbringung und Versorgung der Tiere erfolgte oft durch die zwangsweise Einquartierung bei der Zivilbevölkerung, insbesondere in Regionen wie beispielsweise dem Hochstift Paderborn. Zudem wird erläutert, dass es damals noch keine gezielten Pferderassen, sondern eher zweckmäßige Züchtungen gab, wobei die Tiere deutlich kleiner waren als heutige Reitpferde. Die Erläuterungen betonen die enge, exklusive Bindung zwischen Ross und Reiter als charakteristisches Merkmal dieser Epoche. Insgesamt vermitteln die Berichte ein detailliertes Bild vom militärischen Alltag und der Logistik des 17. Jahrhunderts.
Musik: Fat Bunny | Epic Beat | Pixabay Foto: ChatGPT
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00:00:00: Der nachfolgende Beitrag wurde mithilfe künstlicher Intelligenz erstellt.
00:00:58: Genau.
00:00:59: Und der Feind stürmt auf dich zu und du ziehst im perfekt geplanten Moment deine schwere Pistole aus dem Sattel, zielst, drückst ab... ...und es passiert absolut gar nichts!
00:01:10: Kein Knall, kein Schuss.
00:01:12: Richtig – einfach nix.
00:01:14: Und warum?
00:01:15: Weil die teure Musketenkugel schon vor drei Kilometern beim Gallopieren über irgendeinen Acker unbemerkt aus dem Lauf gefallen ist.
00:01:22: Ja
00:01:25: das fast diese Zeit erstaunlich gut zusammen finde ich.
00:01:28: Wir kommen in der historischen Realität, oder?
00:01:30: Absolut.
00:01:31: Ja wir neigen heute einfach dazu Geschichte durch so eine sehr bereinigte Hollywood-Linse zu betrachten.
00:01:38: Ah ja diese perfekten Bilder im Kopf!
00:01:40: Genau, wir stellen uns da immer gigantische markellose Heere vor.
00:01:45: Hunderte von Reitern alle in perfekt aufeinander abgestimmten Rüstungen...
00:01:49: Auf riesigen Pferden natürlich?
00:01:51: Ja!
00:01:51: Riesige Schlachtrosse alles agiert wie so eine gut geölte vollkommen synchrone Maschine.
00:01:58: Aber also wenn wir uns die tatsächlichen historischen Notizen und Aufzeichnungen aus dem frühen siebzehnten Jahrhundert mal wirklich ansehen dann ...
00:02:07: Dann bricht das Bild komplett zusammen.
00:02:09: Komplett.
00:02:10: Das offenbart sich einfach eine völlig andere Realität.
00:02:13: Und genau dieses Bild, diese echte Realität werden wir heute mal ganz genau unter die Lupe nehmen.
00:02:20: Also willkommen zu unserer heutigen Analyse!
00:02:23: Hallo
00:02:24: Wir haben hier einen Stapel extrem spannender Quellen vor uns liegen Die uns wirklich tief in das wahre Leben der Pferde und natürlich ihrer Reiter im dreißigjährigen Krieg führen.
00:02:35: Ja und unsere Mission heute ist eigentlich ganz klar
00:02:38: Nämlich diese ganze romantische Illusion von diesen einheitlichen Ritterherren mal so richtig einzureisen.
00:02:45: Genau,
00:02:45: wir blicken hier nämlich auf eine Realität die logistisch extrem chaotisch war sehr individuell und handwerklich viel viel komplexer als man das heute ahnt.
00:02:55: Um das aber richtig zu greifen müssen wir unseren Blickwinkel glaube ich erstmal komplett verschieben.
00:03:00: Richtig, wir dürfen diese militärischen Konflikte von damals auf gar keinen Fall mit dem vergleichen was wir so seit dem neunzehnten oder zwanzigsten Jahrhundert als Armee kennen.
00:03:10: Die Quellen zeigen uns da eher ein System aus einem sehr rauen Kriegshandwerk.
00:03:16: das waren purer Überlebenskampf der von extremer Improvisation abhängen
00:03:21: und es geht ja auch um völlig ausgestorbene Berufe richtig?
00:03:24: Ja
00:03:24: total ausgestorbene Berufe und eben auch um die wirklich erdrückende Last, die dieses ganze Konstrukt am Ende auf die Zivilbevölkerung abgewälzt hat.
00:03:35: Das
00:03:35: ist ein riesiges Thema?
00:03:36: Absolut!
00:03:37: Und wenn man diese ganzen Puzzleteile dann mal zusammensetzt, dann versteht man die Dimensionen dieses Krieges plötzlich auf einer ja ich sag mal sehr direkten, fast schon intimen Ebene.
00:03:48: Dann
00:03:49: lass uns doch direkt mal bei der Struktur dieser Truppen ansetzen!
00:03:52: Da ist mir nämlich in den Unterlagen sofort ein Begriff aufgefallen, der für mich eigentlich alles verändert hat.
00:03:56: Du meinst den Begriff der Kavallerie?
00:03:58: Genau wir sprechen ja heute umgangssprachlich immer von der glorreichen Kavallerie aber die Dokumente aus dem dreißigjährigen Krieg die weigern sich geradezu vehement dieses Wort überhaupt zu benutzen
00:04:10: Ganz konsequent.
00:04:11: Da
00:04:11: ist immer nur von der sogenannten Reiterei die Rede, warum ist das nicht einfach nur so eine historische Haarspalterei sondern wirklich essentiell damit wir das verstehen?
00:04:21: Weil sich dahinter einfach zwei fundamental unterschiedliche Konzepte vom Militär verbergen.
00:04:27: also Cavalry – wie sie sich dann in den späteren Jahrhunderten etabliert hat – basiert komplett auf der Idee der Standardisierung.
00:04:34: Also alles ist genormt.
00:04:36: Genau Die Prämisse da ist simpel Jeder ausgebildete Soldat muss in der Lage sein, jedes x-beliebige Pferd seiner Einheit zu reiten.
00:04:44: Und umgekehrt wahrscheinlich auch?
00:04:45: Ja!
00:04:45: Jedes Pferden muss darauf trainiert sein von absolut jeden Soldaten geritten werden.
00:04:50: Das Pferde wird da im Grunde zur genormten Ausrüstungsstück degradiert.
00:04:56: Krass!
00:04:57: Okay... Und die Reiterei des siebzehnten Jahrten gar so um die es heute geht, die operierte nach völlig anderen Spielregeln.
00:05:04: Da galt ein absolutes Eins-zu-eins-Prinzip.
00:05:07: Moment mal, das bedeutet also der Söldner heuert da nicht bei irgendeinem Herführer an und bekommt dann zack einen Pferd aus dem großen Armeestall zugeteilt?
00:05:16: Nein im Normalfall absolut nicht!
00:05:19: Wenn jemand damals seine Kriegsdienste angeboten hat, dann wurde erwartet dass er quasi als eigenständiger Kleinunternehmer auftritt.
00:05:27: Ein Unternehmer auf dem Schlachtfeld
00:05:29: sozusagen ja.
00:05:31: Er brachte seine eigene Ausrüstung mit, seinen eigenen Waffen und vor allem eben sein ganz eigenes Pferd.
00:05:38: Wahnsinn!
00:05:38: Das war sein Kapital.
00:05:40: Dieses spezifische Pferd sollte dann mit genau diesem einen Reiter ein Auftrag erfüllen und daraus resultiert dann logischerweise auch, dass es überhaupt keine einheitliche Erscheinungsform gab?
00:05:51: Also keine standardisierten Uniformen...
00:05:54: Söldner hatte irgendwo anders das Reiten gelernt je nach Herkunft und brachte eben exakt das Pferд mit, dass er sich gerade leisten konnte.
00:06:03: Also wenn ich das mal so in die Gegenweit übersetze, das ist ja im Grunde dieses Bring Your Own Device Prinzip.
00:06:08: Dass wir heute aus modernen Büros kennen oder?
00:06:11: Ja!
00:06:11: Das ist eigentlich ein hervorragender Vergleich.
00:06:14: Eine Kollege bringt einen brandneuen Mac mit der andere arbeitet auf einem völlig veralteten Windows Laptop und alle sollen irgendwie an ein und demselben Projekt arbeiten.
00:06:23: Genauso war's
00:06:24: Nur dass wir hier eben nicht von paar Exeltabellen sprechen, sondern von bewaffneten Männern in einer absolut lebensgefährlichen Schlacht.
00:06:31: Ja mit extrem hohem Risiko!
00:06:33: Die Umhimmelswillen.
00:06:34: führt man denn dann so einen wilden Haufen?
00:06:37: Also koordinierte Taktiken auf dem Schlachtfeld das muss doch ein reiner Albtraum gewesen sein wenn da buchstäblich jeder nach seiner eigenen Pfeife tanzt.
00:06:45: Das war eine enorme Herausforderung.
00:06:49: Man darf sich das auf keinen Fall wie dieses Synchronexerzieren der Preußensperte-Raziten vorstellen.
00:06:55: Also kein Stechschritt und perfekte Linien?
00:06:57: Nein, wirklich aufeinander eingespielt waren diese Einheiten überhaupt nicht!
00:07:02: Es gab da zwar so eine Art organisatorische Klammer – nämlich den sogenannten Regimentsreitmeister.
00:07:08: Okay… Und was hat er
00:07:09: gemacht?!
00:07:10: Wenn man sich dessen Pflichten ansieht, dann erkennt man sehr schnell die Prioritäten von damals.
00:07:15: Seine Hauptaufgabe war nämlich definitiv nicht das Einstudieren von komplexen Formationswechseln
00:07:22: Sondern wofür hat man den Mann bezahlt?
00:07:25: Er war in erster Linie eigentlich ein reiner Logistiker Für die ganz elementalen Grundbedürfnisse.
00:07:32: Er musste sich um die Forage kümmern, also irgendwie sicherstellen das Hafer und Heu besorgt wurden….
00:07:37: Ohne Futter geht nichts!
00:07:38: Genau – und er organisierte rudimentäre Unterkünfte.
00:07:42: Was das rein militärische anging, da beschränkte sich seine Arbeit auf das Simpelste exerzieren zu Pferde …
00:07:49: Also nur die Basics?
00:07:51: Richtig, einfach nur damit die Truppe wenigstens überhaupt in eine gemeinsame Richtung ritt und auf so ganz grundlegende Waffenübungen.
00:07:58: Das Ziel war da nicht die perfekte Symbiose der Truppe,
00:08:01: sondern einfach nur Masse.
00:08:02: Genau das pure massive Bündeln von individueller Söldnerkraft!
00:08:07: Man wollte diese extrem gefährliche Masse einfach nur in die richtige Richtung lenken – mehr nicht.
00:08:12: Das ist eigentlich der perfekten.
00:08:13: Übergang zu einem weiteren Punkt, der mich in diesen Quellen total fasziniert hat?
00:08:17: Welcher
00:08:17: genau?!
00:08:18: Ja... Wenn die Armee keine einheitlichen Pferde stellt dann bedeutet das ja im Umkehrschluss dass wir einen völlig buntes Sammelsurium an Tieren da auf dem Feld stehen haben.
00:08:28: Richtig!
00:08:29: Unterschiedliche Größen, völlig unterschiedliche Körperbauten – man kann da also auch gar keine Ausrüstung irgendwie in Massenproduktion herstellen.
00:08:37: Eine Trense die dem einen fährt superpasst, die ruiniert den nächsten Pferd vielleicht komplett das Maul?
00:08:42: Absolut.
00:08:43: Das führt uns ja dann direkt zu diesen ganzen handwerklichen extrem maßgeschneiderten Lösungen,
00:08:49: oder?
00:08:49: Ganz genau.
00:08:50: Hier zwingt diese fehlende Normierung die Menschen damals zu extremen kreativen und vor allem individuellen Lösungen.
00:08:57: Nehmen wir mal die Settel als Beispiel!
00:08:59: Weil jedes Pferd einen komplett anderen Rücken hatte nutzte man vielfach sogenannte Strohsättel.
00:09:05: Strohhsätteln?
00:09:07: Klingt nicht sehr bequem...
00:09:08: Ja, man baute zwar so einen hüllzenden Sattelbaum als Gerüst Aber die Lederkissen an der Unterseite, also die, die direkt auf dem Pferderücken auflagen, wurden nicht festgepolstert.
00:09:20: Sondern?
00:09:20: Die wurden stattdessen mit Stroh, mit Werk – das sind so grobe Handfasern oder auch Watte gestopft.
00:09:27: Ah okay!
00:09:28: So konnte der Söldner dann diese Polsterung eigentlich ständig an den sich verändernden Rücken seines Pferdes anfassen.
00:09:34: Clever Ja, je nachdem ob das Tier gerade gut im Futter stand oder eben auf so einem langen Fell zu komplett abgemagert war.
00:09:39: Das leuchtet absolut ein!
00:09:41: Aber jetzt müssen wir noch mal ganz kurz auf mein Eingangsbeispiel zurückkommen...
00:09:45: Die Pistole.
00:09:46: Genau.
00:09:47: Vorne an diesem Strohsattel links und rechts.
00:09:50: Da hingen ja diese Halfter für die schweren Steinschlosspistolen Und du musst mir bitte einmal physikalisch erklären wie es sein kann dass diese Kugeln da einfach so rausfallen.
00:09:59: Ja, das klingt heute absurd.
00:10:00: Aber man muss sich einfach die Waffentechnik der Zeit vor Augen führen!
00:10:04: Wir sprechen hier von reinen Vorderladern mit glatten Läufen.
00:10:08: Keine Rillen also?
00:10:09: Genau.
00:10:10: Moderne Waffen haben ja gezogene Läufe... Also das sind so spiralförgige Rillens im Inneren, die das Projektil beim Abfeuern in Rotation versetzen.
00:10:18: Damit es stabil
00:10:19: fliegt?!
00:10:20: Richtig und die das Projektil eben vorher auch fest im Laufein klemmt.
00:10:24: Aber im siebzehn Jahrhundert bei diesen Reiterpistolen, da gab's das nicht.
00:10:29: Der Lauf war einfach ein komplett glattes Rohr.
00:10:32: Oh je!
00:10:32: Der Söldner schüttete davon oben Schwarzpulver hinein und ließ dann von vorne eine Bleikugel hineinrollen.
00:10:39: Die lag dann also im Grunde... Nur so ganz lose auf dem Pulver da unten auf?
00:10:44: Im Idealfall wurde sie durch einen Propfen, also meistens ein Stück Papier oder eben dieses Werk, so ein bisschen fixiert.
00:10:50: Das hat man dann mit dem Ladestock festgestampft!
00:10:53: Okay klingt erstmal stabil...
00:10:55: Jaaa aber jetzt versetzt dich mal in die Situation auf dem Schlachtfeld.
00:10:59: Du reitest im wahnsinnig schnellen Galopp über sehr tiefes komplett unebenes Gelände.
00:11:04: das Pferd springt der Sattel ruckelt extrem stark hin und her.
00:11:08: Ah ich ahne es schon
00:11:10: Genau.
00:11:11: Diese immensen Erschütterungen lockerten diesen Propfen im Lauf unweigerlich, die Schwerkraft tot dann einfach ihr übriges.
00:11:19: Wahnsinn!
00:11:20: Wenn der Söldner die Pistole aus dem Halfter zog und sie nach unten auf den Feind richtete – ja….
00:11:25: Dann war die Bleikugel oft längst lautlos herausgekullert.
00:11:29: Und man merkt es nicht mal in dem Chaos?
00:11:31: Nein überhaupt nicht.
00:11:33: Es machte beim Abdrücken nur noch ein lautes Puff vom Pulver aber es kam halt kein Projektil mehr raus.
00:11:39: Eine völlig absurde Vorstellung.
00:11:41: Du galoppierst da wirklich in den sicheren Tod, verlässt dich komplett auf deine Hightech-Waffe der damaligen Zeit und die verdammte Physik machte einfach einen Strich durch die Rechnung.
00:11:51: Es war ein ständiges Risiko.
00:11:53: Aber gut Lass uns mal von den Waffen weg und hin zum Kopf des Pferdes gehen.
00:11:59: Die Quellen erwähnen daher auch ganz speziell das Zaumzeug und die Gebisse Und hier tauchen diese ganzen Berufe auf, die du anfangs einmal erwähnt hast.
00:12:07: Richtig Hier zeigt sich ein historisches Handwerk, dass man in seiner Präzision wirklich kaum überschätzen kann.
00:12:15: Da es ja – wie wir besprochen haben – keine Normpferde gab, gab es eben auch absolut keine Gebisse von der Stange!
00:12:22: Das musste alles angefertigt werden?
00:12:24: Ja das Metallstück, das direkt im Maul des Pferdes lag, das musste für jedes Tier individuell gefertigt wird und dafür gab's eben echte Spezialisten.
00:12:33: Wie ließen die?
00:12:34: Den sogenannten Sporer-und ganz speziell den Beißer?
00:12:39: Ja, ihre einzige Aufgabe war es eigentlich das Maul des jeweiligen Pferdes ganz genau zu vermessen und dann ein Gebiss zu schmieden.
00:12:48: Das exakt also wirklich auf den Millimeter an die Anatomie von diesem einen Tier angepasst.
00:12:54: Da muss ich jetzt aber echt mal kurz einhaken, denn ich hatte beim Lesen dieser Texte einen massiven Widerspruch in meinem Kopf.
00:13:00: Was meinst
00:13:01: du?
00:13:01: Naja wenn wir heute mal durch so'n historisches Museum laufen und uns diese Barockengebisse in den Vitrinen ansehen – also diese massiven Metallstangen mit ewig langen Aufzügen an der Seite…
00:13:10: Ja die sehen extrem wuchtig aus!
00:13:12: …wuchtig
00:13:13: ist gar kein Ausdruck.
00:13:14: Das sieht für das moderne Auge aus wie ein brutales Folterinstrument.
00:13:17: Man hat sofort das Gefühl damit sollte dem Thiel bei allerkleinsten Bewegung einfach der Kiefer gebrochen werden...
00:13:24: Die ist total nachvollziehbar, aber sie führt uns leider völlig in die Irre.
00:13:29: Nimmt man so ein originales Gebiss aus dem siebzehnten Jahrhundert mal wirklich selbst in die Hand und betrachtet das anatomisch am Pferd?
00:13:37: Dann dreht sich dieses Bild um hundred-achtzig Grad!
00:13:40: Wirklich?!
00:13:41: Ja... Das sind absolut keine Folterinstrumente Es sind eigentlich ergonomische Meisterwerke.
00:13:47: Also ähm wie funktioniert es genau?
00:13:49: Wie kann denn so ein grobes Stück Metall da im Mund schonend sein?
00:13:52: Der Schlüssel liegt in den spezifischen Kerben und den Ausbuchtungen von diesen Gebissen.
00:13:58: Ein Pferd hat ja in seinem Kiefer eine von Natur aus zahnfreie Lücke, also genau zwischen den Schneide- und den Backenzähnen – die nennt man Die Laden!
00:14:08: Und genau da liegt das Gebiss… In der Mitte des Mauls liegt aber natürlich die sehr empfindliche Zunge.
00:14:14: Barocke Gebisse haben jetzt in der Mitte oft so eine nach oben gewölbte Biegung, das nennt sich die Zungenfreiheit.
00:14:20: Der Beißer hat das Metall also exakt so geformt dass es sich quasi wie ne Brücke über die Zunge wölbt ohne sie beim Reiten zu quetschen.
00:14:29: Der Druck vom Zügel wird dann überhaupt nicht auf die weiche Zunge ausgeübt, sondern sehr gleichmäßig auf diese unempfindlicheren Laden verteilt.
00:14:37: Und die Kanten, die für uns im Museum so fustbar grob aussehen, sind genau an den Stellen sanft abgerundet wo sie sonst am Kieferknochen reiben könnten.
00:14:46: Das ist ja genial!
00:14:47: Ja, das Ziel war eben definitiv nicht Schmerz sondern eine verletzungsfreie aber eben auch absolute Kontrolle über das Tier.
00:14:54: Das
00:14:55: verblüfft mich jetzt wirklich.
00:14:56: wir reden hier über den dreißigjährigen Krieg ein Zeitalter dass ja eigentlich für unvorstellbare Brutalität und Grobheit bekannt ist.
00:15:02: Das stimmt!
00:15:03: Und dann schauen wir auf dieses kleine Detail und stellen fest die Söldner ließen ihren Tieren da eine individualisierte ergonomische Handwerkskunst zugute kommen modernen Reitstellen heute oft komplett fehlt.
00:15:18: Absolut!
00:15:18: Aber es macht natürlich Sinn, das ist purer Pragmatismus.
00:15:21: oder ein Pferd mit einem blutigen entzündeten Maul gehorcht einfach nicht?
00:15:26: Es frisst nicht mehr und isst in der Schlacht am Ende komplett wertlos.
00:15:29: Exakt dieser Pragmatismus trieb die Söldner an.
00:15:32: wie gesagt das Pferdd war im Grunde ihre Lebensversicherung Und das bringt uns übrigens auch zu der Anatomie der Tiere selbst, die ebenfalls sehr stark von unseren modernen Vorstellungen abweicht.
00:15:44: Die Pferde für die diese ergonomischen Gebisse damals geschmiedet wurden, sahen ganz anders aus als man das heute vielleicht so denkt!
00:15:51: Ja da lassen wir unser Hollywood-Bild vom strahlenden Helden auf dem strahlende zwei Meter großen schwarzen Riesenhängst jetzt mal endgültig platzen oder?
00:16:01: Bitte ja...
00:16:02: Unsere Quellen machen da nämlich sehr deutlich, solche Tiere gab es damals in diesen Heeren schlichtweg überhaupt nicht.
00:16:08: Nein!
00:16:09: Wir müssen uns da wirklich von dem modernen Konzept der Pferdezucht komplett verabschieden.
00:16:13: Heute züchten wir Tiere ja hochspezialisiert auf ganz bestimmte Seistungsmerkmale
00:16:18: für Turniere und so weiter.
00:16:19: Richtig – wir wollen enorme Sprungkraft für diese Turniere oder maximale Geschwindigkeit auf der Rennbahn was dann oft auch mit der Größe der Tiere einhergeht.
00:16:29: Im siebzehnten Jahrhundert gab es aber keine Rassen in diesem Sinne, sondern eher eine regionale gelenkte Vermehrung.
00:16:37: Okay und was suchte man dafür Eigenschaften?
00:16:39: Man brauchte schlichtweg Pferde die extrem zäh waren sehr ausdauernd und die vor allem mit relativ wenig hochwertigen Futter trotzdem überlebensfähig waren.
00:16:50: Das Resultat war dann ziemlich kompakte Tiere.
00:16:54: richtig.
00:16:55: Die Zahlen in den Texten haben mich da wirklich überrascht.
00:16:58: Die sind bemarkenswert.
00:17:00: Ein durchschnittliches Reitpferd und wir reden hier nicht von so langsam schweren Ackerpferden, sondern wirklich von den agilen Tieren dieser Reiterei.
00:17:06: Das hatte ein Stockmaß von gerade einmal eine Meter Fünfzig.
00:17:09: Genau!
00:17:10: Die
00:17:10: absolute Elite der Pferde erreichte dann vielleicht mal eine Meter Sechzig.
00:17:14: Eine Meter Fünftig das ist für heutige Verhältnisse fast schon größeres Pony oder?
00:17:19: Das verändert natürlich die visuelle Dynamik von so einer historischen Schlacht komplett, wenn man das im Kopf hat.
00:17:24: Statt riesiger Ungetüme saßen die Männer da auf relativ kleinen sehr gedrungenen aber eben auch extrem muskulösen und widerstandsfähigen Pferden.
00:17:34: Und das ist ja nicht nur Spekulation
00:17:36: Nein, überhaupt nicht!
00:17:37: Wir müssen das ja nicht nur aus alten Texten ableiten.
00:17:40: Wir haben den enormen Vorteil dass wir heute noch präparierte Originale aus dieser Zeit in Museen haben und die einfach nachmessen können.
00:17:47: Stimmt da gibt es hier einige echt berühmte Exemplare.
00:17:50: Der Schwedenschimmel in Ingolstadt fällt mir da sofort ein.
00:17:52: Ein tolles Beispiel.
00:17:54: Oder Das Ausgestopfte Pferd von Wallenstein aus der Schlacht von Lützen Das trug ja diesen etwas ironischen Namen.
00:18:01: Amoramio
00:18:02: Ja meine Liebe
00:18:03: Genau.
00:18:04: Und natürlich Streif, das Streitross des schwedischen Königs Gustav Adolf.
00:18:09: Das steht ja heute in Kuppenhagen... Wenn man da mal live davorsteht, dann blickt man eben nicht zu so einem Riesen auf!
00:18:15: Man schaut da eher auf ein enorm kompaktes Arbeitstier.
00:18:18: Richtig und diese kompakte Größe die hatte auf den langen Feldzügen einen absolut unschätzbaren Vorteil.
00:18:25: Ein kleineres Pferd verbrennt schlichtweg viel weniger Kalorien.
00:18:29: Logisch.
00:18:30: Es braucht deutlich weniger Futter, um überhaupt am Leben zu bleiben und das war im dreißigjährigen Krieg einfach der alles entscheidende Faktor.
00:18:37: Womit wir übrigens auch beim dunkelsten und wohl tragischsten Kapitel unseres Themas angekommen wären?
00:18:42: Ja!
00:18:43: Der Winter.
00:18:44: Stell dir das mal vor du bist Bauer im Jahr sixteenhundertzweiundzwanzig irgendwo in Paderborner Land.
00:18:50: Eine grausame Zeit.
00:18:51: Du hast da so ein kleines Gehöft Der Herbst geht zu Ende und du hast gerade mal genug Getreide in der Scheune, um deine eigene Familie und vielleicht zwei Kühe irgendwie durch den Frost zu bringen.
00:19:03: Und plötzlich stehen da fünfzig wild aussehende Söldner mit fünfzig extrem hungrigen Pferden in deinem Vorgarten!
00:19:11: Es gab ja damals keine zentralen Kasernenanlagen oder irgendwelche riesige Militärstützpunkte, in die sich so eine Armee über den Winter hätte zurückziehen
00:19:19: können.".
00:19:20: Nein, die Logistik dieser Armeen war im Grunde einfach nicht existent.
00:19:25: Oder besser gesagt sie war vollständig externalisiert!
00:19:28: Wie meinst du das?
00:19:29: Die Feldherren hatten weder das Geld noch die Infrastruktur um Tausende von Menschen und Tieren über Monate hinweg zentral zu versorgen.
00:19:37: Die Lösung für dieses Problem nannte sich damals ein Quartierung Ein
00:19:42: harmlos klingendes Wort für was Schreckliches
00:19:44: Absolut.
00:19:45: Das Prinzip war so simpel wie gnadenlos.
00:19:48: Die Truppe zog einfach in ein Gebiet, das vielleicht noch nicht völlig geplündert war und verteilte sich da auf die Zivilenhöfe und die Dörfer.
00:19:57: Die Bauern wurden quasi gezwungen diese Soldaten und ihre Pferde unter einem Dach aufzunehmen sie durchzufüttern und zu bedienen.
00:20:05: Und dieses konkrete Beispiel, was wir in den Quellen haben aus dem Frühjahr.
00:20:10: Im Hochstift Paderborn ganz speziell im eigentlich wehrlosen Obergelderland das illustriert diesen Wahnsinn wirklich perfekt.
00:20:17: Ja die Situation dort war exemplarisch.
00:20:21: Ernst von Mansfeld so ein protestantischer Herrführer ließ da Truppen anwerben.
00:20:26: Christian von Braunschweig zog dann mit genau diesen Mansfelder Söldnern los.
00:20:31: Sein eigenliches Ziel war ja die Pfalz Aber er wurde dann strategisch abgedrängt und entschied sich, einfach in das kaum verteidigte Palaborner Umland auszuweichen.
00:20:40: Und die absurde Poante an der Geschichte?
00:20:43: Diese Söldner kämpften noch nicht einmal für Christian von Braunschweig.
00:20:47: Unglaublich!
00:20:47: Die
00:20:47: zogen da nur mit ihm mit, brauchten aber trotzdem einfach dringend einen Ort zum Überwintern.
00:20:53: Genau – so ergossen sie sich wie eine Plage über die Dörfer zwischen Warburg- und Marienmünster.
00:20:59: Die ritten auf die Höfe und deklarierten schlichtweg wir sind jetzt hier…
00:21:03: Zack.
00:21:03: Fertig!
00:21:04: Ja, wo ist der Hafer für mein Pferd?
00:21:06: Wo ist das Bett in dem ich heute schlafe?
00:21:08: Wo es verdammt noch mal das Bier... Das war keine höfliche Anfrage.
00:21:13: Das war eine absolute Besatzung im Mikrokosmos des eigenen Zuhauses.
00:21:17: In den historischen Notizen zu dieser ganz speziellen Einquartierung.
00:21:21: da gibt es allerdings so einen Satz bei dem ich wirklich sehr stutzen musste.
00:21:25: Welchen Satz?
00:21:26: Da wird ganz nüchtern beschrieben dass das ganze sixteenhundertzwanzig noch größten Teils gewaltlos ablief.
00:21:33: Ach ja, das Wort Gewaltlos?
00:21:36: Ich meine man muss sich das mal vorstellen.
00:21:38: Eine Horde bis an die Zähne bewaffneter Fremder okupiert einfach dein Haus ist die Vorräte deiner Kinder auf und drängt dich komplett an den Rand des Verhungerns.
00:21:48: Das dann als gewaltlos zu bezeichnen nur weil im ersten Moment vielleicht niemand direkt mit dem Schwert durchbohrt wurde also das grenzt für mich schon an historischen Zynismus!
00:21:58: Für mich klingt dieses ganze System eigentlich weniger nach einer militärischen Notlösung und sehr, sehr viel mehr nach so ner institutionellen Schutzgelderpressung durch die Mafia.
00:22:07: Deine Assoziation zur Schutzgelederpressung greift absolut den Kern der Sache auf!
00:22:12: Dieser Begriff gewaltlos in den Quellen meint ja lediglich die Abwesenheit direkter großflächiger Massaker in genau diesem einen Moment.
00:22:21: Also nur das kein Blutfluss?
00:22:23: Richtig, aber die strukturelle und vor allem auch die psychologische Gewalt war natürlich absolut totalitär.
00:22:30: Es war schlichtweg das Wirtschaftsmodell dieses Krieges!
00:22:33: Und wie sehr dieses Modell einer echten Erpressung liegt, zeigt uns ein weiteres Detail aus Paderborn – die sogenannte Salva Guardia.
00:22:41: also das waren offizielle Schutzbriefe.
00:22:43: Richtig Christian von Braunschweig verteilte ja diese Schutzbrief an einige wenige Dörfer was sie dann vor der Einquartierung bewahrte.
00:22:51: Aber der Grund dafür war ja nicht etwa humanitäre Barmherzigkeit, oder?
00:22:54: Keineswegs.
00:22:56: Er erteilte diese Schutzbriefe fast ausschließlich an Grundbesitzer und Adelige die er persönlich kannte... ...oder die eben direkt bei ihm vorstellig wurden
00:23:06: Und die wahrscheinlich gut gezahlt haben!
00:23:09: Und
00:23:09: wie?!
00:23:10: Die haben oft entsprechend dafür bezahlt oder eben großen diplomatischen Druck ausübten.
00:23:16: Wenn du über die richtigen Beziehungen verfügtest Ja dann blieb dein Dorf verschont.
00:23:20: Wenn nicht, hattest du die Söldner im Wohnzimmer.
00:23:23: Krass!
00:23:24: Das zeigt uns ganz deutlich dass die Einquartierung nicht einfach nur so ein unglückliches Chaos war das aus Versehen passiert ist.
00:23:31: Es war die ganz offizielle logistische Lieferkette der Herrführer.
00:23:36: Sie lagerten die extremen Kosten des Krieges systematisch auf die Landbevölkerung aus
00:23:42: Wahnsinn.
00:23:44: was für ein intensiver Ritt durch die echte Realität des siebzehnten Jahrhunderts wenn wir All diese Puzzleteile jetzt mal zusammensetzen.
00:23:51: Da bleibt von der strahlenden Hollywood-Kavalerie wirklich gar nichts mehr übrig!
00:23:55: Nichts, ja...
00:23:56: Was wir hier sehen ist ein unglaublich brutales, improvisiertes System.
00:24:01: So'n Flickenteppich aus absolut individualistischen Söldnern die auf sehr zähen einen Meter fünfzig großen Pferden retten.
00:24:09: Wir verstehen jetzt warum die Schwerkraft beim Gallopieren der allergrößte Feind von so einem Steinschlosspistolen schützen war.
00:24:15: Die fehlende Kugel, ja?
00:24:17: Genau.
00:24:18: Und wir haben gelernt, dass in diesen unfassbar barbarisch aussehenden Metallgebissen eine tiefgreifende anatomische Meisterleistung steckte die die Pferde ja eigentlich schützte.
00:24:28: Und wir haben gespürt, dass die Logistik dieses Krieges schlichtweg darin bestand, die wehrlose Zivilbevölkerung einfach systematisch auszusaugen.
00:24:35: Es ist eine Geschichte in der wirklich handwerkliche Brillanz und ein tiefes Verständnis für das einzelne Tier direkt neben skrupelloser Ausbeutung und organisatorischem Chaos existierten.
00:24:47: Ein krasser Gegensatz!
00:24:48: Und genau diese Widersprüche machen die wahre Geschichte doch so viel faszinierender als jeden gegletteten Hollywood-Film findest du nicht?
00:24:56: Absolut
00:24:56: Wenn man diese historischen Mechanismen einmal wirklich verstanden hat, dann sieht man auch dieser alten historischen Gemälde und die ganzen Museumsexponate mit völlig anderen Augen.
00:25:05: Ja!
00:25:06: Und wenn wir diese Analyse jetzt abschließen?
00:25:08: Dann drängt sich mir aus diesen Quellen heraus noch ein Gedanke auf... der eigentlich weit über den dreißigjährigen Krieg hinausgeht.
00:25:15: Was meinst du?
00:25:16: Wir haben ja vorhin so intensiv über die Beiser gesprochen, über diese Handwerker, die mit immensem Wissen jedes Gebiss exakt an die individuelle Anatomie von einem einzigen Pferd anpassten.
00:25:29: Als sich dann aus dieser wilden Reiterei in den folgenden Jahrhunderten die stark genormte standardisierte Kavalerie entwickelte, da wurde diese Individualität komplett ausgemerzt.
00:25:40: Ah!
00:25:41: Die Pferde bekamen dann also nur noch diese Einheitstrenzen aus der Massenproduktion.
00:25:45: Genau, und das wirft für mich eine extrem provozierende Frage auf!
00:25:50: Hat der unbegingte Drang des modernen Militärs nach absoluter Uniformität am Ende vielleicht dazu geführt dass tiefes handwerkliches Wissen und sogar der Tierschutz auf der Strecke blieben?
00:26:04: Haben wir im Streben nach dieser scheinbar perfekten, standardisierten Maschine die Bedürfnisse des Individuums – egal ob das jetzt Mensch oder Tier ist – schlicht weggeopfert?
00:26:14: Ich finde, dass es etwas darüber man wirklich nachdenken kann wenn man das nächste Mal so eine perfekt genormte Armeeformation marschieren sieht.
00:26:26: Das ist ein unglaublich starker Gedanke zum Schluss.
00:26:28: Vielen Dank, dass ihr uns auf dieser tiefgehenden Recherche in das siebzehnte Jahrhundert begleitet habt.
00:26:33: Bleibt neugierig hinterfragt die ganzen historischen Mythen und bis zum nächsten Mal!
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